17.06.2008 · Sein fulminantes Tor führte die deutsche Elf ins Viertelfinale - und erstmals hat Michael Ballack auch am Ball die Führungsqualitäten bewiesen, die er in den ersten deutschen Spielen vermissen ließ. Doch der Kapitän wird sich gegen Portugal steigern müssen.
Von Michael Ashelm, WienAuf diesen Michael Ballack hat Fußball-Deutschland gewartet. Der Kapitän, von dem soviel erwartet worden war im Vorfeld dieses Turniers, mit einem entspannten Lächeln - und vor allem als Matchwinner des spannungsgeladenen Zitterspiels (Siehe auch: Deutschland im EM-Viertelfinale: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit).
Die Befreiung war Ballack im Gesicht abzulesen, als er gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit (49. Minute) mit einem satten Freistoß die deutsche Führung gegen Österreich erzielte und seiner Mannschaft den Weg ebnete ins Viertelfinale der Europameisterschaft. Und das Schönste für ihn: Ballack wird am Donnerstag gegen Portugal dabei sein (20.45 Uhr im FAZ.NET-Liveticker), weil er es vermied, vom Schiedsrichter die zweite Gelbe Karte vor die Nase gehalten zu bekommen, was zu einer Sperre geführt hätte.
Einige sahen Ballack ohne Führungsqualitäten
Gleich mit Beginn dieser EM rechnete man fest mit einem starken, unwiderstehlich auftrumpfenden Kapitän. Ballack zeigte sich in bester Verfassung. Mit seiner Führungskraft und Robustheit hatte er in der abgelaufenen Saison immerhin den FC Chelsea bis ins Finale der Champions League gebracht. Der Weltstar des Fußballs in Hochform.
Die Erwartungen schossen in den deutschen Fußball-Himmel - Super-Ballack und seine Helfer könnten für den großen Erfolg sorgen und den Pokal abräumen. Für Ernüchterung sorgte jedoch erst einma der Einstieg ins Turnier - vor allem die Niederlage gegen Kroatien. Gleich stand auch der Kapitän in der Kritik. Schon sahen einige Ballack wieder als den Star mit körperlicher Präsenz, aber ohne die entscheidenden Führungsqualitäten auf dem Platz.
Der deutsche Kapitän als Spitzenläufer
Ballack hatte vor dem Turnier öfters angemerkt, wie wichtig der Gesamtzustand der Mannschaft sei. Der Kapitän ohne funktionierendes System, ohne Mitspieler auf einem hohen Wettkampfniveau, wie er es in der englischen Premier League gewöhnt ist, würde nicht viel ausrichten können in diesem Fußball-Sommer. „Alles muss passen“, so Ballack. Selbstkritisch gab der Mittelfeldstar dieser Tage zu, selbst noch nicht in EM-Bestform zu sein.
An der körperlichen Verfassung kann das nicht liegen. Ballack gehört zu den Spitzenläufern im Turnier, erreicht in neunzig Spielminuten eine Strecke von fast zwölf Kilometern, ein Topwert. Dieser Energieleistung kann gerade noch Torsten Frings folgen. Was die Vorherrschaft im Passspiel oder bei der Zahl der Ballkontakte im Mittelfeld angeht, sind andere Stars (Xavi, Deco) bei dieser EM bisher erfolgreicher unterwegs.
Gegen Österreich wirkte Ballack zunächst verhalten
Das liegt natürlich auch daran, dass Ballack stark defensiv eingebunden ist im deutschen Team. Gegen die Österreicher wirkte er zwar von Beginn an engagiert und äußerst beweglich. Wie gewohnt, landeten die Bälle aus der Abwehr meistens zuerst bei ihm, von wo aus sie von ihm weiterverteilt wurden. Zwingende Chancen entwickelten sich nicht daraus - der Aufbau stockte, litt unter Missverständnissen zwischen den Spielern.
Und dem Kapitän mit der Nummer 13 auf dem Rücken fehlte zuerst wieder die Dominanz des Vorkämpfers oder Antreibers. Er hatte ja etwas versprochen. „Jeder brennt. Der Druck, gewinnen zu müssen, kitzelt ein paar Prozent mehr heraus.“ Das Bild ergab einen anderen Eindruck. Wie bei seinen Kollegen wirkte das Spiel eher verhalten und sehr vorsichtig, nicht aggressiv.
Ballack der Retter von Löw
Als der Gegner nicht den erwarteten Dauerdruck in der ersten Halbzeit entfachte, löste sich Ballack aus der gewohnten Rolle mit Frings vor der eigenen Abwehrreihe. Er versuchte, sich mehr in die Offensive zu bringen und mitzugestalten bei der Entwicklung von Torchancen. So ist er es auch bei Chelsea gewöhnt. Dem Zitterspiel ein Ende setzte er dann mit seinem präzisen Schuss in den Torwinkel nach der Pause.
Wieder ein Freistoßtor - das war ihm schon im letzten Testspiel vor dieser Europameisterschaft gegen Serbien gelungen. Ein Pünktchen auch damit wieder für die schwache Bilanz der Deutschen in Sachen Standardsituationen. Der Kapitän persönlich bewahrte damit seine Mannschaft und vor allem die Mannschaftsführung vor unangenehmen Diskussionen, die bei einem möglichen Aus in Wien wohl zu unvorhersehbaren Verwerfungen geführt hätten. Ballack der Retter für Löw.
„Wir haben noch viel Luft nach oben“
Der Bundestrainer hatte den befreienden Treffer nach seinem überraschenden „Platzverweis“ in der ersten Halbzeit auf der Tribüne verfolgen müssen - ihm war es dann wohl egal, dass er nicht mehr auf der Bank Platz nehmen durfte. Ansonsten gilt ein Satz von Ballack aus diesen Tagen weiterhin: „Wir haben noch viel Luft nach oben.“
Das wird der diesmal als Torschütze erfolgreiche Kapitän auch für sich gelten lassen. Und ohne weitere gelbe Karte ist er in der Lage, sich weiter in Szene zu setzen. Seine bestehende Karte würde nach einem gewinnreichen Viertelfinale gelöscht werden.
Hehhhh!!!!
Jürgen Vogel (pascht)
- 17.06.2008, 14:48 Uhr
Bekommen die Journalisten spezielle Aufträge für solche Haus- und Hofartikel?
Erwin Steinhauer (hauer2)
- 17.06.2008, 14:57 Uhr
Phänomen "Ballack"
Anne Saur (joakina)
- 17.06.2008, 15:03 Uhr
Ballack & Co.
Terrence Troesch (twt89)
- 17.06.2008, 16:21 Uhr
Der deutsche Kapitän als Retter von Löw
Hans Werner Langels (Langels)
- 17.06.2008, 18:06 Uhr