12.06.2008 · Österreichs Nationaltrainer Josef Hickersberger und Leo Beenhakker,sein niederländischer Kollege in polnischen Diensten, treten zum Duell der Altgedienten an. Wahrscheinlich darf nur einer nach dem Spiel noch aufs Viertelfinale hoffen.
Von Roland Zorn, WienDen einen könnte man sich auch als Sparkassen-Zweigstellenleiter vorstellen. Korrekt, adrett und nett: das ist Josef Hickersberger, Österreichs Teamchef bei der Europameisterschaft. Der andere könnte auch ein Rolling Stone sein mit seinen wallenden weißen Haaren, den tiefliegenden Augen, seinem Genießerblick und dem ironisch eingefärbten Humor. Leo Beenhakker ist so etwas wie der Altrocker bei diesem Fußball-Ereignis, das von der älteren Trainergeneration geprägt wird.
Hickersberger ist 60, Polens Trainer Beenhakker 65. An diesem Donnerstag begegnen sie einander als Freunde und Gegner. Denn nur der Sieger aus dem Wiener Schachmatt-Duell der beiden Verlierer vom ersten Spieltag darf noch ein wenig darauf hoffen, vielleicht doch das Mindestziel Viertelfinale zu erreichen.
Niederösterreichischer Fußball-Tüftler gegen Rotterdamer Fußball-Abenteurer
Den niederösterreichischen Fußball-Tüftler und den Rotterdamer Fußball-Abenteurer eint ein Problem: Sie sind verantwortlich für zwei Mannschaften, die noch nicht oder noch lange nicht zur europäischen Elite ihres Sports zu rechnen sind. Doch die Erwartungen, die Hickersberger und Beenhakker zu bedienen haben, sind schon höher. Viele Österreicher sehen als Mitgastgeber der Europameisterschaft die sportliche Verpflichtung, mit den Großen Schritt zu halten; viele Polen halten ihr Team, das seine Qualifikationsgruppe vor Portugal gewann, für viel besser, als es in Wirklichkeit ist.
Beenhakker geht mit dieser Situation so entspannt um, wie es seine niederländische Lebensart erlaubt. „Jesus Christus“, hat er kritischen Fragestellern nach der polnischen 0:2-Niederlage gegen die Deutschen geantwortet, „es ist doch ein Wunder, dass wir überhaupt bei der Euro dabei sind. Diese Euro ist erst der Startschuss für den polnischen Fußball.“ Hickersberger, dem ein Hang zum Zaudern nachgesagt wird, hat es in diesen Tagen mit vielen Besserwissern, voran den österreichischen Fußball-Ikonen Hans Krankl und Toni Polster, zu tun.
Kein Hollywood-Fußball
Nach dem 0:1 gegen Kroatien wird überall da, wo der österreichische Fußball-Stammtisch aufgebaut wird, nach mehr Mut zur Attacke gerufen. Nur Hickersberger selbst, am Sonntag mit seiner 3-5-2-Startformation eine Spur zu vorsichtig, verweigert sich den Heißspornen im Vorwärtsgang. „Wir werden sicher nicht von Beginn an total offensiven Hollywood-Fußball spielen“, hat er vorausgesagt.
„Hollywood“ war einst das Stichwort für Österreichs größten Trainer Ernst Happel, wenn dieser systematisch daran arbeitende Anwalt des Angriffsfußballs eine Alles-oder-nichts-Situation bewältigen musste. In dieser Lage sind Hickersbergers Spieler auch an diesem Donnerstagabend im Ernst-Happel-Stadion, und deswegen hat ihr Trainer schon Konsequenzen gezogen. Statt einer Dreier- wird eine Viererabwehr gebildet, im Gespräch ist statt des statischen Fünfermittelfelds die anspruchsvolle, auf mehr Dynamik angelegte Raute mit zwei Stürmern davor. Österreich soll sich runderneuert, aber nicht vogelwild gegen Polen präsentieren, und deshalb sagt Hickersberger: „Alle Utopisten, die eine Aufstellung mit zwei Stürmern, dazu Harnik und Korkmaz sowie Ivanschitz und Vastic (lauter Offensivkräfte) fordern, werde ich leider enttäuschen müssen.“
Beenhakker: „Schauen wir nach vorn und nicht zurück“
Beenhakker glaubt, seinen „Freund Hickersberger“ zu kennen, und sagt, der Österreicher sei „Realist, also weiß er, dass neunzig Minuten Zeit bleiben, ein Tor zu schießen“. Der Mann, der schon in acht verschiedenen Ländern gearbeitet hat und bei der letzten Weltmeisterschaft in Deutschland die Karibik-Kicker aus Trinidad und Tobago betreute, ruht in sich und verströmt von Natur aus eine große Gelassenheit.
Dass ihm zwei wichtige Stammkräfte wie der Dortmunder Blaszczykowski und Kapitän Zurawski für diese EM ausfallen, hat er nicht weiter beklagt. „Schauen wir nach vorn und nicht zurück“, sagt Beenhakker, der die Polen auch zur Weltmeisterschaft 2010 nach Südafrika führen will. Der Träger des Ordens für die Wiedergeburt Polens setzt auf den Kombinationsfußball seiner Elf, weiß aber auch, dass ihm wie Hickersberger qualitative Grenzen gesetzt sind.
Polnische wie österreichische Kicker hätten „nicht siebzig Topspiele pro Saison“ absolviert wie die Stars anderer Nationalteams. „Das merkt man in der Schnelligkeit im Kopf und in den Beinen.“ Mit Tempo und Positionswechseln von Spielern wie Harnik, Korkmaz oder Hoffer will Hickersberger den geschätzten Kollegen an diesem Donnerstag überraschen und so die Polen mürbe spielen. Beenhakker kann ein solcher Plan nicht erschüttern. „Ich trete meinen Spielern noch in den Hintern“, hat der Altrocker gesagt, „dann sind sie bereit für Österreich.“
zyniker hickersberger
philipp odelga (multivitaminsaft)
- 13.06.2008, 17:11 Uhr
Hicke genial
Christoph Rohde (prediger1)
- 13.06.2008, 20:57 Uhr