04.09.2008 · Dirk Nowitzki durfte die Fahne bei Olympia ins Stadion tragen, Conny Dietz wird diese Ehre am Samstag bei der Eröffnung der Paralympics in Peking zuteil. Für die sehbehinderte Goalballerin sind es bereits die sechsten Spiele - 1996 gewann sie Gold.
Die Freudentränen konnte Conny Dietz nicht zurückhalten: Als am Donnerstagvormittag Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Mannschaft bei den Paralympics in Peking, der Dortmunderin mitteilte, sie sei Fahnenträgerin bei der Eröffnung an diesem Samstag, bekam sie feuchte Augen.
„Es ist wie im Traum, ich kann es kaum fassen. Schon als kleines Kind habe ich immer gedacht, wie toll es sein muss, die deutsche Fahne in so ein Stadion zu tragen“, sagte die deutlich ergriffene Goalball-Spielerin. „Wir haben uns für sie entschieden, weil sie ein Vorbild für alle ist. Nicht nur, dass sie in ihrer Sportart alles erreicht und gewonnen hat, auch ihren Alltag und die Verbindung zwischen Beruf und Sport meistert sie vorbildlich“, begründete der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Karl Hermann Haack, die Entscheidung zugunsten der sehbehinderten Spielerin, die in Peking bereits zum sechsten Mal die Paralympics als Aktive erlebt.
„Verpasste Qualifikation? Das tat sehr weh“
Die Welt- und Europameisterin gehört seit 1983 der Goalball-Nationalmannschaft an und gewann in Atlanta paralympisches Gold. 46 Jahre ist Conny Dietz mittlerweile und damit nicht nur die erfahrenste Athletin, sondern auch Kapitän der deutschen Goalball-Auswahl, die 2007 den WM-Titel gewann und sich damit die Paralympics-Tickets sicherte.
Acht Jahre zuvor musste der Olympiasieger von 1996 tatenlos zusehen, weil die Qualifikation nicht geschafft wurde. „Das tat sehr weh“, beschrieb die Mitarbeiterin der Telekom-Kundenbetreuung ihre damalige Gefühlslage. Umso eifriger und konzentrierter trainierte sie nun für Peking, ihre möglicherweise letzten Paralympics. Zumindest schließt sie einen Rücktritt nach Peking nicht aus, will dann aber dem Sport verbunden bleiben.
Nur zwei Prozent der Sehkraft sind ihr geblieben
Die Anhängerin von Borussia Dortmund möchte ihre Erfahrungen aus mehr als 25 Jahren Leistungssport als Trainerin an den Nachwuchs weitergeben. Goalball ist eine Mannschaftssportart, bei der mit einem Klingelball auf zwei Tore geworfen wird. Von Geburt an leidet Dietz an der Stoffwechselkrankheit „Albinismus“, die mit einer Verminderung von Farbstoff entweder in Haut, Haaren und Augen oder nur in den Augen einhergeht.
Dadurch sind ihr nur zwei Prozent ihrer Sehkraft geblieben. Umrisse und Farben sind das einzige, was sie erkennen kann. Beim Goalball tragen die Spieler allerdings eine undurchsichtige Brille, um die Chancengleichheit zu wahren. Die Athleten verlassen sich auf den Tastsinn und ihr Gehör.