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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Die EM des Miroslav Klose Der hauchende Stürmer

23.06.2008 ·  Miroslav Klose ist kein lauter Typ. Seine Stimmung lässt sich kaum an seiner Miene ablesen - eher schon am Inhalt seiner leise gesprochenen Sätze. Der war zuletzt durchaus witzig. Es scheint, als sei Klose endlich - zum ersten Mal in diesem Jahr - in bester Verfassung.

Von Marc Heinrich, Ascona
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Die Zuversicht ist wieder zurückgekehrt. Sagt Miroslav Klose. Ganz leise, eher dahingehaucht als unmissverständlich formuliert. Und schaut dabei doch irgendwie traurig drein. Doch das soll nichts heißen - an der Miene des Bayern-Profis hat die deutsche Fußball-Nation noch nie ablesen können, wie es um seinen Gemütszustand tatsächlich bestellt ist.

Klose sieht irgendwie immer ein wenig mitgenommen aus, ganz gleich, ob die Sonne für ihn persönlich scheint oder nicht. Vor dem Halbfinale gegen die Türkei an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, live im ZDF und im FAZ.NET-Euro-Live-Ticker) und seinem ersten EM-Tor ist die Lage zumindest wieder eher heiter als wolkig. Das war in den Wochen zuvor ein wenig anders.

Keine Lust auf das Ballyhoo

Klose hat auch nach Jahren auf der großen Sportbühne noch immer keinen Gefallen gefunden am Ballyhoo und der Gesellschaft der vor ihm sitzenden Meute mit ihren Kameras und Mikrofonen in den Händen. Er ist kein Lautsprecher, kein Mann für die großen Worte, der das grelle Scheinwerferlicht sucht, um sich beim Frage-Antwort-Spiel mit den Medien in den Mittelpunkt zu stellen - und möglicherweise auf Kosten des ein oder anderen Kollegen zu produzieren.

So nahm er auch auf der Empore im DFB-Trainingsquartier in Tenero eher widerstrebend Platz und blickte immer wieder bittend Pressesprecher Harald Stenger an, der neben ihm die Wissbegierde der Dutzenden Journalisten, die das deutsche Team bei dieser Europameisterschaft begleiten, in gewohnter Manier in geordnete Bahnen lenkte.

Klose wirkte bei der Suche nach Antworten unbestimmt, seine ersten Botschaften Sätze hörten sich reichlich stereotyp an: „Ich gebe immer mein Bestes“ oder „Wir sind gewappnet“ oder „Deutschland ist halt eine Turniermannschaft“. Und dann rutschte ihm doch eine Pointe raus, die den Saal mit einem Mal mächtig erheiterte: Klose berichtete vom Stand seiner Torwette mit seinem Münchner Sturm-Kollegen Luca Toni, bei der er zu diesem Zeitpunkt 1:0 in Führung lag.

Toni wird die Familie Klose zum Essen einladen müssen

Er habe mit Toni „kurz getextet“, schilderte Klose. Der Italiener schrieb daraufhin zurück, dass er im Moment Probleme mit seinem besten Freund habe. Klose fragte besorgt, ob er irgendwie helfen könne. Die Antwort von Toni per SMS lautete nur: „Mein bester Freund ist der Ball, und der macht nicht das, was ich im Moment will.“ Gelächter allenthalben - und Klose strahlte dann doch für einen Augenblick.

Für den Italiener Toni ist die EM seit Sonntagabend und der Niederlage im Elfmeterschießen vorbei; er wird seinen Kumpel mitsamt Familie nun in München zum Essen einladen müssen. Für Klose soll das Turnier übermorgen erst richtig losgehen. Der deutsche Angreifer mit polnischen Wurzeln konnte gewiss gut nachvollziehen, was im Kopf seine Klubkollegen in der Nacht zum Montag nach der Blamage des Weltmeisters vorging.

Streicheleinheiten von allen Seiten

Klose erlebte in seiner Karriere auch extreme Höhen und Tiefen. Bei der Europameisterschaft waren die ersten 14 Tage eher durchwachsen, wie schon zuvor die Saison beim FC Bayern. Kaum ein Spieler im Tross des Deutschen Fußball-Bundes wurde zuletzt so häufig verbal gestreichelt von den Verantwortlichen - und auch von seinen Mitspielern - wie Klose.

Bundestrainer Joachim Löw lobte den Angreifer, weil er so „intensiv und hervorragend trainiert“ habe. Für Team-Manager Oliver Bierhoff ist er einer der „Führungsfiguren“ im Team, einer, der anerkannt wird von der Mannschaft. Auch Philipp Lahm und Lukas Podolski sagten ständig nur Gutes über Klose. Mit mehr Rückenwind ist wohl selten ein Stürmer auf den Platz geschickt worden.

Löws Taktikkorrektur tat Klose gut

Und beim vierten Auftritt zeigte die Seelenmassage endlich Wirkung: gegen die Portugiesen gelang ihm das erste Tor. Der Stürmer hofft jetzt, dass ihm das Erfolgserlebnis Auftrieb gibt. Der Treffer mache ihn für die restlichen Tage in der Schweiz und Österreich „sehr optimistisch“, er fühle sich „sehr gut“. Es war sein 40. Tor im 79. Länderspiel - eine Weltklasse-Quote.

Mutmaßungen, Klose könne ähnlich Schiffbruch erleiden wie bei der blamablen Euro 2004, als der Goalgetter ohne Treffer blieb - diese düsteren Gedanken sind seit Donnerstag voriger Woche weg. Die Taktikkorrektur von Löw auf vier Verteidiger, zwei defensive sowie drei offensive Mittelfeldspieler und nur einen echten Angreifer tat auch Klose gut.

In der Vorrunde zaghaft wie beim FC Bayern

„Wenn man mit 4-5-1-System spielt, muss man sich als Stürmer grundsätzlich nicht so weit zurückfallen lassen, sondern muss die zwei Verteidiger binden. Das war meine Hauptaufgabe“, berichtete Klose von den praktischen Unterschieden im Match gegen die Portugiesen. Als alleinige Spitze sollte er die gegnerischen Abwehrkräfte „von einer auf die andere Seite scheuchen“ und „so viele Bälle wie möglich vorne halten“. Das gelang ihm ordentlich.

In der Vorrunde hatte der WM-Torschützenkönig von 2006 noch ganz viel Luft nach oben. Klose agierte zaghaft und ohne Selbstvertrauen. Seine Auftritte erinnerten fatal an die Rückrunde beim FC Bayern, als er (auch) bedingt durch diverse Verletzungen nie zu seiner Form fand und nur eines von insgesamt zehn Bundesliga-Tore schoss.

Auf Konfrontationskurs mit Gomez

Für Klose steht unabhängig von seiner gegenwärtigen Verfassung aber außer Frage, dass er sowohl in der Nationalmannschaft, als auch beim Rekordmeister als Führungsspieler gefragt ist. In der Öffentlichkeit halte er sich bewusst mit populistischen Aussagen zurück, „aber in der Kabine kann ich laut werden. Da sage ich ganz deutlich meine Meinung.“

Man mag es, wenn man ihm in diesen Tagen im EM-Quartier am Lago Maggiore begegnet kaum glauben - aber es scheint zu stimmen. Besonders den Egoismus seines anfänglichen Sturmpartners Mario Gomez prangerte er bei einer teaminternen Aussprache nach der Pleite gegen Kroatien wohl heftig an. Der Stuttgarter wurde zuletzt vom FC Bayern umworben, was nicht nur Klose, sondern auch Podolski kaum nachvollziehen können.

Lächeln und schnell verschwinden - so ist Klose

Im Hintergrund tobte offenbar eine mächtige Auseinandersetzung der Spielerberater. Warum, so hieß es, sollte ausgerechnet Klose einen Stürmer neben ihm stark machen, der ihm bald beim FC Bayern den Platz an der Seite Luca Toni streitig machen könnte? Schließlich zeigte Klose zu Beginn der EM, dass er ein guter Vorbereiter sein kann.

Nun scheinen die persönlichen Animositäten scheinen bis auf weiteres ausgeräumt. „Wir haben gegen Portugal als Team wieder gut funktioniert“, sagte Klose nur. Sein frisches Selbstvertrauen bekam am Wochenende, als die Mannschaft Besuch von den Familien bekam und viel Freizeit genoss, als erster sein Hamburger Kollege Piotr Trochowski zu spüren - auf dem Tennisplatz. „Wer da gewonnen hat, können Sie sich selbst ausmalen“, vermeldete er den Journalisten. Trochowski habe nur „an Erfahrung“ geweonnen, erzählte Klose, lächelte kurz und verschwand mit flotten Schritten schnell wieder von der Bühne.

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