12.09.2008 · Schwimmer Thomas Grimm ist sein nachträglich gewonnenes Gold über 100 Meter Brust wieder aberkannt worden, nachdem die Disqualifikation des Siegers rückgängig gemacht wurde. Schwimmerin Kirsten Bruhn und die Radrennfahrer Michael Teuber und Wolfgang Sacher dürfen ihr Gold behalten.
Schwimmerin Kirsten Bruhn hat endlich ihre ersehnte Goldmedaille bei den Paralympics in Peking geholt. Nach einmal Silber und zweimal Bronze gewann sie in ihrer Paradedisziplin 100 Meter Brust. Deutschlands Behindertensportlerin der Jahre 2004 und 2005 (siehe: Sieger im Leben: Schicksal in Medaillen umgesetzt), die seit einem Motorrad-Unfall 1991 an einer inkompletten Querschnittslähmung leidet, siegte in 1:36,92 Minuten mit mehr als 15 Sekunden Vorsprung.
Dagegen durfte sich der querschnittsgelähmte Thomas Grimm nur rund eine Stunde über Gold freuen. Der Berliner schlug als Zweiter an, wurde nach der Disqualifikation des Mexikaners Pedro Rangel auf Platz eins gesetzt und erhielt bei der Siegerehrung bereits die Goldmedaille. Anschließend gab das Internationale Paralympische Komitee (IPC) dem Protest der Mexikaner recht, widerrief das Urteil und wird am Samstag eine neue Siegerehrung durchführen.
Grunenberg verlor Bronze und feuerte seinen Blumenstrauß
„Es ist völlig unverständlich, dass die Siegerehrung schon durchgeführt wurde“, sagte Schwimm-Bundestrainer Bernhard von Welck. Phil Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), entschuldigte sich bei den Deutschen. Grimm wurde Opfer der bei den Paralympics manchmal überforderten Organisatoren. Bei der Siegerehrung weinte er vor Freude. Danach musste der Student, der nach vier paralympischen Spielen seine Karriere mit dieser unglücklichen Entscheidung beendete, das Gold wieder hergeben. „Das ist wirklich bitter, die Arbeitsweise des IPC ist fraglich“, sagte Grimm, der sich aber dennoch über Silber freute.
Bronze wurde Niels Grunenberg wieder aberkannt - der Berliner war so sauer, dass er seinen Blumenstrauß wegwarf. „Das ist merkwürdig“, sagte der deutsche Chef de Mission Karl Quade, „eigentlich sollte nach der Medaillenvergabe nichts mehr verändert werden.“ Bereits bei einem 5000-m-Rollstuhlrennen war ein Einspruch wegen einer Massenkarambolage nach der Siegerehrung anerkannt worden - das Rennen wurde am Freitag wiederholt.
Radfahrer sammeln Medaillen
Die Radrennfahrer Michael Teuber und Wolfgang Sacher hatten zuvor die siebte und achte Goldmedaille für das deutsche Team erkämpft. Der 40 Jahre alte Münchner Teuber, der nach einem Autounfall teilweise querschnittsgelähmt ist, setzte sich auf der 24,8-Kilometer-Distanz bei 33 Grad Celsius durch; er hatte bereits Bahnrad-Silber gewonnen. „Ich bin immer am Limit gefahren und habe alles aus meinem Körper herausgeholt. Ich wollte unbedingt noch einmal Gold und bin nun total ergriffen“, sagte Teuber. Zweiter wurde der Spanier Juan Jose Mendez vor dem Amerikaner Anthony Zahn.
Sacher, der 41 Jahre alte Verwaltungsfachwirt aus Penzberg, setzte sich am sechsten Wettkampftag im Zeitfahren über 50 Kilometer nördlich von Peking in 34:41,62 Minuten vor dem Österreicher Wolfgang Eibeck (+10,58) und Fabio Triboli (+42,08) aus Italien durch. Sacher, dem ein Unterarm fehlt, hatte in der Verfolgung und im Zeitfahren auf der Bahn Silber und Bronze geholt.
Zuvor dreimal Bronze
Zuvor waren die deutschen Athleten mit drei Medaillen und einem Weltrekord überaus erfolgreich gestartet. Am Freitagmorgen gewann die erst 17-jährige Maria Seifert (HSC Erfurt) über 100 Meter in 14,28 Sekunden Bronze. Gold ging an die Australierin Lisa McIntosh (14,14), die vor Viktoria Krawchenko aus der Ukraine (14,21) gewann. Ebenfalls Bronze errang Dorothee Vieth vom Hamburger SV im Straßenrad-Zeitfahren der Frauen über 12,7 Kilometer (23:41,95 Minuten). Die Goldmedaille gewann die Britin Rachel Morris (20:57,09) vor der Niederländerin Monique van der Vorst (23:40,64).
Nur wenige Minuten nach ihrer Teamkollegin Vieth gewann Barbara Weise die zweite Straßenradmedaille für das deutsche Team. Im Mixed-Zeitfahren über dieselbe Distanz kam die Athletin der ISG Erlangen in 23:28,33 hinter David Stone (22:14,86) aus Großbritannien und vor der Tschechin Marketa Mackova (23:42,62) ins Ziel. (siehe: FAZ.NET-Sonderseite: Paralympics 2008).