16.10.2008 · Mit „Books on Demand“ lässt sich auch ohne Verlage zum Buch kommen und das Buch zum Leser bringen: Ein Blick auf die Welt der Bücher, die erst auf Bestellung gedruckt und geliefert werden.
Von Melanie MühlNie hätten wir gedacht, wie hart das Leben eines erfolgreichen Schriftstellers ist. Das von Julia Franck zum Beispiel. Zur Erinnerung: Julia Franck hat im vergangenen Jahr den Roman „Die Mittagsfrau“ veröffentlicht, wofür sie sehr viel Lob sowie den mit 25 000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis erhalten hat. Wer der jungen Frau damals auf der Frankfurter Buchmesse begegnete, der blickte in Augen, die freudig strahlten, und egal, wo Julia Franck auch auftrat, sie gab sich geschmeidig. So, dachte man, sieht eine glückliche Autorin aus. Nichts deutete darauf hin, dass der Literaturbetrieb oder die Medien diesem Menschen gerade Unzumutbares zumuteten.
Jetzt wissen wir es besser. Denn im F.A.Z.-Lesesaal zum Deutschen Buchpreis bekannte Julia Franck kürzlich, dass sie keinen der Autoren beneide, die in diesem Herbst auf der Shortlist stünden, im Gegenteil: „Was diesen sechs Kandidaten blüht, das wissen nur wenige aus eigener Erfahrung. Die kommenden Wochen werden ein einziges Gezanke sein, im Fadenkreuz Objekte höchst subjektiven Geschmacks. Öffentliche Polemiken zur eigenen Person – mehr noch als zum Werk, vor Scham glühende Ohren, wer darf das heute noch erleben?“ Hoffentlich nicht Uwe Tellkamp, der den Preis in diesem Jahr entgegennehmen musste.
Books on Demand statt Verlagen
Mit ihrer Literaturbetriebsschelte steht Julia Franck übrigens nicht allein da. Da sind zum Beispiel noch Michael Lentz oder Daniel Kehlmann. Der eine würde den Deutschen Buchpreis am liebsten abschaffen, weil das Auswahlverfahren die Autoren jedes Jahr aufs Neue in Depressionen stürze. Der andere spricht von einer öffentlichen Demütigung, was klingt, als würden die Autoren in einen Kampf geschickt, bei dem von vornherein klar ist, dass keiner ohne Blessuren davonkommt.
Angesichts dieser Qualen möchte man den Autoren zurufen: schon mal an „Books on Demand“ gedacht? Da kann jeder unbehelligt von lästigen Verlagsmenschen und den Begehrlichkeiten der Öffentlichkeit ein Buch in seinen Computer tippen, welches dann, wie der Name sagt, erst bei Bestellung gedruckt wird. Für marktscheue Autoren ist das eine feine Sache. Bei BoD gibt es keinen Abgabedruck, niemanden, mit dem über Vorschüsse und Honorare verhandelt werden muss, der anruft und fragt, ob es vorangehe mit dem Buch, und einen später in den Vermarktungskreislauf drängt, mit Fernsehauftritten und monatelangen Lesereisen, womöglich noch mit Abstechern ins Ausland. Bei BoD entscheidet der Autor, wie viel Zuwendung und Marketing seine Psyche verkraftet.
Ausstattung nach Wunsch
Für besonders empfindsame Schriftsteller wie Julia Franck wäre wohl das Servicepaket „BoD Comfort“ für 399 Euro geeignet. Hier liegt die komplette Buchausstattung in der Hand des Schreibenden; ein Autorenbetreuer kommt erst dann ins Spiel, wenn man das ausdrücklich wünscht. Folgende Fragen darf der Autor also ganz alleine beantworten: Wie soll mein Buchformat sein? (Standartformate, Großformat oder Maxiformat.) Möchte ich Farbseiten? („Dank ColorPlus lassen sich in jedes Buch beliebig viele Farbseiten integrieren. Und das zu einem unschlagbaren Preis ab 9 Cent pro Seite.“) Und, eine heikle Sache, die immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Autor und Verlag führt: Was für einen Einband soll mein Buch haben? Paperback? (Wahlweise mit glänzender oder matter Schutzlaminierung überzogen.) Hardcover kaschiert? („Der Buchdeckel wird direkt mit dem farbig bedruckten Umschlagpapier überzogen. Die Innenseite des Buchrückens ist mit schwarz-weißen Kapitalbändern ausgestattet.“) Oder Hardcover mit Schutzumschlag? („Die Buchdeckel werden mit farbigem Efalinpapier überzogen, das schwarz bedruckt werden kann. Der lose umgelegte Schutzumschlag wird inklusive der Einschlagklappen farbig bedruckt.“) Das Efalinpapier ist übrigens in den Farben Orange, Blau, Rot, Grau und Grün verfügbar.
Julia Francks Buch „Die Mittagsfrau“ kostet 19,90 Euro. Den Preis legt der Verlag fest. Würde Julia Franck ihren nächsten Roman bei BoD veröffentlichen, könnte sie selbst den Preis bestimmen (und mit Hilfe eines Kalkulators auf der BoD-Homepage ihre Marge ausrechnen). Sie könnte auch den Titel frei wählen. Die Gefahr, dass es dabei zu Verwerfungen kommt, ist nämlich noch größer als beim Thema Einband. Es gibt einen schönen Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld und Thomas Bernhard. Bernhard beschwert sich darin über die geringen Absatzzahlen seines Buches „Verstörung“, woraufhin Unseld antwortet, dass er ihm doch gesagt habe, dass sich solch ein Titel nicht verkauft. Bernhard hatte das anscheinend nicht glauben wollen.
Verramschen ausgeschlossen
Im deutschsprachigen Raum wäre Julia Francks Buch außerdem in über tausend Online-Buchshops erhältlich, und BoD würde ihr sogar ein kostenloses Referenzexemplar zuschicken. Der Vorteil liegt auf der Hand: Julia Franck müsste nie wieder eine Buchhandlung betreten und mit bangem Blick Ausschau nach ihrem Werk halten. Wie ist mein Buch plaziert? Und in welcher Nachbarschaft? Dadurch, dass jedes BoD-Buch nur in Form einer elektronischen Druckdatei vorliegt, fällt nebenbei auch die Nachdruckfrage und die des Verramschens weg.
Es ist nicht so, dass wir den Autoren irgendein Unternehmen ans Herz legen wollen. Die Geschäfte bei BoD laufen gut. Jedes Jahr produziert das Unternehmen in Norderstedt eineinhalb Millionen Exemplare, und mittlerweile hält BoD über 80 000 lieferbare Titel bereit. Es gibt sogar eine Bestsellerliste. Auf Platz eins der Belletristik steht Kiara Singers Buch „Kurz und schmerzvoll“, dessen Cover einen nackten Frauenoberkörper zeigt. Bei den sechs erotischen Kurzgeschichten geht es laut Klappentext um die „geheimnisvolle Welt der Dominanz und Unterwerfung, der Demütigung und Züchtigung“. Bei den Sachbüchern führt Satana Lodovico die Liste an, sein Buch heißt „Lob des Sexismus“. Worum es geht, ist klar. Neben Sexbüchern verkaufen sich Tierbücher besonders gut, die Titel tragen wie „Miez, Miez – na komm! Artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung“, „Natural Dog Food. Rohfütterung für Hunde – Ein praktischer Leitfaden“ oder „Katzen-Eskapaden für Fortgeschrittene“.
Zugegeben, Autoren wie Julia Franck und Kehlmann müssten ihre Themenwahl und ihren Stil anpassen, um es auf die BoD- Bestsellerliste zu schaffen. Von Preisverleihungen blieben sie dafür verschont.
Haben AutorInnen mit Books on Demand (BoD) Erfolg?
Werner Hahn (wernerhahn)
- 16.10.2008, 13:47 Uhr
BoD sehr zu empfehlen!
Christian Zschoch (ChristianZschoch)
- 16.10.2008, 13:59 Uhr
EDDY Ein Rassenwahn wird installiert
Peter Böttcher (Joffy)
- 16.10.2008, 14:16 Uhr
gbsb - gute bücher, schlechte bücher
Olaf Trunschke (amokwriter)
- 16.10.2008, 18:14 Uhr
Der Profit über BoD ist sehr gut
Maxim Pouska (maximpouska)
- 16.10.2008, 19:08 Uhr