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FAZ.NET-Frühkritik: Maybrit Illner
„Wir würden handeln, wenn wir mehr wüssten“
Was Transparenz wäre.
Für jede erbrachte und zu zahlende Leistung bekomme ich in
Deutschland eine Rechnung mit
Details. Nicht jedoch in unserem Gesundheitswesen. Warum soll es nicht
möglich sein, nach jedem Arztbesuch oder Aufenthalt im Krankenhaus,
dem Versicherten eine Rechnung über erbrachte Leistungen
auszustellen, die dieser überprüfen und sie dann seiner Versicherung
einreichen kann? Man kann kaum erahnen, wie viele Milliarden so im
Gesundheitswesen gespart werden könnten. So bekommen Ärzte und
Krankenhäuser für jeden Patienten einen
Blankoscheck, den sie auch nach Gutdünken ausfüllen
können, weil der Versicherte die Rechnungsdetails nie erfährt.
Mit dieser Praxis wurde Betrug Tür und Tor geöffnet.
Transparenz ist das letzte, was Ärzte und Krankenhäuser wollen
und deren Lobby wird sich mit Haut und Haaren dagegen wehren.
Darüber sollte endlich diskutiert werden und nicht über
rhetorische Unterschiede zwischen Leit- und Richtlinien.
Sehr nette Theorie...
... aber in der Praxis wird das so nicht geschehen - und auch nicht
funktionieren. Zum einen steigt damit der Aufwand (Ausstellen der
Rechnung, Zeit bis zum Feedback, Verarbeitung bei der Versicherung,
etc.) Zum anderen - und das ist das wohl wesentliche Hindernis - ist es
den meisten Versicherten schlichtweg schnurzpiepegal, denn - ja,
traurig, aber wahr - es ist ja nicht ihr Geld, sondern das der
Versicherung. Und als Sahnehäubchen obendrauf: Schon heute
interessiert es nicht mal die Versicherung. Ich hatte selbst eine
Rechnung moniert - und es ist nichts passiert...
Es könnte m. E. erst dann funktionieren, wenn Patienten in Vorlage
treten müssten, d.h. die Rechnung erst selbst zahlen und das Geld
von der Versicherung zurückerhalten würden. Dann würden
sie - wie beim Handwerker - selbst draufschauen, weil sie dann das
Risiko trügen, auf einem Teil sitzen zu bleiben.
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