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Bayerisches Fernsehduell Beckstein kneift nicht - Maget beißt nicht zu

19.09.2008 ·  Im Zeichen der jüngsten Umfragen, nach denen die CSU in Bayern um die absolute Mehrheit bangen muss, und der medialen Aufregung um Becksteins „Maß-Regelungen“ im Bierzelt stellt sich Ministerpräsident Beckstein dem Fernsehduell gegen SPD-Herausforderer Maget.

Von Timo Frasch
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Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein wusste genau, warum er erst eine Woche lang über das Angebot des Bayerischen Rundfunks nachdachte, ehe er sich dem Spitzenkandidaten der bayerischen SPD für die Landtagswahl, Franz Maget, am Donnerstagabend zum sogenannten TV-Duell stellte.

Hätte er abgesagt, hätte es geheißen: Der Beckstein erkennt den Ernst der Lage nicht, oder: Er kneift. Oder aber: Er fühlt sich nicht stark genug, um die Möglichkeit einer Niederlage ausschließen zu können. Durch eine Zusage hingegen setzte er sich einer unnötigen Gefahr aus.

Entweder könnte die SPD zu einem ebenbürtigen Gegner aufgewertet werden, der sie auch nach den jüngsten Umfragen, die die CSU bei 47 Prozent, die SPD bei 21 sehen, mitnichten ist. (Siehe auch: Umfrage: CSU in Bayern nur bei 47 Prozent)

Oder aber die SPD hätte schon gewonnen, wenn der rhetorisch nicht unbegabte Maget im Duell auch nur halbwegs mithalten könnte - so wie im DFB-Pokal jedes Tor eines Oberligisten als ein Sieg erscheint, auch wenn sich der FC Bayern schließlich doch noch mit 3:2 in die nächste Runde rettet.

Edmund Stoiber, Verwaltungsbeiratsvorsitzender beim FC Bayern und Becksteins Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten, war sich dieser Gefahren bewusst. Deshalb ließ er Maget 2003, vor der Zwei-Drittel-Mehrheitswahl, mit seinen Duell-Avancen abblitzen. Beckstein hat schließlich zugesagt.

Aufschwung in Bayern dank Schröder?

Das erste wichtige Thema des Duells ist die Wirtschaft - abgesehen von der Bayern LB eine sichere Bank für die CSU. Die Verhältnisse in Bayern seien „rosig“, sagt der Moderator Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens.

Maget sagt wenig überzeugend, das habe nicht zuletzt mit der bundespolitischen Entwicklung zu tun, die Gerhard Schröder durch seine Steuersenkungen eingeleitet habe. Beckstein müsste jetzt schießen. Tut er auch. Er sagt, Bayern sei ein wirtschaftliches Vorbild für ganz Deutschland, das sehe selbst die Bundeskanzlerin so. Getroffen hat er Maget damit nicht.

Mindestlöhne, Pendlerpauschale, Kernenergie

Dann kommt das Thema Soziales: Maget verlangt Mindestlöhne, ihm gehe es um die Würde des Menschen. Beckstein sagt, er wolle sogar, dass die Leute deutlich mehr in der Tasche haben als nur den gesetzlichen Mindestlohn. Dafür müsse es aber erst einmal der Wirtschaft gut gehen.

Bei der Pendlerpauschale verfängt Magets Vorwurf nicht so recht, die CSU wolle jetzt revidieren, was sie einst selbst beschlossen hat: „Das stand im Wahlprogramm der Union auf Seite 17.“

Beckstein sagt, die Kürzung der Pauschale sei damals aus fiskalischen Gründen notwendig gewesen. Auch beim Thema Kernenergie wirkt Beckstein nach früheren Meinungskorrekturen entschiedener, ohne jedoch Maget schlecht aussehen zu lassen.

Beckstein nimmt Gottliebs Steilpässe nicht auf

Dann kommt die Bildung. Maget bringt etwas fürs Gemüt, erzählt davon, wie er als Sohn eines Industrieschneiders das große Glück hatte, studieren zu dürfen. Bis heute hätten Arbeiterkinder viel schlechtere Bildungschancen als die Söhne und Töchter von Akademikern.

Gottlieb, der das Duell gut im Griff hat, spielt Beckstein einen Ball zu: Seine Frau sei ja Lehrerin. Beckstein könnte jetzt von seiner Marga erzählen, mit der er bis heute in einem sozialen Brennpunktviertel in Nürnberg lebt. Macht er aber nicht. Stattdessen erwähnt er, was keiner mehr weiß, dass er schon bei seiner ersten Regierungserklärung gesagt habe, dass die Bildungspolitik die Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts sei.

Von der Inneren Sicherheit zur Alkohol-Prävention

Schließlich kommt das Gespräch auf die innere Sicherheit, das Paradefeld des früheren bayerischen Innenministers Beckstein, auf dem er genügend Erfolge aufzuweisen hat, um ausführlich darüber zu reden.

Maget geht aus gutem Grund kaum auf das Thema ein, sagt: „Wir wollen die Prävention stärken, auch in Puncto Alkohol.“ Er spielt an auf Becksteins Bierzeltäußerung über die noch gegebene Fahrtüchtigkeit nach zwei Maß Bier. Beckstein sagt daraufhin, Maget habe die Frage zur inneren Sicherheit „schlangenlinienartig“ beantwortet.

Der bayerische Ministerpräsident sieht dabei nicht wie ein Mann aus, der nach zwei Maß Bier noch geradeaus laufen, geschweige denn fahren kann. Maget hingegen wirkt auch nach 45 Minuten noch frisch und fahrtüchtig. Die meisten Wähler werden trotzdem zu Beckstein ins Auto steigen. Er hat mehr Fahrpraxis. Vor allem aber hat er ein Auto.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik.

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