15.06.2008 · Mittelfeldspieler Torsten Frings glaubt weiterhin fest an den Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins Viertelfinale der Europameisterschaft. Gegen welche Österreicher er spielen muss, interessiert ihn dabei nicht.
Mittelfeldspieler Torsten Frings glaubt weiter an den Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins Viertelfinale der Europameisterschaft. Gegen welche Österreicher er nun spielt, interessiert ihn dabei nicht.
Wenn es gegen Österreich schief gehen sollte, ist Joachim Löw in einer unangenehmen Position. Sehen Sie sich als Spieler auch in der Pflicht gegenüber dem Bundestrainer?
Es geht nicht schief, damit beschäftige ich mich nicht. Das ist eine lächerliche Diskussion. Wenn man sich die Entwicklung der letzten zwei Jahre ansieht und nun nach nur einem schlechten Spiel anfängt, alles zur Diskussion zu stellen, was zuvor lange gut war, fehlt mir das Verständnis. Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass wir ins Viertelfinale einziehen.
Sie sind bei den letzten Spielen mehr durch viele Diskussionen mit den Mitspielern und dem Trainer als durch gelungene Aktionen aufgefallen. Warum lief es auch für Sie noch nicht optimal?
Auf dem Platz wird immer viel gesprochen, dass muss so sein und ist auch bei einer EM nichts Besonderes. Man spricht sich ab, versucht einander zu helfen, um besser zu machen, was besser zu machen ist. Ohne Kommunikation geht es nicht. Wenn wir als geschlossene Mannschaft auftreten, lassen wir hinten nichts zu, dann kann Michael Ballack mehr nach vorne machen, das wollen wir erreichen. Gegen Kroatien war es eine schlechte Mannschaftsleistung, da mussten wir viele unnötige Wege gehen, es gab große Lücken zwischen Abwehr und Mittelfeld. Aber das Spiel ist abgehakt, das kommt nicht mehr vor. Der Trainer hat mit vielen von uns gesprochen. Wir denken nur noch an Österreich, denken nur noch an unsere Stärken. Wir werden besser spielen als gegen Kroatien und gewinnen.
Die Kroaten hatten sich rasch sehr gut auf das Spiel der Deutschen eingestellt, zum Beispiel Ballack gut isoliert. Ist es ratsam, am bisherigen System festzuhalten?
Ich sehe keinen Grund irgendetwas zu ändern. Wir spielen seit Jahren so und haben sehr, sehr viele Spiele gewonnen. Jetzt eine Grundsatzdebatte zu beginnen, wäre völlig falsch.
Man könnte das System gegen die Österreicher aber mit anderen Personen besetzen, oder?
Das ist aber doch nicht meine Aufgabe, darauf eine Antwort zu geben. Ich kann doch schlecht die Aufstellung machen. Joachim Löw wird die richtige Mannschaft nominieren. Er wird eine Elf benennen, die heiß ist und unbedingt gewinnen will.
Die Stimmung im deutschen Lager scheint ein bisschen geknickt. Täuscht der Eindruck?
Der Teamgeist ist sehr gut. Anspannung muss sein. Wir freuen uns auf morgen. Es wird ein Superspiel, wir können den Gastgeber rausschmeißen, das gibt Selbstvertrauen. Es wird bestimmt nicht die letzte Drucksituation in diesem Turnier sein.
Können Sie die Situation mit der Lage vor vier Jahren vergleichen, als es im letzten Vorrundenspiel gegen Tschechien auch um alles ging, es aber nicht klappte?
Wir sind als Mannschaft jetzt viel stärker und hatten ein sehr gutes WM-Turnier, das uns einen mächtigen Schub gab. Deswegen lässt es überhaupt nicht vergleichen.
Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff sagte, die Mannschaft braucht Druck, um die bevorstehende Prüfung zu bestehen. Wie gehen Sie und das Team damit um?
Wir haben es uns selbst eingebrockt, dass wir nun ein Endspiel haben. Wir haben oft bewiesen, dass wir mit großen Erwartungen umgehen können. Für die Mannschaft ist es eine Herausforderung, wir wollen eine gute Partie zeigen und demonstrieren, dass bei uns alles stimmt. Von einem Sieg gegen Österreich können wir als Team für den weiteren Verlauf dieses Turniers profitieren.
Ihr Quartier am Lago Maggiore in der Schweiz ist sehr weit weg von Spielort in Wien. Ist die Entfernung ein Vorteil, dass man dadurch die ganze Aufregung in Österreich, wo viel vom bevorstehenden zweiten Cordoba die Rede ist, nicht mitbekommt?
Das ist mir egal. Wir lesen hier keine Zeitung und schotten uns gut ab.
Ist es ein Vorteil, dass Verteidiger Sebastian Prödl, Ihr künftiger Mannschaftskollege bei Werder Bremen, morgen bei den Österreichern gesperrt ist?
Mich interessiert nicht, wer bei denen spielt.
Hatten Sie in den vergangenen Tagen Kontakt zu Ihrem Vereinscoach, Thomas Schaaf?
Er hat mir vor der EM eine SMS geschickt und viel Glück gewünscht. Seitdem habe ich von ihm nichts mehr gehört. Ich glaube, er macht Urlaub in Australien und hat dort kein Netz.