19.06.2008 · Bei der EM erhält man alle möglichen statistischen Angaben: Ballbesitz, Laufstrecke der Spieler und andere bemerkenswerte Dinge. Doch wie wird so etwas ermittelt? Leser fragen, FAZ.NET antwortet.
Von Marc Heinrich, AsconaFAZ.NET-Leser Guido Lützeler wollte wissen: Bei der EM erhält man alle möglichen statistischen Angaben: Ballbesitz, Laufstrecke der Spieler und andere bemerkenswerte Dinge. Wie wird so etwas ermittelt? Unser Euro-Redakteur hat die Antwort parat.
Noch ein Erfolg trennt die deutsche Fußball-Nationalelf vom Halbfinale bei dieser Fußball-Europameisterschaft. Das 1:0 am Montag gegen Österreich war zumindest in kämpferischer Hinsicht ein wenig besser als der vorangegangene Auftritt gegen Kroatien.
Das Bauchgefühl allein reicht längst nicht mehr aus
An diesem Donnerstag (20.45 Uhr in der ARD sowie im FAZ.NET-Liveticker) wird ein Sieg gegen Portugal nur gelingen, wenn der auf die Tribüne verbannte Bundestrainer Joachim Löw und sein Assistent Spieltaktik und einzelne Spieler auf den raffinierten, schnellen und torgefährlichen EM-Zweiten von 2004 perfekt vorbereiten (Siehe: Jens Lehmann im Gespräch: „Ich kenne ein Rezept gegen Ronaldo“).
Das Führungsduo der Nationalelf vertraut dabei nicht seinem Bauchgefühl, nicht nur den Analyen des DFB-Chefscouts Urs Siegenthaler oder gar handschriftlichen Aufzeichnungen auf einem Notizblock.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bedient sich nicht erst seit dieser EM der Unterstützung einer IT-Firma aus Düsseldorf, die alle Details und mögliche spielerische Geheimnisse, die ein Konkurrent vor den Deutschen verbergen wollte, enthüllt.
Was kostet die Spielaufbereitung?
Ein Programm, genannt Amisco, sammelt bei jedem EM-Spiel bis zu 3000 Daten über Spielgeschwindigkeit, Laufwege, Pässe und Ballkontakte. Acht Sensoren werden dafür in den Stadien unter dem Tribünendach installiert. Sie messen fünfundzwanzigmal pro Sekunde jede Bewegung der Akteure auf dem Rasen. Dabei werden unter anderem Erkenntnisse gewonnen über die Geschwindigkeit der Spieler, die Anzahl der Ballkontakte, die Verweildauer des Balles bei jedem Spieler, die genauen Abstände der einzelnen Spieler in der Viererkette oder die Bewegungsabläufe der Mittelfeldspieler.
Diese Informationen, hinterher ausgearbeitet in Papierform und auf dem Computer abrufbar, sollen dem deutschen Trainerstab auch vor dem Match gegen die Portugiesen helfen, eine gewinnbringende Taktik zu ertüfteln.
Auch mehrere deutsche Fernsehsender, die die EM-Spiele für die Fans in die Heimat übertragen, nutzen die Dienste des rheinländischen Spezialanbieters beziehungsweise die einer seiner Handvoll Konkurrenten auf dem europäischen Markt.
Was die EM-Spielaufbereitung kostet? Darüber hüllt sich der DFB in Schweigen. Von deutschen Bundesligavereinen, die auf solche Anbieter ebenfalls zurückgreifen, ist bekannt, dass sie sich den Spaß pro Saison rund 60.000 Euro kosten lassen.