07.02.2006 · Die afghanische Polizei hat bei Ausschreitungen an einem norwegischen Nato-Stützpunkt vier Demonstranten erschossen. Die Taliban rufen zum „Heiligen Krieg“ gegen Dänen. Iran hat alle Wirtschaftsbeziehungen zu Dänemark abgebrochen.
Die afghanische Polizei hat vor einem norwegischen Nato-Stützpunkt das Feuer auf demonstrierende Muslime eröffnet und dabei vier Menschen erschossen. Ein Behördensprecher sagte am Dienstag, die Menge habe aus Protest gegen die in westlichen Zeitungen veröffentlichten Karikaturen Mohammeds versucht, den Stützpunkt in Majmana in der nordwestlichen Provinz Farjab zu stürmen. „Einige haben Schußwaffen eingesetzt“, sagte der Sprecher. Es seien auch Granaten und Brandsätze geflogen. Einige norwegische und finnische Soldaten sollen leicht verletzt worden sein.
Ein Sprecher der Nato-Schutztruppe Isaf sagte, britische Soldaten würden zum Schutz des dortigen Flugfelds nach Majmana entsandt. Die Vereinten Nationen (UN) kündigten an, nicht dringend benötigtes Personal aus der Stadt abzuziehen. Ein norwegischer Militärsprecher sagte: „Die Situation ist weiter außer Kontrolle.“ Die norwegischen Truppen hätten Tränengas eingesetzt. F-16 Kampfflugzeuge überflögen das Gebiet, um Stärke zu demonstrieren.
Iran bricht Handel mit Dänemark ab
Auch in Dschalalabad, Herat und der Hauptstadt Kabul demonstrierten Afghanen gegen die Mohammed-Karikaturen. Die radikalislamischen Taliban riefen zum „Heiligen Krieg“ gegen Dänemark auf. Schon am Montag kamen bei Demonstrationen in verschiedenen Teilen Afghanistans und in Somalia Menschen ums Leben. (Siehe: Mehrere Tote bei Karikaturen-Protest) Die Nato hat etwa 9000 Soldaten in Afghanistan stationiert, darunter auch Bundeswehr-Einheiten.
Die iranische Regierung hat unterdessen ihre Handelsbeziehungen zu Dänemark abgebrochen, wo die umstrittenen Karikaturen zuerst erschienen waren. Wirtschaftsminister Massud Mirkasemi erklärte am Dienstag alle Verträge und Verhandlungen mit dänischen Unternehmen mit sofortiger Wirkung für ausgesetzt. „Keine Waren und Güter aus Dänemark dürfen mehr den iranischen Zoll passieren“, sagte Mirkasemi in Teheran.
Weiter Randale an dänischer Botschaft
Die Europäische Union hatte Iran noch am Mittag aufgerufen, auf einen Boykott dänischer Waren zu verzichten. Ein solcher Schritt würde die bereits angeschlagenen Beziehungen weiter belasten, sagte ein Sprecher der EU-Kommission.
Dänemark hat unterdessen formell Protest gegen die anhaltenden Angriffe wütender Muslime auf seine Botschaft in Teheran eingereicht. Außenminister Per Stig Möller habe von seinem iranischen Kollegen „in klaren Worten gefordert, daß Iran alles unternimmt, um die Botschaft und das Leben von Dänen zu schützen“, sagte ein Sprecher am Dienstag. Iran sei für alle entstehenden Schäden verantwortlich.
Auch am Dienstag hatten Dutzende Randalierer das evakuierte Gebäude wieder mit Steinen beworfen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge zu vertreiben. Dennoch gelang es mindestens drei Demonstranten, über die hohen, mit Stacheldraht versehenen Mauern zu klettern und auf das Gelände zu stürmen.
Ayatollah Chamenei: Verschwörung Israels
Der geistliche Führer des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, bezeichnete die Veröffentlichung der Karikaturen als Reaktion auf den Sieg der radikalen Hamas-Bewegung bei der palästinensischen Parlamentswahl. Der Nachdruck der Karikaturen in mehreren europäischen Zeitungen sei eine von Israel ausgehende Verschwörung. „Der Westen verurteilt jede Leugnung des Holocausts, aber er läßt die Beleidigung islamischer Heiligkeiten zu“, sagte Chamenei.
Irans größte Zeitung hat Zeichner weltweit zu einem Karikaturenwettbewerb über den Holocaust aufgerufen, um „die Pressefreiheit des Westens“ zu testen. (Siehe: Iraner starten Karikaturen-Wettbewerb über Holocaust)
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