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Zecken-Risiko : Die Gefahr lauert auch im Stadtpark

Entwarnung: Mehr Zecken wird es in diesem Jahr nicht geben Bild: picture-alliance/ dpa

Gibt es nach dem milden Winter mehr Zecken? Und stimmt es, dass Zecken vom Wald in die Städte wandern? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Zecken-Risiko.

          Der Winter war mild, gibt es jetzt mehr Zecken?

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hier kann man Entwarnung geben. „Weder die Menge noch die Aktivität der Zecken ist in diesem Jahr stärker als sonst. Die Zecken waren aufgrund der milden Temperaturen nur einfach früher wieder da“, sagt Parasitologin Miriam Pfäffle vom Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Übrigens: Wer glaubt, ein harter Winter schade den Tieren, hat sie unterschätzt. Der gemeine Holzbock, die häufigste Zeckenart in unseren Breiten, weiß genau, wie er es sich unter Laub und Schneedecke kuschlig machen muss, um selbst kalte Winter in Skandinavien unbeschadet zu überstehen. Da sind frostige Zeiten bei uns für ihn ein Klacks.

          Stimmt es, dass Zecken vom Wald in die Städte wandern?

          Leider ja. Auch beim Picknick im Stadtpark ist man vor den saugenden Tieren nicht mehr sicher. Besonders wohl fühlen sie sich in Anlagen mit vielen Bäumen wie dem Karlsruher Schlossgarten oder dem Englischen Garten in München. Igel oder Vögel dienen ihnen dort als Wirte. Auf niedrigem Gestrüpp und Grashalmen warten sie dann darauf, von Menschen abgestreift zu werden.

          An welchen Körperstellen sollte ich bei mir und Kindern nach Zecken suchen?

          Für Zecken sind wir fast überall zum Anbeißen lecker. Selbst wenn es ihr an einer Stelle mal nicht gefällt, wandert sie unbemerkt so lange auf unserer Haut entlang, bis sie einen feuchten und warmen Ort gefunden hat. Ihre Lieblingsplätze sind bei Kindern der Kopf und bei Erwachsenen Kniekehle, Bauch, Achsel und Leistenbereich. Das besonders Gemeine: Zecken betäuben während des Blutsaugens die Einstichstelle. Juckreiz und Schmerz fehlen. Die Zecke bleibt unbemerkt.

          Kann mein Haustier als „Zecken-Lieferant“ für mich zur Gefahr werden?

          Durchaus. Wer mit seiner Katze oder seinem Hund kuscheln will, sollte das Tier vorher nach Zecken absuchen. „Die Gefahr ist nicht so groß, besonders nicht, wenn die Zecke sich am Haustier schon festgesaugt hat. Ist das aber noch nicht der Fall, kann die Zecke durchaus einmal bei engem Kontakt auf den Menschen übergehen“, sagt Biologin Nina Littwin vom KIT.

          Warum hat Borreliose noch den Zusatz „Lyme“?

          Damit man weiß, wo sie entdeckt wurde. In den siebziger Jahren wurde sie in Lyme, einem Ort im Nordosten Amerikas, zum ersten Mal beschrieben. „Borreliose“ leitet sich übrigens von dem Erreger ab. Es sind Bakterien aus der Gruppe der Borrelien.

          Ich fahre in den Süden. Sind die Zecken dort ebenfalls eine Gefahr?

          Absolut. Zecken können nämlich neben Borreliose und Frühsommerenzephalitis (FSME) auch noch Erreger ganz anderer Krankheiten übertragen. „In der Türkei tritt nach Zeckenbissen immer wieder das Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber auf. Aus dem Mittelmeerraum kennen wir das Fleckfieber“, sagt Trevor Petney vom KIT. Für Zeckenschutz muss dringend Platz im Koffer sein!

          Gibt es Menschen, die Zecken besonders anziehen?

          Wissenschaftliche Untersuchungen gibt es dazu nicht, sagen die Forscher vom KIT. Die Erfahrung aber zeige: Ja, diese gibt es.

          Welche Mittel gegen Zecken helfen wirklich?

          Das Allerwichtigste ist das gründliche Absuchen des Körpers, wenn man aus der Natur kommt. Es ist mühselig, aber effektiv. Ratsam ist es, helle Kleidung zu tragen, auf der man die Zecken gut sieht, und möglichst lange Hosen. Zu Anti-Zecken-Mitteln aus der Sprühflasche gebe es hierzulande wenige Daten, sagt KIT-Experte Petney. Aber aus Amerika wisse man, dass manche effektiv seien - allerdings natürlich nur an den eingesprühten Körperstellen.

          Ich habe mich impfen lassen, wie gut ist mein Schutz?

          Eine Impfung gibt es nur gegen FSME. Gegen Borreliose nicht. Um einen vollständigen FSME-Schutz zu haben, sind drei Impfungen im Abstand von einem bis drei Monaten und nach einem halben Jahr bis Jahr notwendig. Ein voller Impfschutz wirkt sehr zuverlässig und für drei Jahre. Muss es schnell gehen, kann die zweite Impfung auch schon nach zwei Wochen durchgeführt werden. Nach zwei Impfungen hält der Schutz nur rund ein Jahr. Nach drei bis fünf Jahren braucht man eine Auffrischimpfung. Hat man die vergessen, kann sie auch kurz vor dem Urlaub noch nachgeholt werden. Allerdings sollte man bedenken: Manchmal kommt es nach dem Piks zu grippeartigen Symptomen - die kann man auf Reisen wirklich nicht gebrauchen. Deshalb: Schauen Sie früh genug mal in den Impfpass.

          Es ist passiert, ich bin gestochen worden. Was jetzt?

          „Ziehen Sie die Zecken mit einer Pinzette oder - wenn nicht vorhanden - den Fingern raus. Greifen Sie dabei so nahe an der Haut wie möglich“, rät Parasitologin Pfäffle. Quetsche man den Zeckenkörper, bestehe die Gefahr, dass noch mehr Speichel ins menschliche Blut spritzt. Bleibt der Stechapparat in der Haut, macht das nichts, das kann bis zum Arzt warten. Beobachten Sie Ihren Körper und die Einstichstelle danach. Kommt Ihnen etwas komisch vor oder bildet sich ein roter Ausschlag, sofort zum Arzt gehen.

          Quelle: F.A.S.

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