24.01.2008 · Nach dem Fernsehduell zwischen Amtsinhaber Christian Wulff und Herausforderer Wolfgang Jüttner feiern sich erwartungsgemäß beide Parteien als Sieger. Tatsächlich hatten sowohl CDU als auch SPD Grund für ihre Zuversicht: Der Ministerpräsident gab sich souverän, Jüttner angriffslustig.
Von Robert von Lucius, HannoverAm Ende feierten sich erwartungsgemäß beide Parteien als Sieger. SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner habe durch das Fernsehduell am Mittwochabend deutlich auf Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) aufgeholt, hieß es aus der SPD-Führung. Wulff sagte am späten Abend jubelnden Jungunionisten in einer hannoverschen Kneipe, er hoffe, auch mal einen solchen Abend gelassen von außen feiern zu können anstatt selbst zu sprechen – „aber ein paar Jahre mache ich es noch“.
Tatsächlich hatten beide Seiten Grund für ihre Zuversicht. Der Ministerpräsident gab sich souverän. Jüttner war angriffslustiger als sonst. Anfangs hatte Jüttner noch angestrengt gewirkt, nach einem ersten Lacher zu Beginn gab er sich entspannter. Wulff hatte im Wahlkampf damit geworben, er habe in den vergangenen fünf Jahren aus dem zuvor von der SPD regierten Niedersachsen ein „Land des Lächelns“ gemacht. Jüttner sagte dazu: Lehárs „Das Land des Lächelns“ sei eine der wenigen Operetten, die nicht glücklich endeten.
Kampf um die Unentschlossenen
Als Jüttner Wullf vorhielt, er operiere auch mit falschen Erfolgszahlen, brachte er den Ministerpräsidenten sogar – wenn auch kaum sichtbar – etwas aus der Fassung. Nur einmal stockte Jüttner – als der Moderator Andreas Cichowicz, Chefredakteur des NDR, ihn nach seinen Äußerungen zum Privatleben Wulffs fragte. Außer in diesem Augenblick lächelte Jüttner beständig, auch in Augenblicken, in denen das nicht angebracht schien. Der von der SPD als „Problemweglächler“ verspottete Wulff gab sich staatsmännisch und ernst.
Das ihm nicht wesenseigene Lächeln habe Jüttner sich vorher antrainiert, hieß es am späten Abend bei der SPD. Auch Wulff bemühte sich zur Vorbereitung nicht nur um eine Fülle von Statistiken, sondern auch um eine „professionelle Medienberatung“. Schließlich galt es durch den Auftritt, die hohe Zahl Unentschlossener Wähler zu überzeugen. Ob er zum Schlussbild in die Kamera und auf die Zuschauer blicken sollte oder auf den Gesprächspartner, wollte Wulff wissen. Auf den Moderator, berichtete Wulff anschließend, sei ihm geraten worden. Er schaute am Ende jedoch spontan auf die Zuschauer und reichte dann Jüttner die Hand.
„Angreifer zu sein, ist leichter“
Der ergriff sie aber nicht sofort. Erst nachdem Wulff und dann Jüttner dem Moderator Cichowicz die Hand geschüttelt hatten, griff auch Jüttner in die ihm ausgestreckte Hand Wulffs. Vielleicht hatte er sie zuvor einfach übersehen, aber solche kleinen Gesten des Zögerns mögen bei den Zuhörern mehr nachhallen als die Argumente zur Wirtschaftspolitik. In diesem Feld brillierte Wulff. In bildungspolitischen Fragen schaffte Jüttner es nur anfangs, Wulff zu überstrahlen. Dass der SPD-Politiker sich in seine bewusst selbstbewusste Rolle nicht so ganz eingefunden hatte, wurde auch deutlich als er gequälte Formulierungen benutzte wie etwa „wenn ich Ministerpräsident werden würde“.
Ein Eingeständnis konnte Jüttner seinem sonst so souverän agierenden Rivalen dann doch abtrotzen: Spät am Abend in einem stilleren Moment sagte Wulff, Angreifer zu sein sei leichter als Verteidiger zu sein. Insofern habe er auch seine Einsätze bei den beiden vergangenen Wahlen als Herausforderer von Gerhard Schröder und später von Sigmar Gabriel mehr genießen können als diesen Abend.
Robert von Lucius Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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