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Vor dem Halbfinale Adler und Halbmond

25.06.2008 ·  Das Halbfinalspiel zwischen der deutschen und der türkischen Mannschaft wird als Test für das Zusammenleben in den deutschen Städten angesehen. Vielerorts gibt es Sicherheitsbedenken. Mindestens genauso häufig herrscht aber auch Optimismus.

Von Christian Kamp
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Es wird laut, es wird sogar sehr laut zugehen in dieser Mittwochnacht, darauf möge sich der Fußballverächter ebenso einstellen wie der leidenschaftliche Fan. All die kleinen Wettkämpfe am Rande dieser Europameisterschaft – um das kräftigste Hupkonzert, um den längsten Autokorso – bislang waren es ja nur Fernduelle im nicht mehr ganz so neuen Volkssport, der großen Fußballparty.

Spätestens jetzt aber wird es ernst: Für die Mannschaft von Joachim Löw sowieso – etwas anderes als der souveräne Einzug ins Finale von Wien scheint in der allgemeinen Begeisterung überhaupt nicht mehr denkbar. Deutschland gegen die Türkei – das ist aber auch für Politiker, Sicherheitsorgane, Fanmeilenbetreiber und nicht zuletzt für die Medien hierzulande der Ernst- und Testfall: Kann man sich darauf verlassen, dass es ein friedliches Fest bleibt angesichts des speziellen Verhältnisses von Türken und Deutschen?

Weniger Pessimismus als Optimismus

Schon die Häufigkeit, mit der die Sicherheitsfrage gestellt wird in diesen Tagen, lässt eine negative Antwort befürchten. Und so hört man hier und da von verstärkten Kontrollen, von vorsorglich abgesagten Fanfesten, kurz: von einer eher skeptischen Einschätzung der Lage. Als „Herausforderung schlechthin“ hat der baden-württembergische Polizeipräsident Erwin Hetger die bevorstehende deutsch-türkische Nacht bezeichnet.

Alle Zeichen auf Sturm also? Glücklicherweise nicht. Weit stärker als die pessimistischen Stimmen sind diejenigen, die voller Vorfreude auf eine weitere fröhlich-friedliche Partynacht blicken – egal, wie das Spiel in Basel enden mag.

Man sieht Autos, die nicht patriotisch, sondern paritätisch beflaggt sind

Schon bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren hat sich angedeutet, dass der alte deutsch-türkische Reflex nicht mehr funktioniert: Weil die türkische Mannschaft nicht qualifiziert war, drückten viele Deutsch-Türken der zweiten oder dritten Generation Jürgen Klinsmanns Elf die Daumen. Und auch diesmal sieht man Autos, die nicht patriotisch, sondern paritätisch beflaggt sind, oder Deutschlandfahnen mit eingenähtem Halbmond im roten Balken. Unisono beteuern die türkischen Verbände in Deutschland, dass es längst zwei Herzen seien, die in der Brust ihrer Mitglieder schlügen.

All das klingt, als wären die Fans vielleicht sogar schon weiter als der Fußball selbst – denn dort gibt es bei der Integration türkischstämmiger Spieler im Gegensatz zu anderen Einwanderungsländern (wie zum Beispiel in der Schweiz) immer noch Nachholbedarf. Ein Fußballspiel aber umgekehrt als Integrationstest sehen zu wollen, wäre das falsche Signal.

Schließlich hängt das Gelingen einer Party immer noch vom Verhalten aller Gäste ab. Dass sie bei aller Emotion respektvoll miteinander umgehen können, ist das Einzige, was Deutsche und Türken sich beweisen müssen. In den Worten des türkischen Nationalspielers Hamit Altintop, geboren und aufgewachsen in Gelsenkirchen, klingt das so: „Entscheidend ist, dass man den Sieger feiert, nicht den Verlierer provoziert.“ Einer der klügsten Sätze stammt diesmal von einem der Akteure.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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