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Horst Seehofer Aus dem Kronprinzen wird der König

30.09.2008 ·  Seit seiner Niederlage gegen Erwin Huber bei der Wahl des CSU-Vorsitzenden vor einem Jahr konnte Horst Seehofer in Ruhe abwarten, wie sich das Blatt wenden würde. Längst war er zum geheimen Kronprinzen und Nothelfer der CSU aufgestiegen. Nun hat er sein Ziel erreicht.

Von Georg Paul Hefty
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Zukunftsträchtig waren die beiden Wahlergebnisse, die Horst Seehofer auf dem CSU-Parteitag am 29. September 2007 in München erreichte, auf jeden Fall. Er erhielt in der Kampfabstimmung um den Parteivorsitz 39,1 Prozent; Erwin Huber wurde mit 58,2 Prozent CSU-Vorsitzender. Bei der Wahl der Stellvertreter errang Seehofer jedoch das mit Abstand beste Ergebnis: 91,8 Prozent.

Der Ingolstädter Bundestagsabgeordnete und Bundesminister machte damals kein großes Aufheben davon, dass dieses Doppelergebnis für ihn das Optimum war. Es enthob ihn all der Gefahren, mit denen die Übernahme des Parteivorsitzes damals verbunden gewesen wäre. Seehofer musste nicht die Bürde des Stoiberschen Erbes wie Transrapid und achtjähriges Gymnasium übernehmen – fast auf den Tag genau ein Jahr vor der Landtagswahl war höchst ungewiss, ob und mit welchem Ergebnis diese Altlasten so weit bereinigt werden konnten, dass die absolute Mehrheit der CSU sichergestellt wäre.

Kronprinz und Nothelfer der CSU

Als Nicht-Vorsitzender bekam Seehofer auch die Chance, die damals allgegenwärtige Maulzerreißerei über sein uneheliches Kind abklingen zu lassen – jetzt kann ihm niemand vorwerfen, die Partei habe wegen seiner „Affäre“ die Wahl verloren. Auch musste Seehofer sich nicht ein Jahr lang mit einem unterlegenen Huber-Lager herumschlagen.

Und nicht zuletzt war in diesen zwölf Monaten die Hoffnung darauf, er werde eines Tages doch noch den Parteivorsitz übernehmen, gestiegen statt zu erlahmen - bis sie sich nun erfüllt. Dass diese Hoffnung von Anfang an bestand, wurde gerade durch das Ergebnis der Stellvertreterwahl bewiesen. Dieses fiel wesentlich höher aus, als dass es lediglich als Trostpreis abgetan werden konnte. Es drückte so eindeutig die Kür zum Kronprinzen und Nothelfer der CSU aus, dass sich am Abend der Landtagswahl sofort nach den ersten Prognosen bereits alle Gedanken und Blicke auf Seehofer richteten.

Bundespolitisches Auftreten von Bedeutung

Natürlich hätte der Sozialpapst der CSU lieber eine bessergestellte Partei übernommen als die unvorstellbar abgestürzte. Aber da die CSU aus eigener Schuld – sie hatte ohne Not die Wahlperioden von vier auf fünf Jahre verlängert – landespolitisch bis zum Jahr 2013 nichts an ihrer Schwäche ändern kann, kommt es jetzt auf das bundespolitische Auftreten der CSU und die Rettung der Europa- und der Bundestagswahl an.

Das ist das Spielfeld, auf dem sich Seehofer, der 1980 zum ersten Mal in der Arbeiter- und Studentenstadt Ingolstadt in den Bundestag gewählt wurde, heimisch fühlt. Seine Stärke, die er früher als Gesundheits- und jetzt als Landwirtschafts- und Verbraucherminister auszuspielen pflegt, ist das „Umkehren“ einer protestierenden Zuhörerschaft. Mit dieser Gabe und der Autorität des Vorsitzenden könnte er in direkter Ansprache der Wähler für die CSU einiges zurückgewinnen – wer, wenn nicht er.

Allerdings ist nicht sicher, dass das Verhältnis der CSU zur CDU – letztere hatte Huber einige Steine in den Weg gelegt – sich bessern würde. Seehofer ist Fehden mit der CDU-Vorsitzenden Merkel noch nie aus dem Weg gegangen, an die Kanzlerin bindet ihn jedoch die Kabinettsdisziplin.

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