Home
http://www.faz.net/-g7c-wy3z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Weißrusslands Aleksandar Hleb im Gespräch „Der FC Bayern spielt wie in der zweiten Liga“

27.05.2008 ·  Aleksandar Hleb ist der Star des weißrussischen Fußballs. Bevor er zum FC Arsenal wechselte, wirbelte er in Stuttgart. Vor dem Test gegen Deutschland spricht Hleb im F.A.Z.-Interview über Trainer Bernd Stange, englisches Wahnsinnstempo und seinen Bruder.

Artikel Bilder (7) Interaktiv (1) Lesermeinungen (0)

Aleksandar Hleb ist seit fünf Jahren in Folge „Fußballer des Jahres“ in Weißrussland. Der Profi, der bei Arsenal London unter Vertrag steht, machte 137 Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart. Unter dem deutschen Trainer Bernd Stange ist Hleb auch Kapitän der Nationalelf, die an diesem Dienstag (17.45 Uhr / Live in der ARD und im FAZ.NET-Liveticker) in Kaiserslautern in einem Testspiel auf die deutsche Auswahl trifft. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Hleb über über Fußball bei Arsenal, in der Bundesliga und Weißrussland.

Nicht nur Ihr Nationaltrainer Bernd Stange glaubt, Sie werden einer der besten Mittelfeldspieler Europas. Sind das zu hohe Erwartungen?

Ich habe in England gelernt, dass es noch so viel zu verbessern gibt. Ich habe immer davon geträumt, bei einem großen Klub zu spielen. Jetzt habe ich gelernt, das ist nicht so einfach und eine Menge Arbeit.

In Weißrussland finden Sie eine andere Welt vor als bei Arsenal?

Wir sind ein kleines Fußballland, aber wir spüren so etwas wie Aufbruchstimmung. Mit dem neuen Trainer Bernd Stange entwickelt sich vieles zum Positiven. Wir müssen aber noch einiges tun: Plätze bauen, junge Fußballspieler ausbilden, und die müssen dann auch im Ausland Erfahrung sammeln. Es fehlt manchmal das Geld dazu. Wir müssen uns an kleine Schritte gewöhnen.

Trainer Bernd Stange kommt mit den Bedingungen zurecht?

Die ersten drei Monate hatte ich Angst, dass er wieder geht. Aber mittlerweile ist durch ihn so etwas wie Aufbruchstimmung entstanden. Die Spieler kommen wieder gern zur Nationalmannschaft. Aber es ist ein langer Weg. Wir müssen versuchen, so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln. Das können wir durch Spiele wie gegen Deutschland oder im August gegen Argentinien.

Die Menschen in Weißrussland erwarten aber Erfolge.

Sie wollen immer, dass wir gewinnen. Und vor allem, dass wir es einmal zu einem großen Turnier schaffen. Davon träumen wir alle. Seit ich 19 Jahre alt bin, höre ich vor jeder Qualifikation: Diesmal schaffen wir es. Wissen Sie, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe. Manchmal denke ich, es ist mein Schicksal, nie bei einem großen Turnier zu spielen.

Das klingt frustriert.

Was? Frustriert? Ich? Niemals. Ich will Ihnen was sagen: Wir werden es immer wieder versuchen. Auch das gehört zum Sport - und wir sind es den Menschen in Weißrussland schuldig. Das nächste Ziel ist die WM 2010 in Südafrika. Wir brauchen einfach mehr internationale Erfahrung durch Spiele.

Deutschland ist in Kaiserslautern der große Favorit, was ist drin für Weißrussland?

Das ist das erste große Spiel für uns. Da können wir zeigen, was wir können, und uns präsentieren.

Sie werden zusammen mit Ihrem Bruder Watscheslaw gegen Deutschland spielen, der schon in Hamburg und Stuttgart gespielt hat. Was ist von ihm zu erwarten?

Er spielt in Weißrussland in einer super Form und ist im Nationalteam zu einem der wichtigsten Spieler geworden. Ich freue mich wahnsinnig, mit ihm gegen Deutschland zu spielen. Es wäre ein Traum, wenn er wieder ins Ausland wechseln würde. Er ist jetzt reif dafür. Mein Traum für dieses Spiel ist: Ich spiele den Pass, und er schießt das 1:0. Das ist natürlich ein Spaß, aber ein schöner.

Wie haben Sie sich an das schnelle Spiel in der Premier League gewöhnt?

Das erste Jahr war der Hammer. Ich habe mich sehr einsam gefühlt. Es war klar, die Premier League würde eine Herausforderung - aber mit diesem Tempo habe ich nicht gerechnet. Die Bundesliga ist immer noch eine gute Liga, aber eine Saison in England fühlt sich an wie zwei in Deutschland. Ich will Ihnen ein Beispiel erzählen: Als ich am Anfang hier war, ging alles so zack zack, so schnell, keine Zeit für nix. Dieses Tempo war der Wahnsinn, selbst im Training. Ich schaue zum Ball vor mir, dann, wohin ich ihn spielen kann - als ich wieder zum Ball runter schaue, war der Ball weg. Die englische Liga ist die beste der Welt. Als ich St. Petersburg gegen Bayern gesehen habe, dachte ich, da spielt eine Mannschaft aus der zweiten Liga.

Das Gespräch führte Oliver Trust.

Namen und Daten zum Länderspiel

Deutschland - Weißrussland

Deutschland: Lehmann/FC Arsenal (38 Jahre/53 Länderspiele) - Lahm/Bayern München (24/39), Mertesacker/Werder Bremen (23/41), Metzelder/Real Madrid (27/39) oder Westermann/Schalke 04 (24/2), Jansen (22/21) - Fritz/Werder Bremen (27/12), Ballack/FC Chelsea (31/79), Frings/Werder Bremen (31/70) oder Jones/Schalke 04 (26/1), Schweinsteiger/Bayern München (23/49) - Podolski/Bayern München (22/46), Klose/Bayern München (29/74).

Weißrussland: Chomutowski/Carl Zeiss Jena (29/24) - Korytko/Tschernomorets Odessa (28/32), Filipenko/Spartak Moskau (20/9), Lentsewitsch/Dynamo Minsk (29/1), Omeljantschuk/FK Rostow (27/44) - Kulschy/FK Rostow (34/67) - Alexandar Hleb/FC Arsenal (27/40), Romaschtschenko/Bursaspor (31/62) - Putsilo/Hamburger SV (20/2) - Wjatscheslaw Hleb/MTZ-RIPO Minsk (25/21), Bulyga/Luch Wladiwostok (28/29).

Schiedsrichter: Ceferin (Slowenien).

Fernsehen: Von 17.15 Uhr an in der ARD (Anstoß 17.45 Uhr).

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen