28.09.2008 · Nein, das Ende der Zeiten ist dieses politische Erdbeben in Bayern nicht: Die CSU wird wohl auch künftig den Ministerpräsidenten des Freistaats stellen. Dennoch sind Beckstein und Huber die Geister, die sie mit dem Sturz Stoibers riefen, nicht mehr los geworden.
Von Daniel DeckersNein, das Ende der Zeiten ist dieses politische Erdbeben nicht: Wie in den fünfzig Jahren zuvor wird die CSU wohl auch in den kommenden fünf den Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern stellen. Dieses Ergebnis stand freilich nicht erst fest, als am Wahlabend erste Prognosen die Runde machten. Ebenso wenig verdichtete sich erst am Sonntag die Ahnung zur Gewissheit, dass die CSU an ihren Erfolg aus dem Jahr 2003 nicht anknüpfen und die Zweidrittelmehrheit der Mandate würde verteidigen können. Die Frage war nur, ob das wiederum von einer Bundestagswahl unabhängige Votum das Ende einer Ära brächte: der mittlerweile 46 Jahre währenden Alleinregierung der Staatspartei CSU.
Schwache Opposition
Dass sich diese Frage überhaupt stellte, lag am wenigsten an den beiden Oppositionsparteien SPD und Grüne. Trotz dramatisch zu nennender Einbußen der Regierungspartei sie auch am Sonntag der CSU kaum einen Wähler abspenstig machen können. Mit der bayerischen liberalitas sind beide Parteien programmatisch nach wie vor weitgehend inkompatibel.
Einen Tag vor der bayerischen Landtagswahl kämpften die Spitzenkandidaten von CSU und SPD noch einmal um die Stimmen der Wähler.
Nein, der größte der Feind der CSU hieß CSU, und das mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit. Dass die Partei sich dazu verleiten ließ, ihren Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Stoiber zu stürzen, der vor fünf Jahren nicht nur von den eigenen Anhängern Traumnoten bekam, sondern dem mehr als die Hälfte der SPD-Anhänger und fast jeder zweite Grünen-Sympathisant zugetan war, hat sich nicht nur im Rückblick als eine Wette mit dem Teufel erwiesen.
Missgriffe auf sensiblen Gebieten
Schon im September 2003 hätte die CSU gewarnt sein müssen: Anstatt ihre Stimme abzugeben blieben viele Bürger zu Hause, weil die Aussicht auf eine Veränderung der Machtverhältnisse gleich null war.
Am Sonntag wurde daraus ein Schuh: Eine von Missgriffen auf so sensiblen Gebieten wie der Bildungs- und der Gesundheitspolitik gezeichnete und überdies personell geschwächte Union lud geradezu zur Wahl ein. Nicht die eigenen Anhänger, auch nicht die der bisherigen Opposition. Wer seine Stimme den aus der Kommunalpolitik sattsam bekannten Freien Wählern oder auch den Freien Demokraten gab, der konnte sicher sein, dass sie für das bürgerliche Lager nicht verloren war. Noch sicherer war, dass sie diesmal wirklich zählte und einen Zustand beenden half, dessen Geister die CSU rief und nicht mehr los wurde.
Daniel Deckers Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
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