Bei der CSU zeichnet sich ein Machtkampf um die Nachfolge des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Günther Beckstein ab. Für das Amt stehen laut dem scheidenden Parteivorsitzenden Erwin Huber vier CSU-Politiker bereit: Aus der Landtagsfraktion sind das Innenminister Joachim Herrmann, Wissenschaftsminister Thomas Goppel und der Fraktionsvorsitzende Georg Schmid. Sollte sich die Fraktion nicht einigen können, stünde der designierte neue CSU-Vorsitzende Horst Seehofer bereit, sagte Huber am Mittwoch in München. Die Entscheidung solle in einer weiteren Sitzung am Mittwoch kommender Woche fallen.
Die Landtagsfraktion berät seit dem Morgen in München über die Konsequenzen aus der schweren Wahlniederlage der CSU am Sonntag. Da hatte sie mehr als 17 Prozentpunkte verloren. Jetzt steht die Partei vor der Notwendigkeit, eine Koalition eingehen zu müssen, um an der Macht zu bleiben.
Wer will was?
Am Mittwoch glich die CSU dem sprichwörtlichen Hühnerhaufen. Die Fraktion wurde gleich zu Beginn ihrer Sitzung um 10 Uhr vor unvollendete Tatsachen gestellt: Nach Erwin Huber, dem Parteivorsitzenden, gab auch Günther Beckstein, der Ministerpräsident, sein Amt auf. Was wirklich zu dieser Entscheidung führte, wusste da noch niemand: Sollte er zurücktreten, wollte er zurücktreten?
Kurz nach Beginn der Sitzung zieht sich eine Vierergruppe in das Zimmer des Fraktionsvorsitzenden Georg Schmid zurück: Beckstein, Huber, Schmid und der designierte Vorsitzende Seehofer. Wie es heißt, wollten die Herren besprechen, „wer was will“. Nachrichtenagenturen schreiben kurz darauf von einem „parteiinternen Aufstand gegen Beckstein“, der sich auch nach dem Rücktritt Hubers eigentlich im Amt halten wollte.
„Partei und Land in einer Hand“?
Etliche andere Abgeordnete hatten zu diesem Zeitpunkt schon laut kundgetan, was sie wollen - die einen für, die anderen gegen Beckstein, die Franken für ihn, die Oberbayern und Niederbayern gegen ihn.
Alois Glück, der Landtagspräsident, ist einer der wenigen Oberbayern, der am Morgen noch zu Beckstein hält: Er sehe nicht, dass dieser generell infrage gestellt sei, sagte er im Rundfunk und lehnte es ab, dass Seehofer auch das Amt des Ministerpräsidenten übernimmt. Aus Ober- und Niederbayern und aus dem Münchner Parteibezirk heißt es aber auch, ein radikaler Neuanfang müsse her, und das müsse bedeuten „Partei und Land in einer Hand“.
Für Beckstein spricht sich auch der Innenminister und ehemalige Fraktionsvorsitzende Herrmann aus: „Ich stehe zu Günther Beckstein.“ Aber offenbar hegt Herrmann da schon eigene Ambitionen auf das Amt. Ganz offen bewarb sich dagegen Thomas Goppel, Sohn des legendären Ministerpräsidenten Alfons Goppel, um Becksteins Nachfolge. (Siehe auch: Die Machtstatik der CSU: Von Strippenziehern und Randfiguren)
Machtkampf in der CSU ?
Walter Wasilewski (wwasilewski)
- 01.10.2008, 19:12 Uhr
Die Revolution entläßt ihre Kinder??
Peter Walter (peterausreken)
- 01.10.2008, 20:10 Uhr
Grüß Gott
(Wetterwitz)
- 01.10.2008, 21:48 Uhr
Die Zeiten haben sich geändert...
Wilhelm G. Hupers (Impeachable)
- 01.10.2008, 23:00 Uhr
Gefahr in Richtung 30%-Partei
Christoph Rohde (prediger1)
- 02.10.2008, 00:05 Uhr
