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Torsten Frings Garantiert einsatzbereit

24.06.2008 ·  Spielt Torsten Frings trotz Rippenverletzung gegen die Türkei oder nicht? Für den Bremer spricht zwar jede Menge Erfahrung - doch das Trainerteam zögert bis zuletzt.

Von Michael Ashelm, Ascona
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Es gibt nicht viele Möglichkeiten, den besten deutschen Fußballspielern bei ihren letzten entscheidenden Übungen zuzuschauen. Gestern öffneten sich die Tore des Trainingsgeländes im Tessin für eine halbe Stunde, gleich zu Beginn während des Aufwärmprogramms. Wer in dieser Zeit einen Aufschluss über den körperlichen Zustand von Torsten Frings erhalten wollte, sah auf dem Platz nicht mehr als einen bewegungsfreudigen Spieler unter vielen.

Der erfahrene Mittelfeldmann nahm augenscheinlich unbehindert wie alle anderen Kollegen am Training teil - trotz seines Rippenbruchs. Er hatte beim Handballspiel das gleiche orangefarbene Leibchen an wie Kapitän Michael Ballack, Per Mertesacker und Bastian Schweinsteiger. „Einsatzfähig“ nannte ihn später der Assistent des Bundestrainers, Hans-Dieter Flick, allerdings ließ er es offen, ob Frings wirklich zum Einsatz kommen wird.

Der tragische Held der WM 2006

Die einzige spannende Personalfrage in der deutschen Elf vor dem Halbfinale gegen die Türkei trifft mit Frings ausgerechnet denjenigen, der vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft zum tragischen Helden wurde. Als einer der entscheidenden Antriebskräfte im Turnier verpasste er die Vorschlussrunde wegen einer Sperre, welche aus einem Gerangel nach dem Viertelfinal-Krimi gegen Argentinien resultiert hatte.

Und es hält sich bis heute die kleine Legende, mit Frings wäre Italien womöglich bezwungen worden. Zu überprüfen ist das natürlich nicht - genauso wenig wie jetzt vor der türkischen Herausforderung die konkreten Pläne der Teamführung, ob die angeschlagene Führungskraft zurückkehrt in den Mannschaftsverbund, in dem Frings gegen Portugal gefehlt hatte. Sollte der 31 Jahre alte Bremer diesmal schon wieder in einem der wichtigsten Spiele für den deutschen Fußball passen müssen?

Frings: „Wenn ich fit bin, spiele ich“

Als Frings direkt nach dem begeisternden Viertelfinale gegen die Portugiesen von einem Reporter gefragt wurde, ob er seinen Stammplatz in Gefahr sehe, weil die neu hinzugekommenen Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger auf seiner Position als harmonisches Defensiv-Doppel eine ansprechende Partie gezeigt hätten, antwortete Frings gewohnt burschikos. „Was für eine dumme Frage. Wenn ich fit bin, spiele ich.“

Die Diskussion um seine Aufstellung konnte er in den folgenden Tagen jedoch nicht abwürgen. Zum einen überraschte die deutsche Mannschaftsführung mit widersprüchlichen Aussagen über die Schwere seiner Verletzung aus dem Österreich-Spiel. Mal sprach man von einem glatten Rippenbruch, mal von einem Anbruch. In der medizinischen Heilbetrachtung ist das wohl kein großer Unterschied, doch führten die unterschiedlichen Aussagen zu einer gewissen Hellhörigkeit unter den Beobachtern. Was ist wirklich los mit Frings?

Löw: „Never change a winning team“

In dieser Saison musste er mehrere Monate wegen einer Knieverletzung aussetzen, weshalb immer wieder Gerüchte über einen eher suboptimalen Fitnesszustand des Mittelfeldspielers aufkamen. Und dann noch das: Der Bundestrainer ließ den verdienten Fahrensmann öffentlich zappeln, als er plötzlich am Montag die Sportlerweisheit „Never change a winning team“ vor den Kameras in der live nach Deutschland übertragenen Pressekonferenz bemühte.

Natürlich weckte die unübersichtliche Lage um Frings, der vor dem Portugal-Spiel (wie seine Mitspieler) nicht gerade durch große Sicherheit auf dem Platz überzeugt hatte, die jüngeren Kollegen aus der Reserve. „Torsten geht es genauso wie uns: Er will natürlich auch spielen. Keiner von uns wird das entscheiden, aber wir haben es dem Trainer ganz schön schwergemacht“, sagte Hitzlsperger auch im Namen seines Spielpartners Rolfes. Beide machten sich zumindest bis zuletzt Hoffnungen, gegen die Türkei aufzulaufen.

Flick: „Wir wollen uns viele Optionen offen halten“

Festlegen lassen wollte sich Löws Assistent Flick am Dienstag nicht, ob Frings wieder zum Einsatz kommen würde. „Wir wollen uns viele Optionen offen halten“, betonte er. Aber Flick lobte Frings gleichzeitig für seinen Willen, dem körperlichen Malheur zu trotzen. Eine gebrochene Rippe kann bei sportlicher Belastung schon mal zu großen Schmerzen und Atemnot führen.

Im offiziellen Sprachgebrauch des Deutschen Fußball-Bundes trägt Frings einen „Schutzverband“ vor dem Brustkorb, über dessen Material allerdings keine weiteren Details bekannt wurden. Aus Sicht des deutschen Kapitäns spricht nichts gegen den Einsatz von Frings. „Torsten ist schmerzfrei und wieder fit. Ich glaube, es ist kein Risiko, wenn er spielen würde“, sagte Michael Ballack. Nach voller Überzeugung klingt das nicht, aber auch nicht nach großem Zweifel am Zustand des Kollegen.

Drei große Turnierteilnahmen in sechs Jahren

Es dürfte mehr für den Einsatz von Frings gegen die Türken sprechen als dagegen - und das nicht nur aus hierarchischen Gründen. Das Trainerteam wird einkalkulieren, dass der Bremer über weit mehr Erfahrung in Drucksituationen verfügt als Hitzlsperger und Rolfes zusammen. In der Bilanz von Frings stehen drei große Turnierteilnahmen in den vergangenen sechs Jahren, dazu die Champions League mit Bayern München und Werder Bremen.

„Torsten hat einen hohen Stellenwert“, sagte Flick. Vielleicht war das ja schon der entscheidende Wink für heute Abend. Dann bliebe noch zu klären, ob Rolfes oder Hitzlsperger an seiner Seite stehen wird. Dem gebeutelten Frings ist das bestimmt egal - für ihn gilt: Hauptsache, er ist diesmal im Halbfinale dabei.

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