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Marianne Buggenhagen „Für eine Behinderte habe ich sehr viel erreicht“

08.09.2008 ·  Sie sieht sich nicht als Star im Behindertensport, ein Vorbild möchte sie aber gern sein. „Wenn ich den Sport nicht gehabt hätte, wäre ich asozial geworden“, schrieb die Sozialarbeiterin in ihrer Autobiographie. In Peking gewann Marianne Buggenhagen noch einmal Bronze im Kugelstoßen.

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Alter Hase oder Urgestein, das sind Begriffe, die Marianne Buggenhagen mit einem milden Schmunzeln akzeptiert. Die sie sogar selbst in manch ironischer Erzählung über sich verwendet. Kritischer wird es bei der „Mutter der Kompanie“, sie sei „ein Mitglied der deutschen Delegation wie alle anderen auch“. Deshalb ist es mit der Toleranz endgültig vorbei, wenn die 55-Jährige als Star des deutschen Teams bei den XIII. Paralympics in Peking bezeichnet wird. „Was ist ein Star? Den machen Medien“, sagt sie.

Dabei ist Marianne Buggenhagen die mit Abstand bekannteste unter den deutschen Behindertensportlern. Spätestens seit 1994, als sie vor Franziska van Almsick und Steffi Graf zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt wurde. Es folgte ihrer Ansicht nach „ein schlimmes Jahr“, in dem all ihre mit dieser Auszeichnung verbundenen missionarischen Hoffnungen konterkariert wurden. „Ich habe gehofft, dass es den deutschen Behindertensport im allgemeinen nach vorne bringen könnte. Aber es gab dann plötzlich immer und überall nur Marianne Buggenhagen“, erzählt sie: „Ich habe versucht, auch andere nach vorne zu bringen, aber es war vergeblich.“

„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Leben eingestellt“

Ihrer Liste der Erfolge und Ehrungen hält allerdings auch keine andere annähernd stand. 130 nationale Titel hat sie gewonnen, die Bronzemedaille im Kugelstoßen am Montag war ihre 45. bei Paralympics sowie Welt- und Europameisterschaften. Mit der Kugel, dem Diskus und im Mehrkampf hält sie jeweils den Weltrekord. Zweimal erhielt sie das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten. 1993 wählte der Verband der Deutschen Staatsbürgerinnen sie zur Frau des Jahres, in ihrer Heimatstadt Ueckermünde ist sie Ehrenbürgerin. Zwei Schulen für Körperbehinderte tragen ihren Namen, ihre Autobiografie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Leben eingestellt“ verkaufte sich gut.

„Für eine Behinderte habe ich sehr viel erreicht“, sagt die Sozialarbeiterin in einer Berliner Klinik für Querschnittgelähmte: „Vielleicht sogar mehr, als wenn ich nicht behindert gewesen wäre.“ Damals, Anfang der 70er Jahre, hat sie es im Volleyball nur in die 3. Mannschaft von Dynamo Berlin gebracht. Der Sport spielte eine absolut untergeordnete Rolle, ihr Leben war ganz anders geplant. „Ich wollte nach Mosambik, um als Krankenschwester zu arbeiten“, berichtet sie.

„Ich bin froh, dass ich das noch erleben durfte“

Doch ein harmloser Bandscheibenvorfall endete in einer Querschnittslähmung, seit 1977 sitzt Marianne Buggenhagen im Rollstuhl. Aus der Reha heraus entwickelte sich ihr sportlicher Ehrgeiz. „Wenn ich den Sport nicht gehabt hätte, wäre ich im Pflegeheim gelandet oder asozial geworden“, schrieb sie in ihrer Autobiografie. Sehr viel verdankt sie ihrem Mann Jörg, der noch stärker behindert ist als sie und deshalb fast nie bei den Wettkämpfen dabei sein kann. Ihm galt nach dem Bronzewurf von Peking der erste Anruf, „er nimmt mir ringsherum alles ab. Ich habe den Beruf und den Sport, er macht den Garten, den Haushalt, kümmert sich um die Medien, er nimmt mir fast alles ab.“

Am Dienstag könnte im Diskus die 46. internationale Medaille folgen. Es wäre wohl die letzte der achtmaligen Paralympics-Siegerin, denn im Speerwurf ist sie chancenlos und nach Peking wird sie abtrainieren und die Karriere beenden. Dass Gold mit dem Diskus unwahrscheinlich ist und „meine fünften Paralympics somit die ersten ohne Gold werden“, macht sie nicht traurig. Marianne Buggenhagen misst längst nach anderen Maßstäben. „Ich dachte immer, die Spiele von Barcelona oder Sydney seien nicht mehr zu überbieten“, sagt sie: „Aber Peking toppt alles. Da hatte ich als alte Athletin noch einmal feuchte Hände. Ich bin froh, dass ich das noch erleben durfte.“ Ein wahrhaft würdiger Abschluss einer großen Karriere.

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