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Kommentar Das Waterloo der CSU

28.09.2008 ·  Der Nimbus der ewigen Regierungspartei ist dahin. Die Zweierspitze Beckstein/Huber hat nur ein Jahr nach der Absetzung Stoibers ihr Waterloo erlebt. Das Debakel von Bayern ist ohne Beispiel. Das wird auch die CDU zu spüren bekommen.

Von Berthold Kohler
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Zur Eröffnung des 175. Oktoberfests ist Günther Beckstein gleich zweimal in der Kutsche die Münchner Maximilianstraße hinuntergefahren. So haben es schon bayerische Ministerpräsidenten vor ihm gehalten, doch fiel es bei ihm besonders auf, und das nicht nur der Tracht seiner Frau wegen. Rollt da einer recht ausgiebig der Wiesn entgegen, weil er angesichts miserabler Umfragen nicht weiß, ob es das erste und letzte Mal ist?

Einen Sonntag später kam es noch schlimmer als befürchtet. Die CSU hat ihr schlechtestes Ergebnis seit den fünfziger Jahren erzielt und ihre absolute Mehrheit im Landtag verloren. Der Nimbus der Staatspartei ist dahin. Die Doppelspitze Beckstein/Huber erlebte nur ein Jahr nach der Absetzung Stoibers ihr Waterloo.

Stoibers schwere Last

Die Chronik einer angekündigten Niederlage ist in den vergangenen Wochen in jedem bayerischen Wirtshaus erörtert worden, rauchfrei. Die Bayern hatten zwar Stoiber über, der sie zunehmend spüren ließ, dass er der erfolgreichste CSU-Vorsitzende und Ministerpräsident war, von dem sie sich je regieren lassen durften. Seinen Nachfolgern aber gelang es nur selten, den Bürgern jenes Minimalmaß an Respekt oder gar Bewunderung abzunötigen, das ein Politiker zum Reüssieren an der Spitze eines Ausnahme-Bundeslandes wie Bayern und einer Ausnahme-Partei wie der CSU braucht.

Beckstein und Huber füllten Stoibers Fußstapfen nicht aus und mussten doch die schwere Last seiner am Ende kaum noch zu bändigenden, aber gar nicht mehr populären Reformwut tragen. Selbst der Abwurf von Ballast wie dem Transrapid ließ das Duo nicht in der Gunst der Wähler steigen. Das Hin und Her beim Rauchverbot festigte nur eine schon zuvor in Oberfranken wie in Oberbayern anzutreffende Meinung: Die können es nicht.

Kein Pardon für die CSU

Das ist, wenn man sich Bayern ansieht, ein ungerechtes Urteil. Der Freistaat blüht, wenn auch nicht in all seinen Gauen. Doch liegt das Debakel der CSU nicht nur daran, dass es Beckstein und Huber misslang, als Vertreter und Bewahrer des bayerischen Lebensgefühls in seinen unterschiedlichen Ausprägungen akzeptiert zu werden. Weitgehend abhandengekommen ist der CSU auch der zumindest behauptete Einfluss auf die Geschicke Deutschlands, also auf die große Koalition in Berlin.

Seit Stoiber die Flucht aus der deutschen Hauptstadt antrat, spielt die CSU in der Union nur noch eine nachgeordnete Rolle. Die wird durch dieses Wahlergebnis nochmals verkleinert, in einer auch für die CDU gefährlichen Dimension. Denn die Schwesterpartei ist auf ein gutes Resultat der CSU bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr angewiesen, wenn sie, in welcher Konstellation auch immer, die Bundeskanzlerin stellen will. Den „Steinmeier-Müntefering-Effekt“ hat die Union zwar offensichtlich noch nicht zu fürchten: In Bayern begleitete die SPD die CSU treu auf dem Weg nach unten. Doch schon die Wiederwahl des Bundespräsidenten Köhler ist nicht sicher.

Leichter beherrschbar wird die angeschlagene CSU nicht für die Bundeskanzlerin, die im Wahlkampf zwar nicht mit Auftritten, wohl aber mit Geschenken für die Schwesterpartei geizte. Horst Seehofer, auf den sich jetzt viele Augen richten, ist aus einem anderen Holz geschnitzt als Huber und Beckstein. Die CSU hat zwar ihre absolute Mehrheit in Bayern verloren. Das heißt aber auch, dass es von heute an ihr erstes Ziel ist, sie zurückzugewinnen, um welchen Preis auch immer. Die CDU hat dabei kein Pardon zu erwarten.

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