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Unsere Fußball-Kommentatoren Und wieder „mit“ dabei sein

07.06.2008 ·  Fußball ist zwar im Laufe der Jahre immer schneller geworden, doch das Spiel bleibt in seiner schlichten Schönheit erzählbar. Außer von unseren Fernseh-Kommentatoren, die einen neuen Trick entdeckt haben, um sich um vollständige, wesentliche Sätze zu drücken.

Von Tobias Rüther
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Müssen alle mit. Geht gar nicht mehr anders. Egal, ob Steffen Simon oder Tom Bartels, Bela Réthy oder Thomas Wark oder Reinhold Beckmann: Es müssen alle mit. Auch jetzt in der Schweiz und in Österreich. Denn „mit“ ist mittlerweile das wichtigste Wort für Deutschlands Fußballkommentatoren. Ohne „mit“ kommt keiner von ihnen mehr mit, wenn sie überhaupt noch beim Spiel mitkommen. Mit „mit“ beschreiben die Kommentatoren die simpelsten wie die kompliziertesten Spielzüge: Podolski mit der Flanke. Klose mit der Chance. Lehmann mit der Fußabwehr. Bayern mit dem Ballverlust. Und kurz danach mit dem Gegentor. Bei jeder Sportschau, in jedem Länderspiel.

Sicher, auch der Ball beschreibt oft Ellipsen auf dem Platz. Aber das muss doch nicht gleich für die Kommentatoren gelten! Bei den Herren, und es sind immer Herren, die uns ab heute wieder drei Wochen lang Spiel für Spiel den letzten Nerv rauben werden, gehören ganze Sätze kaum noch zum Repertoire. Stattdessen: Steffen Simon mit dem Gequatsche. Beckmann mit dem Namensfehler. Bartels mit der Abseitsunkenntnis. Bela Réthy mit der Besserwisserei. Fritz von Thurn mit Taxis.

Was den Nichtunterschied ausmacht

Dabei wäre es so einfach: Podolski flankt. Klose schießt. Lehmann pariert. Bayern verliert den Ball und kassiert kurz darauf ein Tor. Schon wird aus dem Spielzug eine Geschichte, deren Spannungsbogen eben nicht elliptisch aufgebaut sein muss. Und deren Akteure nicht lose mit dem Geschehen verbunden sind, sondern es steuern.

Die Kritik an Fußballkommentatoren ist so alt wie der Fußballkommentar selbst. Schon der legendäre Reporter Herbert Zimmermann, Erfinder der Schaltkonferenz, musste sich als Blasphemiker beschimpfen lassen, weil er beim Wunder von Bern 1954 Toni Turek im Tor der Deutschen als „Fußballgott“ angerufen hatte. Früher war also nicht alles besser. Überhaupt findet man aus allen Epochen stilistische Glanzparaden, egal ob vor zwanzig Jahren von Heribert Fassbender (“Es steht im Augenblick 1:1. Aber es hätte auch umgekehrt lauten können“) oder heute von Wolfgang Nadvornik (“Hat das den Nichtunterschied ausgemacht?“)

Fußball ist zwar im Laufe der Jahre immer schneller geworden, seine Elemente blieben in ihrer schlichten Schönheit aber erzählbar. Falls das Spiel der kurzen Pässe die Kommentatoren sprachlich dennoch überfordert, könnten sie doch einfach den Mund halten. Das wäre nämlich für den Fan vor dem Fernseher mit das Beste.

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Jahrgang 1973, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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