Forscherkarriere in Amerika? Arbeit finden in Norwegen? Traumgehälter in der Schweiz? Auswandern wird für viele Deutsche eine immer ernsthaftere Option. Schon immer sind Deutsche in andere Länder ausgewandert, vor allem in die Vereinigten Staaten. Heute aber sind es im Gegensatz zu früher meist junge und vor allem gutausgebildete Menschen, die in der Fremde ihr Glück suchen.
Der Trend hält an. Er weitet sich aus und macht Schlagzeilen mit neuen Rekordzahlen. Nun hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor einer zunehmenden Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus Deutschland gewarnt. „Immer mehr junge Leute kehren Deutschland den Rücken“, sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun der Zeitung „Die Welt“. Mit 145.000 Fortzügen habe Deutschland im vergangenen Jahr seit 1954 die höchste registrierte Abwanderung verzeichnet.
Das Phänomen ist noch wenig erforscht
Die Gründe sind nicht nur auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Viele fliehen, weil sie Angst haben vor maroden Sozialsystemen, Perspektivlosigkeit und den Folgen des demographischen Wandels. Die Zeiten, als die europäischen Nachbarn neidvoll auf hiesige Gehälter und Sozialleistungen schielten, sind vorbei. Deutsche Spitzenmediziner zieht es nach England, Computerspezialisten nach Australien, Wissenschaftler nach Amerika oder in die Schweiz. „Brain drain“, heißt das im Fachjargon; gemeint ist der Wegzug der deutschen Forscherelite ins Ausland.
Die Äußerung des DIHK-Präsidenten erregt vor allem deshalb Aufsehen, weil der Umfang der Abwanderung aus Deutschland noch immer wenig erforscht ist. Bislang gibt es kaum Zahlen zur Abwanderung aus Deutschland. Der Bereich Emigration von Deutschen ins Ausland wurde von Statistikern bislang weitaus stiefmütterlicher behandelt als die Immigration von Ausländern nach Deutschland.
„Das ist ein Alarmzeichen“
Weit mehr als die Hälfte der deutschen Emigranten seien jünger als 35 Jahre, sagte DIHK-Präsident Braun. „Darunter sind viele qualifizierte und hoch motivierte Köpfe. Das ist ein Alarmzeichen.“ Eine wichtige Ursache sei, daß andere Länder oft bessere Standortbedingungen hätten als Deutschland. Der DIHK-Chef beklagte hohe Steuern und Sozialabgaben. Auch „Defizite in der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur“ bildeten im Vergleich zu europäischen Nachbarstaaten erhebliche Standortnachteile.
„Deutschland muß deshalb endlich seine Strukturprobleme anpacken und so für qualifizierte Fachleute ein möglichst attraktiver Standort sein.“ Zudem müsse der deutsche Arbeitsmarkt für gut ausgebildete Ausländer stärker geöffnet werden.
Schlussfolgen ...
Martin Buchwald (Denken)
- 23.10.2006, 11:45 Uhr
Abwanderung: Unterschichtenpolitik und Polit-Egoismus den Rücken kehren
Milvert Goldman (MGoldman)
- 23.10.2006, 11:54 Uhr
Abwanderung
Jörg Rühl (Quiny89)
- 23.10.2006, 12:37 Uhr
Nur so wenige ?
Closed via SSO (leouwe)
- 23.10.2006, 13:13 Uhr
Es gibt durchaus auch andere Gründe
Marc Behrens (GrafZahlMarc)
- 23.10.2006, 13:29 Uhr
