Home
http://www.faz.net/-g81-10e44
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Der 3. Wettkampftag Dreifach-Sieg für Reiter - Glanzlichter von Buggenhagen und Green

09.09.2008 ·  Auf die deutschen Frauen war auch am dritten Tag der Paralympics Verlass. Marianne Buggenhagen warf Weltrekord mit dem Diskus, Katrin Green sprintete über 200 Meter zu Gold und Hannelore Brenner siegte bei den Reiterspielen in der Dressur.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Auf die deutschen Frauen war auch am dritten Wettkampftag der Paralympics Verlass. „Oldie“ Marianne Buggenhagen (55) warf Weltrekord mit dem Diskus, Nachwuchs-Sprinterin Katrin Green (23) steuerte über 200 Meter Gold bei und Hannelore Brenner siegte bei den Reiterspielen in Hongkong in der Dressur.

„Wir sind sehr zufrieden mit bisher 19 Medaillen in sieben verschiedenen Sportarten“, hatte der deutsche Chef de Mission, Karl Quade, am Dienstag bereits bilanziert - noch ehe er sich am Abend (Ortszeit) über Edelmetall Nummer 20 bis 22 freuen durfte. In der Dressur hatte sich Bettina Eistel Bronze gesichert, zudem gab es für die Dressurreiter Silber in der Mannschaftswertung. „Die Frauen bringen uns nach vorn“, sagte Quade.

Buggenhagen: „Ich fühlte mich fit wie nie“

Die querschnittsgelähmte 55-jährige Buggenhagen erzielte eine Rekordweite von 27,80 Meter und bekam dafür 1060 Punkte. Damit errang die „Sportlerin des Jahres 1994“ ihr neuntes Gold bei Paralympics. Silber gewann die Chinesin Wang Ting mit 17,04 Metern und immerhin 1010 Punkten, weil sie schwerer gehandicapt ist als Buggenhagen. Dritte wurde Jana Fesslova aus Tschechien (24,82/946).

„Ich fühlte mich fit wie nie“, sagte Buggenhagen, der besonders der Regen am Morgen im Nationalstadion gefiel. „Ich bin Asthmatikerin, und hab super Luft bekommen.“ Trotz zweier Schulteroperationen war die älteste deutsche Starterin auf den Punkt in Form. Nach Bronze im Kugelstoßen rechnet sie sich im abschließenden Speerwurf keine Medaillenchancen mehr aus (siehe: Marianne Buggenhagen: „Für eine Behinderte habe ich sehr viel erreicht“).

Gold für Green, Silber für Höfte, Bronze für Sacher

Die Sprinterin Katrin Green gewann später die dritte Goldmedaille für Deutschland. Die unterschenkelamputierte Studentin aus Leverkusen siegte etwas überraschend über 200 Meter in 28,02 Sekunden. Dabei profitierte die 23-Jährige von Stürzen zweier vor ihr liegender Läuferinnen. Im Ziel brach sie vor Freude in Tränen aus. „Gold war wie ein Schock für mich, damit hab ich nicht gerechnet“, sagte die in Amerika lebende Läuferin.

Silber holte nur wenige Minuten nach der Bronzemedaille von Tobias Graf (Freiburg) Teamkollege Michael Teuber (München) in der 3000 Meter Verfolgung. Zudem sicherten Bahnradfahrer Wolfgang Sacher (Penzberg) im 1000 Meter Zeitfahren, Astrid Höfte im Weitsprung der Unterschenkelamputierten und Michaela Floeth (beide Leverkusen) im Kugelstoßen Bronzemedaillen. In ihrer Leistungsklasse gelang der Unterschenkel-Amputierten mit 12,58 Metern ein Weltrekord.

„Blade Runner“ Pistorius gewann sein erstes Gold

Der als „Blade Runner“ bekannte Oscar Pistorius begeisterte die Zuschauer beim mit Spannung erwarteten ersten Auftritt in Peking und erwies sich auch als fairer Sportsmann. Nach seinem Sieg über 100 Meter in 11,17 Sekunden kümmerte sich der Südafrikaner um Athen-Paralympics-Sieger Marlon Shirley (USA), der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Bahn lag.

Der „schnellste Mann auf keinem Bein“ hatte weltweit Schlagzeilen gemacht, als er sich vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gegen den Leichtathletik-Weltverband IAAF durchsetzte und seine Zulassung für Wettkämpfe der Nicht-Behinderten erwirkte. Die Qualifikation für Olympia verpasste er aber knapp. „Das war eine große Enttäuschung. Doch die Zeit war sehr knapp, und die gerichtlichen Auseinandersetzungen haben viel Kraft für das Training gekostet“, sagt der 21-Jährige rückblickend: „Aber ich würde es jederzeit wieder tun. Ich habe die Tür geöffnet für behinderte Sportler, und allein das war es schon wert.“

Doch auch den Paralympics will er sich mit voller Kraft widmen. „Das ist für mich kein Ereignis zweiter Klasse“, sagte er: „Es ist dieselbe Bühne wie Olympia und ich bin sehr stolz, dabei sein zu können.“ Seine Ziele hat er auch klar formuliert: „Ich will dreimal Gold holen und mindestens einen Weltrekord brechen.“ Pistorius wird in Peking auch über 200 und 400 Meter an den Start gehen (siehe: Oscar Pistorius: Die Grenze überschreiten).

Pakistanischer Gewichtheber gedopt

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) gab unterdessen den ersten Dopingfall bekannt. Der pakistanische Gewichtheber Naveed Ahmed Butt wurde in einem Trainingstest am vergangenen Donnerstag der unerlaubten Einnahme von Anabolika überführt. Der Athlet wurde umgehend für zwei Jahre gesperrt.

Peter van de Vliet, der medizinische Direktor des IPC, fügte hinzu, Butts Akkreditierung wurde umgehend gelöscht. In Peking sollen mehr als tausend Blut- und Urintests genommen werden. In Athen hatte es elf Dopingfälle gegeben, davon allein zehn im Gewichtheben.

Peinliche Panne nach Rollstuhlrennen

Zu einer peinlichen Panne der Organisatoren kam es am Montagabend nach einer Kollision von sechs Rollstuhlfahrerinnen beim 5000-Meter-Rennen. Zwar wurde bei der Siegerehrung die kanadische Nationalhymne gespielt und Diane Roy erhielt die Goldmedaille, doch kurz darauf wurde dem Protest von Australien, den USA und der Schweiz stattgegeben, die ihre Starterinnen benachteiligt sahen. Das Rennen soll nun am Freitag wiederholt werden.

Die Schweizer Starterin wurde disqualifiziert, weil sie den Crash ausgelöst hatte, eine Japanerin und eine Schwedin kamen mit Verletzungen ins Krankenhaus. „Es tut uns sehr leid, dass schon Medaillen vergeben werden, hätte nicht passieren dürfen“, sagte IPC- Sprecherin Steffi Klein am Dienstag. Sie kündigte eine interne Aufarbeitung des Fehlers an. Ein ähnlicher Fall war vor Jahren schon einmal passiert.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen