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Forum Film & TV Ich bin eine Marktlücke

17.10.2008 ·  Unter Blut, Schweiß und Tränen bringt ein Drehbuchautor sein Script hervor. Dann soll es Laufen lernen, sprich, ein erfolgreicher Film werden. Doch dazu muss er es erst einmal an den Produzenten bringen - das Zauberwort heißt „Pitchen“.

Von Eva Heidenfelder
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Ein Drehbuch ist wie ein Kind: Man hat es gehegt und gepflegt und möchte, dass es irgendwann groß und erfolgreich wird. Doch in der harten Welt der Film- und Fernsehproduktionen kämpft ein Autor bei Sendern wie RTL gegen 1500 Mitbewerber um einen Platz in der Primetime - wie also aus der Masse hervorstechen?

Der kleine, stickige Raum am Rande des Filmforums ist zur Hälfte mit Autoren gefüllt. Nur drei haben sich offen als Drehbuchschreiber ausgewiesen, die anderen sind Buchautoren. Aber alle haben etwas geschrieben, für dass sie noch keinen Produzenten oder Verleger gefunden haben. Der blondgelockte junge Mann aus der zweiten Reihe hofft, jemand möge seine Geschichte über den visionären Gründer Europas verfilmen. Die intellektuell wirkende, dunkelhaarige Dame aus Reihe drei träumt davon, mit ihrem „lyrischen Kabarett“ auf Tournee zu gehen. Zwei Gedichtbände hat sie bereits veröffentlicht und tritt in literarischen Cafes auf, strebt aber nach Höherem. Ihr Problem: „Die Akquise ist schwierig, mich kennt keiner.“

Was Produzenten wollen

Mit zwanzig anderen, die auf den Durchbruch hoffen, sitzen sie in einem Workshop mit dem Titel „Pitch me if you can!“. Er soll die Initialzündung werden: Wie bringe ich meinen Stoff an den Mann? Vor ihnen steht Frau Kurz, Ende 40, geschmackvolle Kurzhaarfrisur, modische Kleidung.

Sie selbst nennt sich Pitching-Beraterin, will eine Einführung geben in „Die Kunst, den eigenen Stoff richtig zu verkaufen“, so steht es im Programm. Wie das geht weiß sie, weil sie als Einkäuferin von Filmrechten im deutschsprachigen Raum jahrelang selbst beurteilen musste, welcher Stoff gekauft und verfilmt wird - sie weiß, was Produzenten wollen.

„Was bedeutet 'pitchen'?“ will Frau Kurz wissen. Zwei Zuhörer melden sich, der Rest hat keine Ahnung. Ein „Pitch“ ist ein Verkaufsgespräch, in dem man sein Produkt anpreist. Der Clou ist, kurz und knackig zu bleiben und sein Anliegen möglichst schnell auf den Punkt zu bringen. „Pitchen“ ist also eine Kurzform des Überzeugens.

„Kreative Persönlichkeiten sind sehr verletzlich“

„Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber, wie wollen Sie gepitcht werden?“, fragt Frau Kurz. „Individuell“, „begeisternd“, „klar“, antwortet ihr Publikum, das schnell Zugang zur Materie findet. „Warum soll jemand seine Lebenszeit damit verbringen?“, bohrt Frau Kurz weiter und schreibt „Pitching = Struktur und Leidenschaft“ an ein Flipchart. Die Autoren nicken zustimmend, einer fotografiert sogar das Tafelbild.

Sollten nicht gerade Kreative, Schreibende, die rhetorisch geschickt sind, sich am besten von allen verkaufen können? Sollten Standardratschläge, die man im Buch eines jeden Bewerbungscoaches findet, und die im Workshop nicht zu kurz kommen, tatsächlich auf fruchtbaren Boden fallen? „Sie wissen es nicht“, sagt Frau Kurz später, „das heute waren fast ausnahmslos Anfänger.“

„Kreative Persönlichkeiten sind sehr verletzlich“, sagt sie weiter. Kritik anzunehmen ist für sie besonders hart. Denn sie hinterlassen in ihren Arbeiten einen individuellen Fußabdruck, sehen nicht nur ihr Werk, sondern auch ihre Person getadelt, so die Pitching-Beraterin. Sich zu vermarkten und kommerziellen Erfolg anzustreben, fällt vielen Kreativen schwer. „Künstler und Geld passen nicht zusammen, so denken heute noch viele.“

„Ich habe mich heute selbst reflektiert“, sagt die dunkelhaarige Autorin aus Reihe drei. Sie weiß jetzt, wie sie professioneller Skepsis künftig begegnet und freundet sich mit dem Satz an „Mein lyrisches Kabarett ist eine Marktlücke“ an, während sich der blonde junge Mann der zweiten Reihe in Zukunft fragen will: „Wann hat mich meine Idee selbst gepitcht?“ Auf dem Flipchart steht: „Was erwarten Sie von einem guten Pitch?“, „Was davon erfüllen Sie und was noch nicht?“ und „Pitching = Development“- die fragenden Mienen der meisten Anwesenden bleiben, der Weg zum Kassenschlager ist weit.

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