09.03.2008 · Die grünen Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin reden im F.A.S.-Gespräch über die Verjüngung ihrer Partei, alte Abhängigkeiten, neue Bündnispartner und die Zukunft der hessischen Landesregierung.
Die grünen Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin reden im F.A.S.-Gespräch über die Verjüngung ihrer Partei, alte Abhängigkeiten, neue Bündnispartner und die Zukunft der hessischen Landesregierung.
Früher war Joschka Fischer alleiniger Spitzenkandidat der Grünen. Sitzen uns jetzt zwei halbe Fischers gegenüber, Herr Trittin?
Trittin: Die rot-grüne Bundesregierung wäre ohne Joschka nicht denkbar gewesen - ja. Aber wer hat denn die tägliche Kärrnerarbeit im Inlandsgeschäft für die Grünen in dieser Regierung gemacht? Wer hat denn Atomausstieg und Energiewende, eine andere Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik durchgesetzt? Das waren doch Renate und ich. Wir werben damit, dass wir von Grün nicht nur reden, sondern Grün durchsetzen.
Hören wir da etwa Kritik an der Außenministerlegende?
Trittin: Nein, ich sage nur, dass es eine Arbeitsteilung gab.
Das Miteinander von Renate Künast und Jürgen Trittin war nicht immer von Zuneigung geprägt. Ab jetzt mögen Sie sich?
Künast: Ich finde, du solltest etwas zum Thema Zuneigung sagen, Jürgen.
Trittin: Im Ernst: Wir kennen uns lange, haben als Bundesminister miteinander das Land regiert. Das geht nur, wenn man sich versteht und schätzt.
Jetzt sagen Sie mal etwas zum Thema Zuneigung, Frau Künast.
Künast: Es geht hier nicht nur um persönlichen Spaß. Wir wissen beide, was wir wollen, was die Grünen wollen, und das können wir professionell durchsetzen. Es könnte wie am Schluss des Films „Casablanca“ sein: der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Der Parteivorsitzende Bütikofer will im Herbst nicht wieder für dieses Amt kandidieren und hat eine Verjüngung gefordert. Ist damit auch die Zeit der Mitvorsitzenden Claudia Roth abgelaufen?
Künast: Nein. Claudia Roth hat gesagt, sie wolle noch einmal als Parteivorsitzende kandidieren. Es gibt keinen Grund, daran zu rütteln.
Trittin: Claudia Roth macht weiter, Reinhard Bütikofer scheidet aus - das ist eine gelungene Mischung aus Kontinuität und Erneuerung.
Zwei ehemalige Bundesminister als Spitzenkandidaten, eine langjährige Parteivorsitzende, die nicht vom Amt lassen will - wo ist denn da die Verjüngung?
Trittin: Nun schön, reden wir über das Alter: Oskar Lafontaine ist 64 Jahre alt, Gregor Gysi 60, Kurt Beck ist 59. Dann kommen die Youngster: Angela Merkel und Jürgen Trittin sind 53 Jahre alt. Renate Künast ist mit 52 Jahren das Küken unter den Spitzenkandidaten. Nur Guido Westerwelle ist mit 46 Jahren noch jünger. Aber wenn man ihn neben Frau Künast stellt, merkt man das nicht.
In Hessen wollten die Grünen zumindest bis zum Freitag mit der SPD und der Linkspartei regieren. Was außer schierem Machtinteresse hätte dafür gesprochen?
Künast: Mit SPD und Linkspartei hätten wir die meisten unserer Ziele in Hessen durchsetzen können, die Abschaffung von Studiengebühren, die Energiewende, eine andere Bildungspolitik. Aber die SPD wollte offenbar nicht, und was die Linkspartei wollte, war immer unklar.
CDU und FDP wollen die Grünen jetzt für eine Jamaika-Koalition gewinnen. Machen Sie da mit?
Trittin: Nein. Die CDU hat gesagt: Koch steht nicht zur Disposition. Wir haben Wahlkampf mit dem Slogan gemacht: „Koch muss weg“. Wir wollen Energiepolitik ohne Atomkraft und ohne neue Kohlekraftwerke, eine andere Schulpolitik, keine Studiengebühren. Das geht alles mit der CDU nicht.
Wie soll's denn weitergehen in Hessen?
Trittin: Wer ließ es missraten - Sozialdemokraten. Man mag davon träumen, einem abgewählten Minderheitsministerpräsidenten Roland Koch von einer linken Mehrheit die Abschaffung der Studiengebühren aufzuzwingen. Am Ende aber wird die SPD Andrea Ypsilanti kaltstellen und bei der CDU in einer großen Koalition unterschlüpfen.