14.10.2008 · Mit der schlechten Luft wird die beste Klimaanlage nicht fertig. Jetzt gibt es nur eins: Raus. Wir zeigen unsere Frankfurter Lieblingsorte, die uns die Messe vergessen lassen. Diesmal: der chinesische Garten im Bethmannpark.
Von Anna von MünchhausenDie schlechte Luft in den Hallen kommt nicht von ungefähr. Sie kommt daher, dass der Buchmensch als solcher dazu neigt, sehr viel Bedeutsamkeit zu verströmen. Damit wird die beste Klimaanlage nicht fertig. Jetzt gibt es nur eins: Raus. Steigen Sie in die U-Bahn, oder nehmen Sie ein Taxi zur Friedberger Anlage. Und während andere Messebesucher noch an wässriger Bockwurst zutzeln oder über Kopfweh klagen, haben Sie sich bereits auf einen anderen Kontinent gebeamt, in den Chinesischen Garten.
Viertausend Quadratmeter kontemplative Landschaft, durch Mauern abgeschirmt. Im Schatten zweier riesiger Platanen ein luftig-leichter Holzpavillon, auf einer Felsanhöhe ein Tempel mit Spitzdach, Bambushain, Bogenbrücke, der jaspisgrüne Teich – das alles gehört augenblicklich Ihnen. Keine Sorge, Autoren oder Agenten trifft man hier so gut wie nie. Vermutlich können Sie die Kalligraphie auf der Tafel am Wasserpavillon nicht lesen. Aber Sie spüren sofort, was da steht: „Ein friedlicher Platz zum Ausruhen, in der Stille findet man Kraft zu neuem Denken.“
Lassen Sie sich auf eine der niedrigen Bänke fallen, und werden Sie eins mit dem plätschernden Wasserfall, dem Wind in den Azaleensträuchern. Und? Fühlen Sie, wie krause Nerven sich glätten? Die brennenden Augen klar werden? Erde, Himmel, Wasser, Steine, fauchende Drachen – sie wollen nur eins: Ihnen den hype um den nächsten Bestseller aus dem Hirn pusten. Hände weg von Ihrer Tasche, in der Fahnen oder Lizenzverträge lauern. Bitte auch das K-Wort stecken lassen. Was heißt hier Krise?