01.06.2008 · Am Dienstag bezieht die deutsche Nationalmannschaft ihr Quartier für die Fußball-Europameisterschaft. Hoteldirektor Philippe Frutiger wartet schon ungeduldig auf die deutschen Gäste.
Am Dienstag bezieht die deutsche Nationalmannschaft ihr Quartier für die Fußball-Europameisterschaft. Mit dem „Giardino“ in Ascona haben die deutschen Elitekicker nach Worten von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff „das Paradies gefunden“. Hoteldirektor Philippe Frutiger, General Manager des „Giardino“, wartet schon ungeduldig auf die deutschen Gäste.
Ihr Haus beherbergt in ein paar Tagen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft während der Europameisterschaft. Haben Sie schon ein Glas Champagner mit Ihren Mitarbeitern auf diesen Coup getrunken?
Noch nicht. Da werden wir wohl auch so schnell nicht dazu kommen. Wie es ausschaut, wird es ein heißer und aufregender Sommer: wenn die Europameisterschaft vorbei ist, beginnt gleich die Hochsaison. Wir werden uns im August bei einer Grillparty zusammensetzen und dann hoffentlich allen Grund dazu haben, zusammen anzustoßen.
Dass Michael Ballack und Kollegen bei Ihnen logieren, muss doch für Sie und Ihr Haus so etwas wie ein Sechser im Lotto sein, oder?
Es ist sicher auch für uns keine normale Buchung. Unsere übliche Auslastungsquote liegt bei ungefähr 85 Prozent. Aus Marketinggründen bräuchten wir die Werbung, die mit Aufenthalt des DFB-Teams verbunden ist, so gesehen also eigentlich gar nicht. Dass wir von einer der besten Fußball-Nationalmannschaften ausgesucht wurden, sie beherbergen zu dürfen, ist natürlich aber auch für uns etwas Außergewöhnliches und Einmaliges. Ich hoffe, wir können Ballack und seine Mitspieler während des Turniers bestmöglich begleiten.
Haben Sie Ihre Belegschaft auf den Umgang mit den Fußballprofis vorbereitet?
Es ist nicht so, dass normalerweise bei uns keine prominenten Gäste absteigen würden. Ganz im Gegenteil. Wir sind an eine anspruchsvolle Klientel gewöhnt. Aber die deutschen Fußball-Stars sind schon etwas Besonderes. Sie kommen zu uns mit dem Druck auf den Schultern, dass achtzig Millionen Deutsche von ihnen den Europameisterschafts-Titel erwarten. Dem werden wir Rechnung tragen.
Wurden Ihre Mitarbeiter eigens noch einmal geschult?
Ein freundlicher Umgang mit unseren Besuchern zeichnet uns seit jeher aus. Das wird mit den Gästen vom DFB nicht anders sein. Aber wir haben uns darauf verständigt, dass sie bei uns soviel Ruhe wie möglich finden und von dem Turnierstress perfekt abschalten können. Unsere Mitarbeiter werden sehr zurückhaltend sein und sich eher vom den Spielern Ansprechen lassen, statt selber aktiv zu werden.
Was gab eigentlich den Ausschlag zugunsten Ihres Hauses?
Ich will nicht überheblich klingen, aber das „Giardino“ ist schon ein einzigartiges Hotel. Es wurde übrigens zum „Besten Hotel der vergangenen zehn Jahre in der Schweiz“ gewählt. Unsere hervorragende Lage in der Nähe des Lago Maggiore, der phantastische Garten, das gute Klima, der außergewöhnliche Spa-Bereich, der dazugehörige Golfplatz, der zu den schönsten in Europa zählt - das waren sicher alles Gründe, die für uns sprachen. Außerdem sind es nur zwei Kilometer zu einem großen, professionellen Fußball-Trainingszentrum - der DFB findet bei uns exzellente Bedingungen vor.
Vor zwei Jahren bei der WM wurde die deutsche Unterkunft in Berlin auf Geheiß von Jürgen Klinsmann teilweise sogar umgebaut. Mussten Sie ähnliche Vorleistungen erbringen?
Erstaunlicherweise nur ganz, ganz wenige. Einige Zimmer wurden zu Lounges und Büros umfunktioniert, wir haben mehrere Play-Station-Geräte und Tischtennisplatten besorgt, aber das ist eigentlich nicht der Rede wert. Einer unserer Pluspunkte ist die Tatsache, dass das Hotel den Gästen ohnehin viel Privacy garantiert, man ist bei uns sehr gut abgeschirmt. Dem Trubel um die Euro kann der DFB bei uns sehr gut entfliehen.
Das heißt, die Fans haben keine Gelegenheit, sich dem Hotel und den Spieler zu nähern?
Es wird in einiger Entfernung einen Checkpoint geben, damit alles in vernünftigem Rahmen abläuft. Dort darf dann nur durch, wer eine Erlaubnis hat. Das wird aber sehr zurückhaltend und diskret passieren, wir wollen uns nicht radikal abschirmen. Es ist aber nun einmal so, dass die deutsche Mannschaft die Abgeschiedenheit bei uns sucht - und das garantieren wir. Aber es wird möglicherweise auch öffentliche Trainingseinheiten geben, dann kämen auch die Anhänger, die ganz dicht ran wollen, auf ihre Kosten. Nach Ascona sollen die deutschen Fans aber ruhig sowieso kommen: auf der Piazza wird eine der schönsten Public-Viewing-Bühnen aufgebaut.
Kam Manager Oliver Bierhoff zum Probeschlafen bei Ihnen vorbei?
(lacht) Dazu sage ich nichts.
Es heißt, er sei seit seiner Zeit als Profi in Italien Stammgast bei Ihnen und habe den Deal eingefädelt.
Es gab ein entscheidendes Gespräch. Weitere Kommentare dazu werden Sie von mir nicht hören.
Mussten Sie eigentlich die Minibars ausräumen lassen?
Stimmt! Darüber haben wir mit dem DFB noch gar nicht gesprochen. Aber ich denke, dass die deutschen Fußballspieler erwachsene Menschen sind, die wissen, bei was sie zugreifen dürfen und was sie besser stehen lassen. Außerdem gibt es in unseren Minibars praktisch keinen Alkohol. Wir wollen keine minderwertigen Getränke aus kleinen Flaschen anbieten. Wer sich etwas gönnen möchte, der ist bei unserem Rund-um-die-Uhr-Zimmerservice viel besser aufgehoben: dann stimmen auch das Ambiente, die Getränketemperatur und das jeweilige Glas perfekt.
Angesichts Ihrer prominenten Gäste tippen Sie sicher auf den EM-Sieg der Deutschen, oder?
Ich wünsche mir, dass das Publikum im Mittelpunkt steht und Europameister wird. Es soll eine Euphorie entstehen wie 2006 bei der Weltmeisterschaft in Deutschland. In zehn Jahren wird niemand mehr vom Weltmeister Italien sprechen, sondern alle erinnern sich dann nur noch an die sympathischen und fröhlichen Bilder, die damals aus Deutschland um die Welt gingen. Wenn uns etwas Ähnliches gelänge, wäre das traumhaft. Was die Schweizer Chancen angeht, bin ich Realist - und aus ökonomischer Sicht wünsche ich mir natürlich, dass die Deutschen so weit wie möglich kommen.