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Leser fragen, FAZ.NET antwortet „Fans müssen leider draußen bleiben - warum?“

09.06.2008 ·  FAZ.NET-Leser Giovanni Freimann wollte wissen: „Warum zeigt sich der DFB nicht so volksnah wie bei der WM?“ 14 der 16 EM-Teilnehmer geben öffentliche Trainings-Auftritte, Deutschland nicht. Unser Redakteur hat nachgefragt.

Von Marc Heinrich, Ascona
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FAZ.NET-Leser Giovanni Freimann wollte wissen: „Warum zeigt sich der DFB nicht so volksnah wie bei der WM?“ Unser Redakteur hat nachgefragt.

Wir müssen draußen bleiben! Zwar hängen vor dem Schweizer Trainingszentrum der deutschen Fußball-Nationalmannschaft während der Euro keine großen Verbotsschilder, wie sie hierzulande jeder Metzger mit dem Konterfei eines Vierbeines in seine Eingangstür hängt, aber die privaten Sicherheitskräfte achten mit wachem Auge und strengem Blick peinlichst darauf, dass kein Anhänger weiter als vor die Absperrung kommt, die das „Centro Sportivo“ am Ufer des Lago Maggiore mannshoch umgeben.

„Wir wollen unsere Fans im Turnier überzeugen und nicht auf dem Trainingsplatz“, begründet Bundestrainer Joachim Löw, warum seine Mannschaft anders als bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren und entgegen der Empfehlung der Europäischen Fußball-Union Uefa komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Neben dem DFB-Team scheut während des Turniers nur noch Vorrundengegner Polen den Kontakt zu den Anhängern, während alle übrigen 14 Teilnehmer öffentliche Auftritte schon hinter sich haben - beziehungsweise welche planen.

„Vor so vielen Leuten keine konzentrierte Arbeit möglich“

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, der 2003 den mittlerweile weit über 50.000 Mann starken „Fan-Club deutsche Nationalmannschaft“ mit aus der Taufe hob, erklärt die Abschottung der deutschen Profis in erster Linie mit der kurzen Vorbereitungszeit und logistischen Problemen, die öffentliche Sportstunden mit sich bringen würden: „Bei uns kämen nicht nur ein paar Hundert Fans, sondern viele Tausende. Da müssten wir einen hohen Sicherheitsaufwand betreiben, zudem wäre vor so vielen Leuten eine konzentrierte Arbeit nicht möglich“, sagt er.

Dies sehen die Spanier ein klein wenig anders. Bei ihnen kann die Anhängerschaft regelmäßig auf dem Sportplatz Kampl in österreichischen Neustift hautnah dabei sein. „Unsere Fans lieben uns und wir wollen ihnen etwas zurückgeben“, sagt Nationaltrainer Luis Aragones, den die Zuschauer offensichtlich nicht stören. Auch Otto Rehhagel will in Seekirchen in Österreich dreimal die Tore für die griechischen Fans öffnen, von denen dann jeweils 1400 das Vergnügen haben sollen, ihre Lieblinge bei der Alltagsarbeit zu beobachten.

Kroaten, Österreicher, Tschechen geben sich volksnah

Die kommenden deutschen Gruppengegner Kroatien (Donnerstag, 18 Uhr) und Österreich (Montag, 20.45 Uhr) suchten in der vergangenen Woche bereits den Kontakt zu ihren Sympathisanten. Gastgeber Österreich absolvierte zwei kleinere Einheiten und eine größere vor Publikum, zweimal wurden 600 Fans, am 3. Juni sogar 2200 Zuschauer zugelassen; der Großteil der Tickets wurde über die Gemeindeverwaltung Stegersbach im Burgenland verteilt, wo das Team residiert. Bei den Kroaten kamen 500 Fans in den Genuss, die Elf von Slaven Bilic live zu erleben. Die Eintrittskarten wurden verlost. Bei den Tschechen galt das gleiche Prinzip: Wer zuerst kam, mahlte zuerst.

Das portugiesische Team ließ sich dagegen den Besuch bei zwei Trainingsstunden bezahlen: Die Karten wurden in Einkaufzentren in Neuenburg an den Mann und die Frau gebracht. Auch von dieser Überlegung nahm der DFB Abstand, nachdem der Verband im Mai 2006 bei einer öffentlichen Einheit in der Düsseldorfer Arena mit 42.000 Besuchern noch einen Rekord aufgestellt hatte. „Ich freue mich vor allem, dass so viele Kinder hier sind. Für sie ist es wegen der späten Anstoßzeiten ja schwer, die Nationalmannschaft zu sehen“, sagte Bierhoff damals.

Lediglich vereinzelte deutsche Fans

Der Teammanager galt als der erklärte Befürworter des EM-Quartiers im Tessin, kurz vor der italienischen Grenze und fast tausend Kilometer vom Endspielort Wien entfernt - der ganz große Turniertrubel ist hier weit, weit weg. Die Rechnung ging auf. In den vergangenen Tagen wurden in der Urlaubsregion in der Bergen lediglich vereinzelt deutsche Fans gesichtet, die aufgrund ihres Outfits aus der Masse der Touristen auf den ersten Blick herausragten.

Die Abgeschiedenheit erlaubt nahezu grenzenlose Ruhe, wie Bierhoff am Montag noch einmal zufrieden feststellte (Siehe: Oliver Bierhoff: „Es gibt mehr Hunger auf Erfolg als 1996“). Auch wer sich dem Mannschaftshotel Hotel „Il Giardino“ in Ascona nähert, wird schon hunderte Meter zuvor erkennen, dass hier keine gewöhnlichen Gäste logieren: Polizisten patrouillieren an den Zufahrtsstraßen, spezielle Zugangsausweis sind für die Einfahrt mit dem Auto notwendig. Die Anlage liegt auf einer kleinen Halbinsel am Seeufer. Das Areal ist von zwei Seiten vom Wasser begrenzt, den Landweg sperrt ein Großaufgebot an Ordnern ab.

Bei Kontakten mit der Außenwelt bitte recht freundlich

Doch wenn die Spieler die Trutzburg verlassen, wie zum Beispiel am Montagnachmittag, als sie von Löw als Anerkennung für die gute Leistung beim 2:0 gegen Polen ein paar Stunden frei bekamen, gehen sie den (wenigen) Fans keinesfalls aus dem Weg. Bierhoff hielt die Akteure dazu an, sich bei Kontakten mit der Außenwelt von der freundlichen Seite zu zeigen und Fotowünschen sowie Autogrammbitten - wenn möglich - nachzukommen.

David Odonkor hatte damit keine Schwierigkeiten. Er wurde um kurz nach 15 Uhr beim Shopping in einem Einkaufszentrum gesichtet. Ob die gekauften CDs als Geschenk für Miroslav Klose gedacht waren, der am Montag seinen dreißigsten Geburtstag feierte, wurde er gefragt. Verraten wollte er es nicht. Stattdessen lächelte er nur sein spitzbübisches Lächeln. Das gefiel den Anhängern auch gut.

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Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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