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Winterwetter Heizungen wird es zu kalt

11.02.2012 ·  Die Kälte lässt die Zentralheizungen ausfallen. In Firmen und Krankenhäusern ist es eisig. Letzter Ausweg ist ein Kraftwerk auf Rädern. Die mobilen Heizkessel haben Hochkonjunktur.

Von Christian Siedenbiedel
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© dpa Qualmende Schornsteine in Leipzig

Normalerweise sieht man in Frankfurter vor der Zentrale der Fondsgesellschaft DWS nur die Raucher stehen. In Schlips und Anzug oder Kostüm überbrücken die Banker dort die Pause. Seit kurzem aber qualmt es vor dem illuster verglasten Bürogebäude aus einem silberfarbenen Schornstein. Er ragt aus einem Container, von dem aus Plastikschläuche wie Krakenarme ins Gebäude führen. "Mobiles Heizzentrum" steht darauf.

Überall in Deutschland stehen zur Zeit die mobilen Heizkessel. Temperaturen von bis zu minus 20 Grad haben in zahlreichen Gebäuden den Heizungen ihre Grenzen gezeigt.

In manchen Büros sitzen die Leute schon mit Pullover, Mütze und Heizlüfter

Anfangs probieren Bürobeschäftigte es oft noch, das Problem mit kleinen Heizlüftern, warmem Kaffee oder dicken Wollpullovern auszusitzen. Chefs scherzen in solchen Situationen gern, wenn den Leuten zu kalt sei, sollten sie halt schneller arbeiten. Aber irgendwann, so stellen die meisten fest, hilft nur noch der Anruf bei einem professionellen Dienstleister für mobile Heizungsanlagen.

"Wir haben Hochkonjunktur", sagt Walter Gass, Geschäftsführer der Firma HDS Energielösungen aus dem osthessischen Hofbieber, die den Container bei der DWS aufgestellt hat. Und auch Reto Brütsch, technischer Geschäftsführer beim Konkurrenten Hotmobil in Gottmadingen, einer Tochter des Frankfurter Energieversorgers Mainova, spricht von Aufträgen "sieben Tage die Woche, rund um die Uhr". Beide Unternehmen stellen bundesweit transportable Heizanlagen zur Verfügung - und zwar sowohl für Firmengebäude, Kirchen, Stadien und Hallen, als auch für Villen und sogar Reihenhäuser.

Das Kälte-Hochdruckgebiet "Dieter" hat den mobilen Wärmebringern zusätzliches Geschäft beschert - fast alle Anlagen sind mittlerweile irgendwo im Einsatz.

Besondere Schreckensmeldungen gab es vergangene Woche aus Berlin. Dort fielen bei minus 20 Grad in rund 10.000 Wohnungen vorübergehend die Heizungen aus. Einzelne Häuser ohne funktionierende Heizung aber gibt es in vielen Orten.

Auch Altenheime und Krankenhäuser aus verschiedenen Teilen der Republik haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen. "Wir wurden in ein Altenheim im oberbayerischen Ferienort Ruhpolding gerufen", erzählt HDS-Chef Gass. "Dort ist die Fernwärme ausgefallen - und man konnte die älteren Leute bei dem Frost unmöglich ohne Heizung lassen." Konkurrent Hotmobil kümmerte sich unterdessen darum, dass im Uniklinikum Essen den Patienten nicht die Finger abfroren. Auch dort gab es Schwierigkeiten mit der Heizung.

„Wir mischen dem Öl inzwischen Frostschutzmittel bei“

Die Ursachen für den Zusammenbruch der Heizungsanlagen sind in vielen Fällen ähnlich - wenn auch nicht in allen. Oft seien die Heizungen alt, berichten die Fachleute. Solange sie bei leichter Kälte nur zu 50 oder 70 Prozent ausgelastet seien, sei das noch kein Problem. Bei minus 15 bis minus 20 Grad aber würden sie auf einmal zu 100 Prozent beansprucht. Dann gäben sie ihren Geist auf.

Sogar in großen Fabrikanlagen wird es auf einmal verdammt kalt. "Vergangene Woche wurden wir zu Audi nach Ingolstadt gerufen", erzählt Gass. "Dort ist die Heizung für eine komplette Fabrikhalle ausgefallen." Das mobile Heizzentrum, das dafür notwendig war, musste mehr als ein Megawatt Leistung haben; so viel wie ein Minikraftwerk. Der Container dafür ist immerhin sechs Meter lang und mehr als zwei Meter breit. Einen fahrbaren Öltank braucht man dafür noch zusätzlich.

Auch die Chemiefirma Ticona aus Sulzbach bei Frankfurt, deren Anlagen für den Ausbau des Frankfurter Flughafens verlegt werden mussten, musste wegen der Kälte auf eine mobile Heizungsanlage zurückgreifen.

In der vergangenen Woche war es sogar so kalt, dass die Leute von den mobilen Heizkraftwerken selbst aufpassen mussten, dass ihnen nicht auch ihre Anlagen einfrieren. "Wir mischen dem Öl inzwischen Frostschutzmittel bei", sagt Gass. "Sonst parafiert das Öl - wie bei Dieselmotoren in Autos, die im Augenblick ja auch manchmal nicht anspringen."

Die mobile Heizung kommt auch im Stadion im Einsatz

Auch in vielen Fußballstadien frieren bei diesem Wetter nicht nur die Spieler. Denen kann man ja vielleicht noch raten, sich mehr zu bewegen. Aber auch Zuschauer in geschlossenen Tribünen und Lounges sind vor der Kälte nicht sicher. So hat Hotmobil in Frankfurt für die Commerzbank-Arena der Eintracht eine mobile Heizung mit gewaltigen Ausmaßen geliefert. Sie produziert zweimal 1,2 Megawatt - und beheizt das ganze Stadion. Die beiden Heizkessel, die das normalerweise tun, hatten nacheinander den Geist aufgegeben. In der Nachbarstadt Wiesbaden wurde sogar am Freitag das Spiel des SV Wehen gegen Arminia Bielefeld abgesagt, weil die Rasenheizung versagt hatte. Dabei hatte Wiesbaden so gehofft, mit dem Spiel in die Sportschau zu kommen.

Schüler hingegen nehmen es offenbar mit einer gewissen Gelassenheit auf, wenn die Heizung in ihrer Schule sich verabschiedet. Einige freuen sich sogar, wenn deshalb die Schule ausfällt. Bei anderen beschweren sich die Eltern anschließend bei den Lehrern, weil sie die Kinder "zu Hause erstmal auf die Heizung setzen mussten", wie aus einer hessischen Schule berichtet wird. Allein im südhessischen Kreis Darmstadt-Dieburg versagten vergangene Woche in drei Schulen die Heizungen, in Roßdorf, Ober-Ramstadt und Groß-Umstadt. In Berlin blieben zwei Schulen geschlossen, das Berggrün-Gymnasium in Westend und die Schule an der Strauchwiese in Pankow.

Die Kälte führt aber nicht nur dazu, dass viele Heizungen kaputtgehen. Sie treibt auch den Preis von Öl und Gas kräftig nach oben. Der Heizölpreis kletterte vergangene Woche auf 93,20 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern). Das war so viel wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Öllieferanten berichten, Kunden müssten zum Teil mehrere Wochen warten, bis ihnen etwas geliefert werde. Nur wo es ganz stark dränge, würden kleinere Mengen sofort geliefert.

Erdgas soll vor allem im süddeutschen Raum knapp sein. Die Stadtwerke Schramberg im Mittleren Schwarzwald forderten die Bürger der Stadt bereits auf, ihre Heizung zu drosseln und "trotz der extremen Kälte die Raumtemperatur etwas abzusenken".

Zu einem ausgesprochen unkonventionellen Einsatz gegen die Kälte sah sich übrigens die Notenbank in Ungarn gezwungen. Wie aus dem Land in der vergangenen Woche berichtet wurde, werden dort alte Geldscheine der Währung Forint nicht entsorgt - sondern zu Briketts gepresst und an frierende Menschen als Heizmaterial verteilt.

So weit wird man hierzulande trotz aller Diskussionen um den Euro aber zweifellos nicht gehen. Schließlich soll es in der kommenden Woche ja auch wieder ein klein wenig wärmer werden.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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