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Cayetano Rivera Ordóñez
Geburt eines Matadors
Stierkampf
Am besten ist, man denkt mit dem eigenen Kopf.
Da züchtet, streichelt und pflegt und füttert einer ein Tier, bis es groß genug ist, damit man es vor einer blutrünstigen Horde abstechen kann, möglichst langsam. Die ergötzt sich dran, wie einem Lebewesen das Leben genommen wird, und sie nennt das Kunst. Die 'Fans' merken nicht, daß der Stier gern lebt. Sie sehen nicht, wie ihm das Auge bricht. Die haben kein Mitleid. Sie fühlen nur ihren Ersatzorgasmus. Sie lieben ihre Gänsehaut. Und hegen die schwachsinnigen Erklärungen von Natur und Mensch, von symbolisch, männlich, heldenhaft und ähnlichem Stuß. Mir ist egal, ob das einen Hemingway geil gemacht hat. Perverses lehn’ ich auch dann ab, wenn literarischer Aufwand zu seiner Rechtfertigung betrieben wird. Aus Gefahr oder Hunger töten, das versteh’ ich, aber nicht zur Belustigung oder zum Spaß.
Ich jedenfalls geh’ nur dann in eine Stierkampfarena, wenn ich weiß, daß der Stier gewinnt. Dann steh’ ich auf, als einziger, klatsche Beifall und schrei’: 'Endlich'! (Wahrscheinlich würde ich das nicht tun, aber so ist mir zumute, wenn ich daran denke, was in dem Stadion da gefeiert wird.)
Karl-Heinz Isleif
Tokyo, Japan
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