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Leser fragen, FAZ.NET antwortet Was hat es mit den Rückennummern auf sich?

14.06.2008 ·  Rückennummern wurden einmal erfunden, damit man die Spieler auseinanderhalten kann. Später entwickelten die einzelnen Zahlen eigene Mythen. Vor allem für die Merchandising-Abteilungen ist die feste Zuteilung von Nummern seit gut 15 Jahren ein Segen.

Von Marc Heinrich, Ascona
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FAZ.NET-Leser Ulrich Pendl wollte wissen: „Was hat es mit den Rückennummern auf sich? Gibt es historische Hintergründe?“ Unser Redakteur hat nachgefragt.

Haben Sie auch eine Frage zur Europameisterschaft? Fragen Sie unseren Redakteur bei der Nationalmannschaft! Machen Sie mit: Leser fragen, FAZ.NET antwortet

Die Rückennummern im Fußball sind der offiziellen Geschichtsschreibung zufolge mittlerweile 75 Jahre alt. Sie wurden demnach im Frühjahr 1933 eingeführt und waren in erster Linie als Erkennungshilfe für Zuschauer und Schiedsrichter gedacht. Das englische Pokalfinale am 30. April 1933 zwischen dem FC Everton und Manchester City gilt als erstes reguläres Fußballspiel mit Rückennummern - wobei die Spieler von Everton die Nummern 1 bis 11 und die Spieler aus Manchester die Nummern 12 bis 22 trugen.

Die generelle Erfindung der Rückennummern im Sport reklamieren gleichwohl die Amerikaner für sich. In den Vereinigten Staaten trug schon 1916 das Baseballteam der Cleveland Indians Nummern - allerdings auf dem Ärmel.

Der Linksaußen trug stets die 11

Die deutschen Mannschaften handhabten die Vergabe von Rückennummern zunächst sehr pragmatisch: Sepp Herberger verteilte auf dem Weg zum „Wunder von Bern“ bei der Weltmeisterschaft 1954 die Nummern in den einzelnen Mannschaftsteilen der Nationalelf alphabetisch. Nur Toni Turek im Tor bekam die 1 als Herausstellungsmerkmal. Für die Startformation wurden außerhalb von Turnieren üblicherweise die ersten elf Zahlen verwendet. Jahrzehntelang trugen die Spieler zudem auf ihren Positionen eine feste Rückennummer: so gehörte dem Linksaußen stets die 11, der Vorstopper die 4.

Der Nummer 10 haftete oft ein ganz besonderer Glanz an, sie wurde mit Vorliebe an die Stars und großen Mittelfeldregisseure vergeben: Diego Maradona, Pelé, Michel Platini, Günter Netzer oder Bobby Charlton trugen sie. Zinédine Zidane wurde mit der 10 auf dem Rücken 1998 Weltmeister und zwei Jahre später Europameister.

Die ganz Großen nahmen sich Ausnahmen raus

Ausnahmen von solchen Regeln gab es natürlich bei den ganz Großen: Johann Cruyff setzte beispielsweise in Spanien gegen das geltende Reglement durch, dass er im Trikot des FC Barcelona stets mit dem Trikot mit seiner Glückszahl 14 auf dem Rücken auflaufen durfte.

Einen großen Coup landeten die Argentinier bei den Weltmeisterschaftsturnieren 1978 und 1982, als sie ihre Trikots von der 1 bis zur 22 alphabetisch verteilten. Spielgestalter Osvaldo Ardiles agierte deshalb bei beiden Turnieren mit der 1 auf dem Rücken. Torwart Ulbaldo Fillol trug 1978 die 5, vier Jahre später dagegen die 7. Lediglich für den 1982 noch jungen Maradona machten die Gauchos schon eine Ausnahme: er bekam wie auch später immer die 10.

Feste Nummern zur Förderung des Merchandisings

Bis 1993 hatten die Fußballspieler in ihren deutschen Vereinen und bei der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes - außer bei Turnieren - keine festen Rückennummern. Seitdem erhalten die Profis der Ersten Bundesliga und der zweiten Liga aber vor der Saison eine Rückennummer zugeteilt, die sie während der kompletten Runde behalten.

Zudem dürfen sie ihren Namen auf dem Trikot tragen. Die feste Zuteilung von Nummern wurde vor allem auch zur Förderung des Merchandisings gestattet, das in den Vereinigten Staaten schon lange viel Geld einspielt dank der untrennbaren Verbindungen zwischen Sportlern wie Wayne Gretzky (99) oder Michael Jordan (23) mit ihren Trikotnummern. Trikots der Stars verkaufen sich eben besser, wenn ein Name und eine Rückennummer auf den Hemden steht.

„Ich möchte nicht seine Nummer haben“

Ein Star wie Michael Ballack (13) nimmt sich im Nationalteam üblicherweise die selbe Nummer wie im Verein - und umgekehrt. Wobei er bei Chelsea darum kämpfen musste, denn eigentlich war die Glückszahl nicht mehr frei. Da sich William Gallas, der die Nummer zuvor fünf Jahre getragen hatte, allerdings nicht früh genug auf eine Vertragsverlängerung entschieden hatte, wurde Ballack schließlich doch noch die 13 zugewiesen.

Weniger erfahrene Akteure dürfen immerhin Wünsche äußern. So lehnte der Bremer Clemens Fritz vor der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz die Rückennummer 19 ab, die zuvor im Besitz von Bernd Schneider, seinem Kumpel aus gemeinsamen Leverkusener Tagen, war. „Es tut mir leid, dass 'Schnix' wegen seiner Verletzung nicht dabei ist, ich möchte nicht seine Nummer haben“, sagte Fritz und nahm stattdessen die 4. Kollege David Odonkor war weniger wählerisch und gab sich mit der 19 zufrieden.

Amüsante Anekdote aus der Vor-Sommermärchen-Zeit: Als Lehmann und Kahn im Winter 2005 noch um den Stammplatz zwischen den Pfosten rivalisierten, ließ sich Lehmann demonstrativ die 9 geben, um Kahn zu signalisieren: Warte ab, ich bin nicht der Zweitbeste und erst recht nicht der klassische Ersatztorwart (der üblicherweise die 12 bekommt).

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