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FAZ.NET-Übersteiger Der Vorteil des platten Landes

19.06.2008 ·  Vor der EM hat eine Zeitung eine Studie ausgegraben. Es geht darin um die Frage, welche Art von Ländern Erfolg im Fußball haben - wie warm, wie reich, wie fromm und so weiter. Demnach muss Deutschland mit dem Schlimmsten rechnen

Von Christian Eichler, Basel
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Vor der Fußball-EM hat die Wiener Zeitung „Die Presse“ eine wissenschaftliche Studie ausgegraben. Es geht darin um die Frage, welche Art von Ländern Erfolge im Fußball haben - wie warm, wie reich, wie fromm und so weiter. Daraus destillierte die Zeitung die hübsche Idee eines perfekten Fußball-Landes. Sie nannte es „El Torado“. Die kurze Zusammenfassung: „El Torado“ wird demokratisch regiert, ist katholisch, hat eine romanische Sprache, mildes Klima und bescheidenen Wohlstand.

Selbst wenn wir Mallorca als 17. Bundesland betrachten, spricht das nun leider alles nicht für Deutschland im Vergleich mit Portugal. Da können sich unser Wetter und Wohlstand noch so anstrengen, immer milder und bescheidener zu werden. Die Durchschnittstemperatur, über das Jahr gemessen, beträgt in El Torado 14 Grad.

Eines hat die EM bewiesen: Fußballnationen dürfen keine Bergvölker sein

Das ist etwa der Wert von Portugal. Deutschland dagegen braucht für ein besseres Team noch viel Klimaerwärmung. Als idealen Wert für das Bruttoinlandsprodukt kam die Studie 2002 auf 21.836 Dollar pro Einwohner. Das ist ziemlich genau der von, genau: schon wieder Portugal - während Deutschland fast das Doppelte erreicht.

Allerdings hat die verdiente Studie einen ganz entscheidenden Aspekt vergessen, der spätestens bei dieser EM deutlich wird: die Geographie. Fußballnationen dürfen, wie wir nun wissen, keinesfalls Bergvölker sein. Wer spielt den besten Fußball der EM? Holland, höchste Erhebung 321 Meter. Wer war als Erster draußen? Die Schweiz, 4634. Dann die Griechen, 2917. Dann die Österreicher, 3798. Nun Frankreich, 4810.

Deutschlands Berge - pitoyabel

Gebirgsländer können Gegner nur zum Japsen bringen, wenn sie in viertausend Metern Höhe spielen wie Ecuador - eine Chance, die die Schweizer, die das geographisch könnten, leider verschlafen haben. Und deshalb mussten wir uns auf der Suche nach El Torado leider verabschieden von unseren Gastgebern und ihrem reizvollen Fußballdeutsch, das solch wunderbare Wörter wie den „Schuttschuh“ (Fußballstiefel) bereithält; und solch funkelnde Formulierungen, wie sie die „Neue Zürcher Zeitung“ für die schwierige Kunst, Portugiesen zu schlagen, nach dem Europacup-Sieg des PSV Eindhoven 1988 fand: „Im Penaltyschießen gewannen die Niederländer gegen Benfica Lissabon einen niveaumässig pitoyablen Final.“

Niveau mäßig, das gilt bisher auch für unser Team, und besonders pitoyabel ist, dass nicht mal die Berge für Deutschland sprechen. Als Joachim Löw auf der Zugspitze den EM-Kader vorstellte, tat er das in 2962 Metern Höhe. Das sind 611 Meter mehr, als Portugal zu bieten hat. Wir fürchten einen Absturz.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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