18.04.2009 · Die Genpflanzen-Firma aus St. Louis beutet arme Bauern aus, behaupten Gentechnikgegner
Monsanto ist ein amerikanisches Unternehmen. Amerikaner vermitteln einem gerne den Eindruck, sie allein könnten die Welt besser machen. Der Weltmarktführer für genveränderte Ackerpflanzen aus Missouri trägt nach eigener Lesart zum Umweltschutz, zur Lösung des globalen Energieproblems, zur Bekämpfung des Welthungers durch Verdopplung der Erntemengen und zur Bekämpfung des Wassermangels bei. Trotzdem hat das Unternehmen global einen schlechten Ruf.
Der erste Vorwurf lautet, Monsanto sei profitgierig. Das dürfte stimmen. Das Unternehmen ist an der Börse notiert, die Aktionäre pochen auf Gewinn. Monsanto hat im Geschäftsjahr 2007/2008 einen Umsatzschub von 36 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar verbucht. Besonderes Wachstum verzeichneten das Mais-, Sojabohnen- und Baumwolle-Saatgut und die Unkrautvernichtungsmittel. Der Nettogewinn konnte sich mehr als verdoppeln und erreichte rund zwei Milliarden Dollar. Dieses Jahr sollen es noch einmal 20 Prozent mehr werden. Das Geld wird in Amerika und in Schwellenländern verdient.
Monsanto wird ferner ein Geschäftsmodell vorgeworfen, das arme Bauern in Knechtschaft und Verzweiflung treibt. Davon stimmt zumindest: Die grüne Gentechnik verändert grundsätzlich die Gepflogenheiten. Früher haben die Bauern einen Teil ihrer Ernte behalten und wieder ausgesät, ohne zu zahlen. Schon länger wollen die Saatgutfirmen für ihr speziell entwickeltes Saatgut auch in den Folgejahren eine Lizenzgebühr. Bei gentechnisch verändertem Saatgut drängen sie aber nachdrücklicher, weil hohe Kosten in der Entwicklung stecken. Monsanto schickt deshalb Mitarbeiter zu Bauern, die sie verdächtigen, Lizenzvereinbarungen verletzt zu haben. Saatgutpolizei werden sie genannt und tragen zum schlechten Image bei. Monsanto spricht von 120 Patentauseinandersetzungen in zwölf Jahren in Amerika bei 250 000 Kunden.
Einer der schlimmsten Vorwürfe gegen die Firma lautet, sie habe indische Bauern in den Selbstmord getrieben, die sich durch den Kauf von Monsanto-Saatgut überschuldet hatten. Eine UN-Organisation hat die Vorfälle untersucht und einen Zusammenhang zwischen Selbstmorden und Geschäften mit Monsanto verneint. Monsanto betreibt entschlossen und geschickt Lobbyismus und ähnelt darin den Gentechnikgegnern. Das Unternehmen finanziert auch Forschung. Das umstrittene Schweinepatent besitzt Monsanto nicht mehr. Damit können sich jetzt andere herumärgern. wvp.