03.12.2005 · Vor vierzehn Jahren erstand der einfache Küchenangestellte auf dem Flohmarkt von Montreuil für umgerechnet rund 1500 Euro ein Gemälde mit der Signatur „Vincent“ in roter Farbe und war von seiner Echtheit überzeugt. Das Van Gogh-Museum in Amsterdam ist da anderer Meinung.
Von Angelika HeinickAm 13. Dezember 2003 sollte der Auktionator Eric Le Blay in Portets bei Bordeaux ein Gemälde von Van Gogh mit dem Titel „Die Pflüger“ versteigern. Die Holztafel im Format 30,5 mal 45,8 Zentimeter mit einer Schätzung von drei bis fünf Millionen Euro wurde jedoch wenige Tage vor der Auktion zurückgezogen: Der französische Versteigerungsrat war durch Presseberichte auf die Weigerung des Amsterdamer Van-Gogh-Museums, das Gemälde als echt anzuerkennen, aufmerksam geworden und stellte fest, daß das Auktionshaus nicht über die für eine solche Auktion notwendige Versicherung verfügte.
Der Eigentümer des Ölbilds, ein einfacher Küchenangestellter, mußte es zurücknehmen; aber er gab sich keineswegs geschlagen. Als er das Gemälde mit der Signatur „Vincent“ in roter Farbe 1991 auf dem Flohmarkt von Montreuil für 10 000 Franc (rund 1500 Euro) kaufte, war er von der Echtheit überzeugt. Das Van Gogh-Museum in Amsterdam beschied ihn jedoch 1992 nach Begutachtung einer Fotografie des Bilds, das Gemälde sei „eine Fälschung durch einen ziemlich fähigen Künstler“. Ein Experte von Christie's sei hingegen sehr beeindruckt gewesen, sagt die Anwältin des Eigentümers, Armelle de Coulhac-Mazérieux, habe dem Besitzer aber gesagt, daß das Bild ohne ein Gutachten des Museums nicht zu verkaufen sei.
Zwischenzeitlich hat der glücklose Entdecker von dem Schriftsteller Benoît Landais Schützenhilfe bekommen. Der hält die „Pflüger“ für eine von drei verlorenen Holztafeln, die Ende 1883 in Drenthe entstanden sind. Landais, der selbsternannte Van Gogh-Spezialist, löste 1996 einen Skandal aus, als er Van Goghs berühmten „Garten in Auvers“ zur Fälschung erklärte. Drei Jahre später rehabilitierten die französischen Museen das Gemälde (F.A.Z. vom 3. Juli 1999) - ob es je wieder verkäuflich sein wird, ist ungewiß.
Nun hat der Eigentümer der „Pflüger“, bewehrt mit der Gewißheit des Benoît Landais und zwei Laboruntersuchungen der Pigmente, beim Großen Zivilgericht in Bordeaux eine Klage gegen das Van-Gogh-Museum eingereicht: Er fordert die Ausstellung eines Echtheitszertifikats oder aber eine Entschädigung in Höhe von sechs Millionen Euro. Die Klage richte sich auch, so seine Anwältin, zum ersten Mal gegen das „Entscheidungsmonopol“ des Museums. Das Schicksal des „Garten in Auvers“ lehrt indessen, daß auch ein Gericht nicht die Macht hat, den hochsensiblen Markt von seinen Zweifeln zu heilen, selbst wenn es sie ausräumt.