11.06.2008 · „Selbstironie ist einer unserer wesentlichen Wesenszüge“, meint die Österreicherin Stefanie Schöffmann, und hat die passende Kollektion für die Euro 2008 herausgebracht: „Zu Gast bei Verlierern“. Die Designerin im FAZ-NET-Interview.
T-Shirts, Kappen, Unterhosen - alles in den Landesfarben rot-weiß-rot und bedruckt mit dem Slogan: „Zu Gast bei Verlierern“. Die Nationalmannschaft könne das aushalten, meint die österreichische Designerin Stefanie Schöffmann im FAZ.NET-Interview: „Selbstironie ist einer unserer wesentlichen Wesenszüge.“
Frau Schöffmann, wie sind Sie als gebürtige Österreicherin auf die Idee gekommen, zur Fußball-EM eine Modekollektion unter dem Slogan „Zu Gast bei Verlieren“ auf den Markt zu bringen?
Die Idee ist im Urlaub in Südtirol aus einer lustigen Kaffeelaune heraus entstanden. Beim Gespräch mit Freunden, als wir uns an die WM 2006 erinnert und auf die EM in unserer Heimat vorausgeschaut haben. Irgendwann fiel der Spruch und er ging mir dann nicht mehr aus dem Kopf. Die Deutschen haben nun mal im Fußball den großen Vorteil, dass sie viel besser als wir sind. „Zu Gast bei Verlierern“ erschien uns angesichts der jüngeren Vergangenheit mit den nicht gerade berauschenden Ergebnissen unserer Elf der passendere Slogan für diesen Sommer.
Frust über die verbesserungswürdigen Auftritte der österreichischen Nationalmannschaft in der EM-Vorbereitung war also nicht der vorherrschende Antrieb?
Nein, ganz und gar nicht. Die Kollektion richtet sich in erster Linie an Leute, die eigentlich eher weniger mit Fußball zu tun haben und trotzdem bei den EM-Partys mitfeiern möchten. Die „Zu Gast bei Verlierern“-Sachen heben sich optisch von den üblichen Trikots auf der Fanmeile ab - sind sehr schick und auf alle Fälle ausgehtauglich.
Was haben Sie denn alles so entworfen?
T-Shirts, Jacken, Taschen, Tops und Käppis. Außerdem gibt es neuerdings auch schöne Schweißbänder, die habe ich in Anspielung an die Schweizer, für die mein Motto ja auch gilt, „Schwitzer“ genannt. Mal schauen, ob dieser Gag ankommt.
Was ist Ihr Verkaufsschlager?
Das Retro-T-Shirt Modell „Stripes Only“ führt die Hitliste an. Aber mein persönlicher Favorit sind ohne Zweifel die Unterhosen.
Was zeichnet die denn aus?
Natürlich sind sie in rot-weiß-rot, unseren Nationalfarben, gehalten. Das Männermodell ist ein Klassiker in Feinripp - im Stil der Liebestöter von ganz früher. Die Frauenmodelle sind wesentlich fescher und kommen bei den weiblichen Fans auch richtig gut an.
Wer bestellt Ihre Artikel hauptsächlich?
Für meine lieben österreichischen Mitbürger waren sie ursprünglich gedacht. Bestellungen kommen mittlerweile aber auch jede Menge aus der Schweiz, Holland und natürlich Deutschland.
Gibt es nicht mächtig Stunk, wenn deutsche Fans in diesen Tagen massenhaft in den Verlierer-T-Shirts durch die Fanzonen in Österreich laufen?
Nein, warum? Wir sind ein tolerantes Volk, Selbstironie ist einer unserer wesentlichen Wesenszüge.
Und, wie laufen nun die Geschäfte?
Ich mache damit das große Geld! Nein, im Ernst und Scherz bei Seite: bei der Sache steht der Spaß im Vordergrund. Wenn ich viel damit verdienen wollte, hätte ich in China produzieren lassen müssen, doch die Sachen werden alle ganz ohne Kinderarbeit in Wien gefertigt. Und viele meine Freunde helfen mit, stehen als Model parat, fotografieren, programmieren und rühren die Werbetrommel.
Sie machen sich mit ihrer Aktion ordentlich lustig über die eigene Nationalmannschaft - hagelt es da nicht Drohbriefe von verärgerten Fans, denen Ihr Spaß zu weit geht?
Ganz so ist es nicht. Wir Österreicher haben seit jeher einen etwas spezielleren Witz, deswegen wissen die meisten Leute die Aktion vernünftig zu beurteilen. Klar gibt es manche, die sich in ihrem Stolz gekränkt fühlen, von denen bekomme ich dann schon böse Emails, in denen sie mich als Vaterlandsverräterin und so weiter beschimpfen, das hält sich jedoch glücklicherweise in Grenzen. Aber die meisten nehmen es mit einem Augenzwinkern und es ist doch ein schöner Charakterzug, wenn man über sich selbst Schmunzeln kann.
Ein Tipp zum Schluss: Wie sehen Sie die Chancen der österreichischen Nationalelf, gibt es nach der Niederlage zum Auftakt noch die Hoffnung auf den großen Coup?
Unsere Nationalmannschaft hat aufgeholt, ohne Zweifel. Die Spieler wurden zuletzt mit jedem Spiel besser, vielleicht sporne ich sie mit meiner Aktion ja auch an. Beim 0:1 gegen Kroatien hatten sie Pech. Unsere Spieler haben gesagt, sie bräuchten die Energie aller Österreicher, um erfolgreich zu sein - von meiner Seite unterstütze ich sie auf jeden Fall mit einer großen Portion Humor.
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