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Frank Schirrmachers Düsseldorfer Dankrede
Den Schmerz verdoppeln
Was "die Deutschen" "den Juden" angetan haben...
Wenn "die Juden" sich noch bis "ins zehnte Glied"
verfolgt fühlen, müssen "die Deutschen" sich nicht
dafür verantwortlich fühlen, die damals noch nicht gelebt
haben. Es mag provokant klingen, aber hier tut sich ein Blutsgedanke wie
in dunklen Zeiten auf. Denn der Gedanke ist: ihr seid Nachkommen dieser
Leute und seid genau so schuldig und müsst euch deswegen anders
verhalten als alle anderen. Wer so denkt, bedient sich selbst der
Waffen, mit denen er einst verfolgt wurde. Gedenken gut und schön,
aber auch für den Urenkel ist der Vorfahr, selbst wenn er ein
Massenmörder war, ein Unbekannter. Deshalb einen Maulkorb
anzulegen, widerspricht der Vernunft.
Erbschaft betrifft auch Verpflichtungen des Erblassers
Mit "Blutsgedanken" hat es rein gar nichts zu tun. Bekanntlich
muss man bei Antreten einer Erbschaft auch die Verpflichtungen des
Erblassers übernehmen. Für Deutschland bedeutet dies relativ
simpel, dass alle, die den Laden nach dem Krieg geerbt haben, sich
gegenüber den Juden und anderen europäischen Völkern in
keiner Weise jemals wieder feindlich oder auch nur feindsinnig verhalten
dürfen. Wer das als "Maulkorb" bezeichnet, hat vielleicht
die Mehrheit schon wieder auf seiner Seite, trägt aber dazu bei,
dass der Eindruck entsteht, die Deutschen wären historisch
lernschwach. Bekanntlich finden sich ja auch immer noch Deutsche, die
nicht nur Israels Politik kritisieren, sondern es für erlaubte
Meinungsäußerung halten, jüdische Gräber zu
schänden oder "körperliche Attacken" auf Juden (wie
jüngst in Berlin). Was halten Sie denn davon, dass praktisch jede
Synagoge in D immer noch besonders bewacht werden muss?! Und jetzt sagen
Sie nicht, dies läge an der Politik des israelis. Kabinetts.
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