26.02.2008 · Die Fraktionsvorsitzende der Hamburger Grünen pflegt ein gutes Verhältnis zu Bürgermeister Beust von der CDU. Doch Christa Goetsch sorgt sich, dass ihrer Partei mit einer schwarz-grünen Koalition noch mehr Wähler davonlaufen.
Von Frank Pergande, HamburgGlücklich ist Christa Goetsch mit dem Ergebnis der Hamburg-Wahl nicht. Einstellig – das ist ein Tiefpunkt für die Grün-Alternative Liste, für die Frau Goetsch die Fraktion in der Bürgerschaft führt. Man war stets zweistellig. Und schuld an den Stimmenverlusten ist vermutlich sogar die Diskussion über ein schwarz-grünes Bündnis. Da mag mancher, der grün denkt, ein Bündnis mit der CDU aber nicht will, lieber gleich die Linkspartei oder gar nicht gewählt haben.
Eigentlich stehen Christa Goetsch zusammen mit der Parteivorsitzenden, der Bundestagsabgeordneten Anja Hajduk, und auch der anderen Hamburger Bundestagsabgeordneten, Krista Sager, die schon einmal Zweite Bürgermeisterin und Senatorin unter Ortwin Runde (SPD) war, vor der historischen Chance, der Politik in Deutschland ganz neue Tore zu öffnen. Aber Frau Goetsch schaut dabei ganz verkniffen. Selbst ihre bunte Lesebrille wirkt seit Sonntag traurig.
Die Fraktion führt sie geräuschlos
Dabei galt Frau Goetsch bislang als Politikerin, die ein gutes Verhältnis zu Bürgermeister Ole von Beust (CDU) pflegte und manches Mal auch schon ihre Schwierigkeiten mit den Sozialdemokraten hatte. Sie vertritt das, was man bei den Grünen Realo-Positionen nennt. Die Fraktion führt sie geräuschlos. Im Grunde ihres Herzens würde sie wohl Schwarz-Grün auch gern eine Chance geben. Aber die bisherigen Reaktionen auf die Debatte haben sie bestürzt.
Wähler und Zuspruch zu verlieren – das wäre wohl ein zu hoher Preis für eine Beteiligung an einer CDUgeführten Regierung im Rathaus. Und selbst wenn es gegen viele Widerstände in der eigenen Partei zu so einem Bündnis käme: Frau Goetsch, die von Beruf Lehrerin ist, vertritt in der Bildungspolitik klar linke Positionen. Sie will die Gemeinschaftsschule nach finnischem Vorbild. Sie vertritt ein Schulmodell, das sie „Neun macht klug“ nennt, und sie würde gern Bildungssenatorin werden.
Gespräche sind noch keine Koalition
Wie soll das mit der CDU verhandelt werden? Die GAL-Führung hatte sich vor der Wahl gegen Schwarz-Grün ausgesprochen mit dem Ziel, das Wahlergebnis nicht zu gefährden. Das letzte Wort in der Sache aber soll eine Mitgliederversammlung haben. Am Donnerstag treffen sich die Hamburger Grünen in einer Schule. Dort wird eine Vorentscheidung fallen. Frau Goetsch wird sicherlich mit ihrem realpolitischen Blick dafür werben, Gespräche mit der CDU zu führen. Gespräche sind ja noch keine Koalition.
Auf keinen Fall möchte sie, dass diese Chance schon jetzt verbaut wird, weil die Partei von vornherein Schwarz-Grün ablehnt. Dann würde es überall heißen, die Partei sei zu einer vernünftigen Politik nicht in der Lage. Dann würden die Grünen als unmoderner gelten als die christlichen Demokraten.
Frau Goetsch ist 55 Jahre alt. Vor zehn Jahren kam sie in die Bürgerschaft, seit 2002 führt sie die Fraktion. Auch ihr Mann ist Lehrer. Er musste aus der DDR fliehen. Das prägt Frau Goetschs Verhältnis zur Linkspartei, mit der sie nichts zu tun haben will. Das Paar hat einen erwachsenen Sohn. Frau Goetsch lacht gern. Ein bisschen ist ihr das Lachen vergangen. Aber eigentlich ist sie ein optimistischer Mensch.
Nein, kein Anlaß zur Besorgnis.
Peter Herbeck M.A. (peterherbeck)
- 26.02.2008, 22:10 Uhr
jedenfalls kein Wählerbetrug
Günter Blümel (guenterbluemel)
- 27.02.2008, 12:43 Uhr
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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