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Christie's Zwischenstopp für Picasso-Auktion in New York

07.11.2006 ·  Ein deutscher Anwalt wollte die Versteigerung von Kirchners „Berliner Straßenszene“ in New York verhindern, ein dortiges Gericht hat die Versteigerung eines Picasso-Gemäldes zwischenzeitig gestoppt. Die Gründe ähneln sich.

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Trotz eines Einspruchs aus Deutschland darf ein Picasso-Gemälde in Amerika wie geplant versteigert werden. Ein Gericht in New York entschied an diesem Dienstag, das Bild dürfe bei der Christie's-Auktion am Mittwoch unter den Hammer kommen. Zuvor hatte Richter Jed Rakoff das Vorhaben kurzzeitig gestoppt und damit auf einen Antrag eines Erben des Berliner Bankiers Paul von Mendelssohn-Bartholdy reagiert, der sich als rechtmäßiger Eigentümer des Gemäldes sieht.

Es geht um Pablo Picassos Freundesbildnis des Künstlers Angel Fernandez de Soto vor einem Glas Absinth, das Picasso 1903 malte. Der Direktor des Potsdamer Moses-Mendelssohn-Instituts, der Historiker Julius Schoeps, hatte vor Gericht den Aufschub beantragt, um klären zu lassen, ob der frühere Eigentümer, der jüdische Bankier Paul von Mendelssohn-Bartholdy, 1935 von den Nationalsozialisten zum Verkauf des Bildes gezwungen wurde. Auf dem internationalen Kunstmarkt ist das Gemälde jedoch schon ein altbekannter Gast.

Eines der zehn Spitzenlose bei Christie's

Es zählt zu Picassos bekanntesten Werken und war schon im New Yorker Metropolitan Museum ausgestellt. Nachdem es erst vor elf Jahren bei Sotheby's für 26,5 Millionen Dollar an den britischen Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber ging, gehört es nun zu den zehn Spitzenlosen der Auktion für Impressionismus und Moderne bei Christie's in New York, bei der auch Ernst Ludwig Kirchners „Straßenszene“ versteigert werden soll. Unterdessen hat es die Berliner Staatsanwaltschaft abgelehnt, wegen einer möglichen Beschlagnahmung des Kirchner an die amerikanischen Justizbehörden heranzutreten. Ein Münchner Kunstsammler hatte Strafanzeige gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Kultursenator Flierl gestellt (siehe auch: Strafanzeige gegen Wowereit wegen Rückgabe von Kirchner-Gemälde).

Die Provenienz-Angaben im Katalog von Christie's weisen Paul Mendelssohn-Bartholdy als ersten Besitzer des Porträts aus. Es wird dort angegeben, daß das Bild am 31. August 1935 in den Besitz des Kunsthändlers Justin K. Thannhäuser überging und im September 1936 an den New Yorker Galeristen Knoedler verkauft wurde. Dieser erwarb Picassos Bildnis seines Freundes - nach zwischenzeitlichem Verkauf an William H. Taylor - 1946 für 22 200 Dollar. Als 1995 bei Sotheby's Lord Lloyd Webber 26,5 Millionen Dollar für das Kunstwerk bewilligte und damit einen Jahresrekord aufstellte, kam das rund 70 mal 55 Zentimeter messende Gemälde aus der amerikanischen Sammlung von Donald und Jean Stralem. Jetzt hat Webber vom Auktionshaus Christie's für das auch „Der Absinthtrinker“ genannte Bild hohe Garantie erhalten: Die Taxe liegt bei vierzig bis sechzig Millionen Dollar.

Quelle: swka/F.A.Z., 08.11.2006, Nr. 260 / Seite 41
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