15.10.2008 · Vielleicht ist es ja sogar eine gute Nachricht, dass der Kaufmann Matthias Koch Aufbau übernommen hat. Immerhin weiß er, dass er keine Gelddruckmaschine gekauft habe, wozu auch: „Geld habe ich schon“. Und Pläne für den Verlag ebenfalls.
Von Hubert SpiegelEr könne ebenso gut Schweinehälften vermarkten oder Eintopfdosen herstellen, sagt Matthias Koch, aber nun möchte er doch lieber in der „Kreativ-Industrie“ sein Geld anlegen. Folgt da ein schnoddriger Selfmademan dem anderen? Auch der neue Eigentümer des geplagten Aufbau-Verlags ist so branchenfremd, wie sein Vorgänger, der Immobilienkaufmann Bernd F. Lunkewitz, es war, als er 1991 den Aufbau-Verlag von der Treuhand erwarb. Dass Lunkewitz damals regelrecht betrogen wurde, weiß man heute; ob er seine Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe gegenüber der Bundesregierung durchsetzen kann, ist völlig offen. Sicher ist jedenfalls, dass die jahrelange Rechtsunsicherheit den Verlag behindert und ihm erheblich geschadet hat.
Damit soll jetzt Schluss sein,wie der Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus auf einer Pressekonferenz des Aufbau-Verlags auf der Frankfurter Buchmesse versichert hat. Man habe mit Lunkewitz einen „Asset-Deal“ vereinbart, wonach Matthias Koch „allein rechtssicher über sämtliche Verlagsrechte verfügen wird“. Obwohl der Vertrag erst zum 1. November wirksam wird, hat Koch bereits in einer ersten Amtshandlung angekündigt, dass alle ausstehenden Autorenhonorare noch in diesem Monat überwiesen würden: „Der Aufbau-Verlag hat jetzt eine solide finanzielle Basis.“ Künftig würden alle Rechnungen pünktlich bezahlt, so entspreche es seinen Geschäftsprinzipien.
Eine Art Kulturzentrum am Moritzplatz
Aber wer ist der Mann, der so namhafte und finanzstarke Konkurrenten wie den schwedischen Konzern Bonnier aus dem Rennen geworfen hat? Koch, 1943 in Göttingen geboren, hat Romanistik und Germanistik an der FU in Berlin studiert und als Gymnasiallehrer gearbeitet. Sein Vermögen stamme aus einem Familienunternehmen, das „in der Kältetechnik und im Facility Management“ tätig war und mittlerweile verkauft ist. Jetzt verwaltet Koch das Geld privater Investoren und engagiert sich außerdem in der Berliner „Kreativ-Industrie“. Am Moritzplatz hat er zusammen mit seinem Geschäftspartner, der Modulor-GmbH, eine Immobilie erworben, die zu einer Art Kulturzentrum werden soll. Modulor vertreibt Künstlerbedarf und Dekorationsmittel jeglicher Art: „Basteln, Werken, Floristik. Deko, Display, Event“, wie es auf der Homepage des Unternehmens heißt. Neben den neuen Geschäftsräumen der Firma sollen im Haus am Moritzplatz auch eine Galerie und ein Theater angesiedelt werden. Und gemeinsam, so Koch, habe man beschlossen: „Da gehören auch noch ein Verlag und eine Buchhandlung rein.“
Wem das ein wenig abenteuerlich klingt, der kann sich von Koch beruhigen lassen: Er wisse, dass er keine Gelddruckmaschine gekauft habe, wozu auch, „Geld habe ich schon“. Aber in zwei Jahren, so laute die Vereinbarung mit den Geschäftsführern, müsse der Verlag schwarze Zahlen schreiben. Den Ausschlag für Koch dürfte vielleicht weniger der Kaufpreis, über den Stillschweigen vereinbart wurde, als vielmehr ein anderes Argument gegeben haben. Während ein Buchkonzern Synergieeffekte gesucht und womöglich die halbe Belegschaft entlassen hätte, will Koch Aufbau als unabhängiges Haus erhalten und lediglich acht der zurzeit 51 Mitarbeiterstellen abbauen.