Handbikerin Andrea Eskau und die Sonar-Segelmannschaft mit Jens Kroker, Robert Prem und Siegmund Mainka haben am Samstag bei den Paralympics die Goldmedaillen Nummer zehn und elf für die deutsche Mannschaft gewonnen. Am Abend rückte auch der Berliner Leichtathlet Matthias Schröder nach der Disqualifikation des Chinesen Yansong Li unverhofft zum Paralympics-Sieger über 400 m auf. Zwei Silber- und drei Bronze-Medaillen rundeten den Samstag ab.
Die Entscheidung über Schröders Platzierung fiel erst mit zwei Stunden Verspätung, da das Internationale Paralympischen Komitee (IPC) diesmal den Protest gegen Li, der die Bahn verlassen hatte, zuerst abwartete.
Kroker und seine Crew überglücklich
Vor Qingdao reichte dem 39-jährigen Münsteraner Kroker und seiner Crew Platz fünf im Finalrennen und ein Punkt Vorsprung zum umjubelten Sieg. „Wir sind überglücklich, können es noch gar nicht fassen“, jubelte Kroker nach seinem Sieg in der Fushan Bucht. Silber sicherte sich die französische Mannschaft um Bruno Jourdren punktgleich mit den australischen Bronzemedaillen-Gewinnern um Steuermann Colin Harrison.
Die zweimalige Weltmeisterin Andrea Eskau (Magdeburg), die sich 1998 bei einem Fahrradunfall die Wirbelsäule schwer verletzt hatte, gewann über insgesamt 36,3 Kilometer auf der Straße mit 13/100 Sekunden Vorsprung vor der Niederländerin Monique van der Vorst Gold. Als Dritte sicherte sich Dorothee Vieth aus Hamburg ihre zweite Bronzemedaille der Paralympics in Peking.
Grimm will nicht das CAS anrufen
Für einen Protest im Schwimmen nach dem umstrittenen Ausgang des Brustfinales und der Aberkennung der Goldmedaille von Thomas Grimm ist es zu spät. „Es sollte der Sport im Vordergrund stehen und hier ging es nur um einen Formfehler“, kritisierte der deutsche Chef de Mission, Karl Quade. Tatsächlich war die Disqualifikation des Mexikaners Pedro Rangel wegen Tauchens während des Brustrennens rechtens. Der Ober-Schiedsrichter hatte das Ergebnis aber bereits an der Anzeigetafel veröffentlicht, damit war es rechtskräftig. „Das ist sportlich eine absolute Katastrophe“, sagte der deutsche Chef de Mission Karl Quade: „Man muss den Sport immer über Formalien stellen.“
Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wechselte daraufhin den Ober-Schiedsrichter aus und diskutierte den Fall noch hinter den Kulissen. Der DBS will sich in einem Schreiben beim IPC beschweren, die Möglichkeit eines offiziellen Protests ist nicht gegeben. „Ich gehe nicht davon aus, dass es eine dritte Siegerehrung gibt, dann wäre die Außendarstellung des IPC ganz hinüber“, sagte Grimm, der auch nicht den Internationalen Sportgerichtshof CAS anrufen will: „Das dauert sehr lange, ich weiß nicht, ob das im Interesse des Sports ist.“ (siehe: Der 6. Wettkampftag: Drei Goldmedaillen und eine große Verwirrung).
Grimm hatte im letzten Rennen seiner Karriere am Freitag zwar als Zweiter angeschlagen, nach der Disqualifikation Rangels aber zunächst in einer fälschlicherweise ausgetragenen Siegerehrung Gold verliehen bekommen, musste es dann abgeben und bekam bei einer zweiten Zeremonie Silber.
Kröger wieder im Pech: zum zweiten mal Vierter
Im Segelrevier vor Qingdao haderte 2.4mR-Steuermann Heiko Kröger aus Mönkeberg bei Kiel zum zweiten Mal nach den Paralympics von Athen mit Platz vier im Abschlussklassement. Nach Rang sieben im letzten Rennen war Kröger zwar punktgleich mit dem Bronzemedaillengewinner John Ruf, hatte aber weniger Tagessiege vorzuweisen.
„Es ist so bitter, zweimal hintereinander Vierter zu werden“, sagte Kröger, dem von Geburt an ein Unterarm fehlt. Olympiasieger wurde der Kanadier Paul Tingley vor dem spurtstarken Franzosen Damien Seguin und dem Amerikaner Ruf.
Zwei Mal Silber in der Leichtathletik
Bei den Leichtathletik-Wettkämpfen eroberte Claudia Nicoleitzik aus Püttlingen die Silbermedaille im 200-Meter-Sprint über die volle Runde. Bronze ging an Thomas Loosch (Wattenscheid) im Kugelstoßen mit 14,44 Metern und an die 54 Jahre alte Birgit Pohl (Gera) im Speerwurf (16,36).
Südafrikas Sprintstar Oscar Pistorius gewann im „Vogelnest“ nach den 100 Metern sein zweites Gold über die doppelte Distanz in 21,67 Sekunden. „Usain Bolt ist eine Inspiration für mich, noch schneller zu laufen“, sagte der schnelle Prothesen-Sprinter.
