http://www.faz.net/-gmu-yscm

Plutonium : Das elementare Böse

  • -Aktualisiert am

Pu-238 glüht vor Radiaktivität: Die Nasa heizt damit Sonden. Bild: FOTO DOE

Plutonium hat unter den Grundstoffen der Chemie mit Abstand den schlechtesten Ruf. Die Vorgänge in Fukushima haben daran bestimmt nichts geändert. Aber was weiß man überhaupt über dieses Element?

          Siebzehn Tage nach dem Tsunami brandete die Welle der Panik noch einmal auf. Es reichte ein einziges Wort: Plutonium. Man hatte es in Bodenproben vom 21. März auf der Anlage des Fukushima-Atomkraftwerks gefunden. Kaum ein Nachrichtensender, der den Fund nicht sorgenvoll verkündete. Kaum eine Zeitung, die nicht ratlos berichtete. Ein neuer Tiefpunkt des Unglücks in Japan schien erreicht.

          Kein anderes Element gilt als gefährlicher. Kein anderes vermag es, derartigen Schrecken zu verbreiten wie Plutonium. Schon in den Tagen und Wochen zuvor waren bange Blicke auf den Reaktorkern von Block 3 des havarierten Atomkraftwerks geworfen worden, in dem Mox-Brennstäbe mit erhöhtem Plutonium-Gehalt stecken. Drohte und droht in Fukushima jetzt tatsächlich der "Plutonium-GAU"?

          Schon die Pressemitteilung der Fukushima-Bertreiberfirma Tepco ließ erste Zweifel aufkommen: "Die Konzentration von Plutonium ist gleich der Fallout-Belastung, die in Folge von Atmosphären-Atombombentests in der Vergangenheit in Japan beobachtet wurde", hieß es auf deren Homepage am Montag. Lediglich zwei der fünf Proben, die eine Woche zuvor an verschiedenen Stellen auf dem Fukushima-Gelände genommen wurden, würden womöglich Reaktorplutonium enthalten. Die veröffentlichten Messwerte zeigten allerdings nur einige Zehntel Becquerel pro Kilogramm Erdreich an - eine Größenordnung, wie man sie tatsächlich seit den Atombombentests der 40er, 50er und 60er Jahre überall auf der Nordhalbkugel findet. Dass diese Informationen von der ersten Welle der Berichterstattung nicht sonderlich zur Kenntnis genommen wurden, mag am hohen Aktualitätsdruck der Berichterstattung gelegen haben. Oder aber niemand glaubte der Betreiberfirma, die wegen ihrer widersprüchlichen Informationspolitik zunehmend in der Kritik steht.

          Unterschiedliche Zerfallsraten

          Mittlerweile bestätigt aber eine Analyse der Plutonium-Daten durch die Kölner Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit die Aussagen von Tepco. Demnach sind vermutlich nur geringe Mengen Plutonium aus den Reaktoren oder den Abklingbecken in die Umwelt gelangt. Als eher unwahrscheinlich stuft die Analyse den Verdacht ein, dass die Plutoniumspuren aus Mox-Brennstäben stammen. Ob gefundenes Plutonium eher von Atomwaffen oder aus Reaktoren stammt, lässt sich über die relative Häufigkeit der verschiedenen Isotope des Elements abschätzen. Sie unterscheiden sich durch die Zahl der Neutronen im Atomkern. Plutonium (abgekürzt Pu), das lange Zeit in einem Kernreaktor mit Neutronen beschossen wurde, enthält wesentlich mehr Pu-238 als Pu-239 und Pu-240. Bei den Resten des Fallouts der Atombombentests in den oberen Zentimetern des Erdreichs überwiegen dagegen die beiden letzteren.

          Alle Plutoniumisotope sind radioaktiv, sie zerfallen also nach einer gewissen Zeit von selbst. Bei Pu-238 geht es am schnellsten: Von ihm ist nach etwa 88 Jahren bereits die Hälfte verschwunden. Damit strahlt es aber auch besonders intensiv und setzt dabei so viel Hitze frei, dass sich eine Probe reinen Metalls selbst zur Weißglut bringt. Daher gibt man Raumsonden zu den äußeren Planeten pfundweise Pu-238 mit, dessen Zerfallswärme durch Thermoelemente in Elektrizität umgewandelt werden. Im Gegensatz zu Pu-238 ist Plutonium-239 spaltbar. Es hat eine Halbwertszeit von 24 110 Jahren und entsteht in Uran-Brennstäben als Abfallprodukt. In Mox-Brennstäben dient es selbst als Spaltmaterial.

          Topmeldungen

          Amerikas Präsident unter Druck : Immer Ärger mit Donald

          Eigentlich sollte es eine Woche der Triumphe werden – doch dann ging die Alabama-Wahl schief und Donald Trump hat mal wieder Ärger an allen Fronten. Immerhin ein Projekt des amerikanischen Präsidenten steht kurz vor der Vollendung.
          Theresa May hat im Unterhaus eine Niederlage einstecken müssen.

          Brexit-Schlappe für May : Das Parlament besteht darauf

          Kurz vor dem EU-Gipfel bringt das britische Parlament der Premierministerin mit dem Veto-Recht eine bittere Niederlage bei. Was bedeutet das für Theresa May?
          Insgesamt 270 Millionen Euro weniger will das ZDF zwischen 2021 und 2028 ausgeben.

          F.A.Z. Exklusiv : Wachsender Unmut über ARD und ZDF

          Ein Bericht der Finanzkommission sorgt für neue Diskussionen zur Reform von ARD und ZDF. Die Forderungen nach einer Neudefinition des Auftrages werden immer lauter.
          SPD-Chef Martin Schulz am Mittwochabend vor dem Gespräch mit Merkel und Seehofer.

          Nach Spitzentreffen mit Union : „Ich weiß nicht mehr, was die SPD will“

          Während die Union nach dem Gespräch der Chefs von CDU, CSU und SPD endlich über eine große Koalition sprechen will, halten sich die Sozialdemokraten bedeckt und schieben Entscheidungen weiter auf. Für ziemlich falsch hält das indes eine anderen Partei.