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Sonntag, 19. Februar 2012
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Leser fragen, FAZ.NET antwortet Warum sehen Podolskis Schuhe so anders aus?

16.06.2008 ·  Lukas Podolski fiel bisher nicht nur durch seine drei EM-Tore auf, sondern auch durch seine speziellen Schuhe. Was hat es damit auf sich? Welche Rolle spielten die Treter in der Vergangenheit? Leser fragen, FAZ.NET antwortet.

Von Marc Heinrich, Ascona
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FAZ.NET-Leser Johannes Maier wollte wissen: Warum sehen die Fußballschuhe von Podolski anders aus als die seiner Mitspieler in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft? Unser Redakteur vor Ort hat sich schlau gemacht.

Lukas Podolski ist einer der Stars der deutschen Elf. Und als solcher, der bei der Jugend hierzulande ausgesprochen beliebt ist, ein höchst gefragter Werbepartner. Adidas, der Ausrüster des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat den Bayern-Stürmer für diese Europameisterschaft aus dem Team von Joachim Löw auserkoren und ihm als beim Fan-Volk besonders populären Topspieler seinen teuersten und vermeintlich besten Schuh in einer Extra-Ausführung zur Verfügung gestellt.

Es handelt sich um das Modell „+F50 Tunit“, mit denen er gegen Polen und Kroatien immerhin drei Tore erzielte. Ob seine Treffsicherheit ausschließlich an den exquisiten Tretern lag? Die PR-Abteilung des Weltunternehmens aus Herzogenaurach hätte bestimmt nichts dagegen, würde sich diese Botschaft an Millionen deutscher Hobbykicker zuhause vor den Fernsehschirmen vermitteln lassen. Dann würde sich der Deal wohl auch an den Kassen der Sportgeschäfte nach der EM entscheidend bemerkbar machen.

EM-Schuhe aus den modernsten Kunststoffen

Auf Podolskis rechtem Schuh ist die deutsche Fahne zu sehen, zudem hat der Familienmensch den Namen seines vor kurzem geborenen Sohnes Louis aufbringen lassen; auf dem linken Schuh prangt außerdem ein kleiner Bundesadler. Diese ganz persönliche Ausführung gibt (noch) nirgends zu kaufen. Längst vorbei sind auf jeden Fall die seligen Zeiten, als Fußballschuhe schlicht „Beckenbauer“ hießen, aus schwarzem Leder bestanden, mit weißen Streifen oder Pumas beklebt wurden und auf der Unterseite einige Stollen angeschraubt bekamen.

Für die Spieler bei dieser EM werden die Schuhe aus modernsten Kunststoffen gegossen (das macht sie leicht und wasserdicht), sie haben keine Nähte mehr (das soll das Verspringen der Bälle verhindern), sie tragen futuristische Namen - und kosten gut und gerne 200 Euro pro Paar. Erstmals bei einem Großereignis dieser Art existiert in der deutschen Mannschaft das Recht auf freie Schuhwahl. Mehr als eine Handvoll Spieler läuft unter anderen in Produkten des Adidas-Konkurrenten Nike auf.

Das „Wunder von Bern“ und die Schraubstollen

Die beiden Marken lieferten sich in der Vergangenheit einen sogenannten „Schuh-Krieg“ um die Ausrüstung des dreimaligen Weltmeisters, bei dem Nike auf die Unterstützung ihres ehemaligen Repräsentanten, dem Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, zählte, im Herbst 2007 den Kürzeren zog. Die Amerikaner hätten ihren Widersacher auf dessen Heimatmarkt nur zu gerne ausgestochen. Doch der DFB setzte sehr zum Ärger der Deutschen Fußball-Liga auf Kontinuität und verzichtete auf angeblich 250 Millionen Euro. Adidas zahlt demnach seit diesem Frühjahr für die Ausrüstung der Nationalelf 20 Millionen Euro und ab 2011 25 Millionen per annum.

Darüber hinaus wird der DFB-Partner den Bau von Bolzplätzen finanziell unterstützen. Nike soll für einen neuen Achtjahres-Vertrag ab 2011 62,5 Millionen Euro pro Jahr geboten haben - ebenfalls garniert mit der Zusage, den Nachwuchs durch den Bau von Bolzplätzen zu unterstützen. Adidas und der DFB pflegen seit Jahrzehnten eine besondere Geschäftsbeziehung: Die Erfindung des Schraubstollens von Firmengründer Adi Dassler soll Deutschland im WM-Finale 1954 zu jener Standfestigkeit auf dem nassen Rasen im Wankdorf-Stadion verholfen haben, die Deutschland letztendlich beim „Wunder von Bern“ zum Triumph über die Ungarn führte. Erst in den sechziger Jahren begann Adidas, auch Sportbekleidung herzustellen.

Erst seit 2006 gibt es auch beim DFB freie Wahl

Die zerstrittenen Brüder Adi Dassler (Adidas) und Rudolf Dassler (Puma) fochten damals ihre Familienfehde mit allen Mitteln aus und erfanden ganz nebenbei das Sponsoring. Bei der WM 1974 in Deutschland gelang Adidas ein geschickter Schachzug - der Name Adidas war auf den Trikots zwar nicht zu sehen, doch mit der Applikation der drei Streifen auf den Leibchen wurde erstmals, sichtbar für das weltweite Publikum, auch Adidas als Marke Weltmeister.

Nachdem alle Fußball-Verbände von Rang und Namen seit den neunziger Jahren die Schuhwahl der Spieler freigaben, fiel in der Nationalmannschaft erst im Herbst 2006 der Zwang, dass jeder deutsche Spieler nur mit Adidas-Schuhen auflaufen darf - nach heftigstem Intervenieren der Profis. Die WM-Helden erklärten Bierhoff in Anwesenheit von Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder in aller Deutlichkeit, dass sie in der seit Wochen ausverkauften Schalker Arena im Testspiel gegen Schweden nur auflaufen würden, wenn sie in den Schuhen ihrer persönlichen Ausrüster spielen dürften.

Johann Cruyff und der Trick mit der Schere

Selbst eine Abreise von WM-Torschützenkönig Miroslav Klose sowie Torwart Jens Lehmann, die persönlich Nike als Vertragspartner hatten, schien seinerzeit nicht ausgeschlossen. Fußballprofis sind nicht zuletzt eben auch ganz gewiefte Vertreter ihrer eigenen (finanziellen) Interessen.

Johann Cruyff löste schon 1974 ein ähnliches „Problem“ auf die ihm eigene Art: das niederländische Mittelfeldgenie nahm eine Schere zur Hand, trennte die Nähte auf und entfernte an Hose und Leibchen den dritten Streifen - so lautet die Legende, wie er vor dem WM-Endspiel gegen die Deutschen sein berühmtes Trikot mit der Nummer 14 von der Adidas-Identität befreit haben soll. Hintergrund: der Kapitän der Niederländer besaß einen individuellen Werbevertrag mit Puma, der niederländische Verband aber ließ sich von Adidas ausrüsten. Adidas soll bei den Niederländern heftig protestiert haben, doch der kapriziöse Cruyff blieb unbeeindruckt.

Haben Sie auch eine Frage zur Europameisterschaft? Fragen Sie unseren Redakteur bei der Nationalmannschaft! Machen Sie mit: Leser fragen, FAZ.NET antwortet

Quelle: FAZ.NET
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