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Französischer Kunstmarkt drouot.com: Kunstboutique im Internet?

27.05.2006 ·  Alexandre Millon, Pariser Auktionator der jungen Generation, hat im Drouot mit Ebay zusammen eine erste sowohl reale als auch virtuelle Auktion mit einem „global positiven“ Ergebnis abgehalten.

Von Angelika Heinick
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Spätestens seit der französische Versteigerungsrat für das Jahr 2004 den bei Ebay France getätigten Umsatz für 1,2 Millionen Kunstwerke und -objekte auf rund 55 Millionen Euro geschätzt hat, werden Online-Geschäfte von den einen als Bedrohung empfunden, von den anderen hingegen - vor allem den Auktionatoren der jüngeren Generation - als reelle Zukunftschance gesehen.

Der vor drei Jahren vom Auktionatorenverband und von Händler- und Expertenverbänden gegründete „Conseil National du Marche de l'Art“ hat sich nun zum ersten Mal mit einem Kolloquium zum Thema „Welcher Kunstmarkt im Internet? Zweckmäßigkeit und Grenzen“ öffentlich profiliert.

Von hohem Symbolwert

Die Veranstaltung in den Räumen des Kulturministeriums, wo sich die Creme des französischen Kunsthandels einfand, und die Ansprache des Ministers Renaud Donnedieu de Vabres hatten hohen Symbolwert: Hervé Poulain, der Vorsitzende des Kunstmarktrats, wertete die dem Markt gegenüber offenere „neue Haltung“ der Behörden als Zeichen der Anerkennung. Das Reformgesetz von 2000 definiert die Geschäfte bei Ebay nicht als Auktionen, sondern Maklergeschäfte - einzig der Verkauf von „Kulturgütern“ ist den vom Versteigerungsrat zugelassenen Auktionshäusern vorbehalten.

Allerdings enthält das Reformgesetz keine Definition von „Kulturgütern“ - bei Ebay France, so der Direktor Gregory Boutté, halte man sich an das Ausfuhrgesetz von 1993, das für Kulturgüter, die älter als fünfzig Jahre sind und deren Wert 150 000 Euro übersteigt, eine Meldepflicht vorsieht.

Der Mist des Kleinviehs

Davon gibt es bei Ebay in der Tat wenige. Bill Fine, der Präsident von Artnet, bestätigte, daß Online-Auktionen mit hochkarätigen Werken geringe Chancen haben. Nach gescheiterten Versuchen hat sich die amerikanische Internetfirma auf die Vermittlung zwischen Kunden und Handel - ihr Mitgliederverzeichnis weist den internationalen Spitzenhandel aus - spezialisiert. Es ist eher der Mist des Kleinviehs, der für Umsätze sorgt und der den Auktionshäusern im Internet verlorengeht: Mancher Kunststudent finanziert sein Studium, indem er bei Drouot körbeweise Keramiken ersteigert, sie einzeln fein säuberlich fotografiert, ausführlich beschreibt und bei Ebay für das Zehnfache wieder verkauft.

Alexandre Millon, Pariser Auktionator der jungen Generation, hat diese Chance erkannt und hat im Drouot mit Ebay zusammen eine erste sowohl reale als auch virtuelle Auktion mit einem „global positiven“ Ergebnis abgehalten. Er avisiere „den Ozean der Kundschaft“ von Ebay; so könne „drouot.com zur größten Boutique der Welt“ werden. Man kann nur hoffen, daß er bei seinen eher traditionsverhafteten Kollegen Unterstützung findet. Denn der Kunde, dessen Interessen beim Kolloquium der amerikanische Schriftsteller und Sammler John Baxter vertrat, kann sich nur freuen: „Ebay öffnet alle Dachböden der Welt.“

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