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Roland Koch im Portrait Der Analytische

25.01.2008 ·  Roland Koch besticht durch einen ungewöhnlich klaren Verstand und eine große Menge abrufbaren Wissens. Defizite hat der Vollblut-Politiker in Sachen Jovialität und Bürgernähe.

Von Peter Lückemeier
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Vor vielen Jahren wurde ein CDU-Politiker gefragt, warum er – obwohl durchaus machtbewusst – sich so klar dem viel jüngeren Roland Koch unterordne. Der Mann hatte eine plausible Antwort: „Weil der Roland Koch doppelt so viel in der Birne hat wie Sie und ich zusammen.“

Das mag etwas pointiert formuliert gewesen sein, aber es ist im Prinzip richtig: Der Mann, der mit 14 eine Junge-Union-Ortsgruppe gründete, mit 21 Jahren CDU-Kreisvorsitzender war und mit 33 im Landtag saß, hat in der Tat einen ungewöhnlich klaren Verstand und eine große Menge abrufbaren Wissens gespeichert. Wer etwa Koch und Edmund Stoiber in Sachdiskussionen erlebte, zweifelte nicht, wer wem überlegen war. Koch ist in der Lage, ein fünfseitiges Papier zu einem schwierigen Thema in zehn Minuten zu lesen und anschließend die Hauptpunkte nicht nur knapp und zutreffend zusammenzufassen, sondern analytisch zu beurteilen.

Beziehung zur Mode verbessert

Dass es sich nicht nur um angelesenes Wissen aus dem Kurzzeitgedächtnis handelt, wird immer dann klar, wenn das Gespräch unvermutet auf schwierige Seitenwege gerät: Vor einer Weile kam es in Anwesenheit des Merck-Chefs auf Stammzellenforschung, und der hessische Ministerpräsident kannte sich auf diesem Gebiet in naturwissenschaftlicher und forschungspolitischer Hinsicht auf staunenswerte Weise aus. Für seine Fachminister muss es manchmal unangenehm sein, dass ihr Chef sie selbst in Wissensdetails übertrifft.

Wobei er gar nicht einmal (anders als einst Franz Josef Strauß) mit diesem Wissen auftrumpft oder sein Gegenüber insistierend abfragt – Koch hat eine andere, wenig einnehmende Angewohnheit: Statt seine Gesprächspartner anzuschauen, blickt er oft auf eine imaginäre Stelle in der Luft oder auf dem Tisch. Andere Marotten hat er sich inzwischen abgewöhnt, er verbeult jetzt nicht mehr die Seitentaschen seiner Jacketts durch die geballte Faust. Überhaupt hat sich zuletzt seine Beziehung zur Mode gebessert, er trägt jetzt deutlich bessere Anzüge. Auch sein grau gewordenes Haar macht ihn attraktiver.

Was aber nicht hindert, dass viele (vor allem Menschen, die ihn nur aus dem Fernsehen kennen) ihn unsympathisch finden. Hätte man vor Zeiten eine Umfrage in Auftrag gegeben, wer wohl seine Mitarbeiter netter behandle, Fischer von den Grünen oder Koch von der CDU, die meisten hätten sicherlich auf Fischer getippt. Das Gegenteil war der Fall: Der spätere Außenminister machte seinen Fahrer zur Schnecke, wenn der sich einmal verspätete, der Ministerpräsident des Landes Hessen lässt keinen Weggefährten fallen, er hat bewährte Mitarbeiter wunschlos befördert und muss sich nachsagen lassen, seine menschliche Treue sei ein politischer Makel, etwa wenn er an glücklosen Minister(inne)n festhielt.

Unfähig zu Small Talk

Kochs Defizite aber liegen überall da, wo ein jovialer Landesherr erwartet wird: Er ist schlicht unfähig zu Small Talk, er wirkt in Freizeitkleidung verkleidet, er kommt nicht richtig rüber, wenn er Weinköniginnen um sich versammelt, und er scheint sich auch nicht richtig wohl zu fühlen, wenn er mit Gattin Anke beim Pflichttanz in der Alten Oper von Kameras verfolgt wird.

Seine Stärken aber überstrahlen seine Schwächen bei weitem. Koch ist ein Handwerks-Meister der Politik, er hat sie von seinem Vater erlernt, seine Leistung traf im Landtag auf solche Akzeptanz, dass er nach vier Jahren zum Fraktionschef gewählt wurde. Vor allem kann Roland Koch reden, er schafft es, seine Zuhörer auch über längere Strecken in freier Rede in seinen Bann zu ziehen. Seine Politik hat Hessen in Sachen Bildung und Sicherheit vorangebracht.

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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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