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Fragen an zwei Generationen : Fliegen wie Supermann

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Julia Mann, Enkelin des Schriftstellers und Psychologen Frido Mann Bild: Roeder, Jan

Über das Glück der Musik und Gewalt in der Familie und das Leben mit einem sehr, sehr großen Namen: Frido Mann, Enkel von Thomas Mann, und seine Enkelin Julia antworten auf dieselben Fragen.

          Frido Mann, Enkelsohn von Thomas Mann
          Frido Mann, Enkelsohn von Thomas Mann : Bild: Roeder, Jan

          Was haben Sie gesehen, wenn Sie als Kind aus dem Fenster geschaut haben?

          Frido Mann, 74 Jahre: Im Haus meiner frühen Kindheit in Mill Valley in Kalifornien war mein Zimmer ebenerdig, wir konnten das Fenster hochschieben und in den Garten springen, der völlig verwildert war.

          Julia Mann, 18 Jahre: Den Bodensee. Vom Balkon hatte ich eine wunderschöne Aussicht auf Segelschiffe, Dampfer und die Alpen.

          Wo war als Kind Ihr Lieblingsplatz?

          FM: Eigentlich war es das Kinderzimmer, da fühlte ich mich am sichersten. In der Mitte stand eine große Holztruhe, in der mein Bruder Toni und ich sämtliche Spielsachen verwahrten, abends wahllos hineinschmissen und morgens wieder herausholten.

          JM: In der Natur, am liebsten am Ostseestrand. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr wohnten wir in Mecklenburg-Vorpommern. An den Wochenenden konnte ich mit meinen Brüdern herumtoben, baden und Sandburgen bauen.

          Wo sind Sie aufgewachsen?

          FM: In der Bay Area von San Francisco. Es gab in der Nachbarschaft einen dunklen Wald mit Spielplatz, eine alte Mühle am Bach (deshalb „Mill Valley“), ein paar Läden und ein Kino. Mit Popcorn ausgerüstet, besuchten wir von klein auf die „Kiddys Show“. Unvergesslich auch die „Wochenschau“ auf der Leinwand. Ich erinnere mich noch an die Amtsübernahme von Vice-President Truman nach dem plötzlichen Tod von Roosevelt im April 1945.

          JM: Nach den ersten Jahren in Norddeutschland bin ich mit meiner Familie nach Konstanz an den Bodensee gezogen. Hier mache ich gerade Abitur.

          Was war als Kind Ihr größter Traum?

          FM: So wie „Superman“ fliegen zu können. Eine Tante von mir nähte mir deswegen extra ein Superman-Kostüm, in dem ich mich manchmal stolz in der Nachbarschaft zeigte. Abschreckend war für mich nur, dass man mich zu Hause mit der Geschichte warnte, ein anderer Junge wäre einmal, im Wahn, fliegen zu können, im selben Kostüm aus einem hohen Fenster in den Tod gesprungen. Das hat meinen Fliegetraum dann doch etwas gedämpft.

          JM: Mit fünf Jahren habe ich das Disneyland in Los Angeles besucht. Ich kann mich an meine völlige Verzweiflung erinnern, als der traumhaft schöne Tag zu Ende ging. Ich hatte mich so in die Disneywelt hineinversetzt, dass es lange mein größter Traum war, dorthin zurückzukehren. Als ich das dann Jahre später tatsächlich tat, war ich enttäuscht. Ich sah mit den Augen der Älteren nur noch die Perfektion der Vergnügungsindustrie.

          Was haben Sie sich als Kind am meisten gewünscht?

          FM: Eigentlich war ich in Mill Valley fast wunschlos glücklich, aber da ich besonders gern bei meinen Großeltern Thomas und Katia Mann in Südkalifornien war, habe ich mir immer wieder gewünscht, dort zu sein, und das war ja dann auch sehr oft der Fall. Als wir Amerika 1950 in die Schweiz und dann nach Österreich verließen, hatte ich die ersten Jahre großes Heimweh nach dem kalifornischen Paradies.

          JM: Ich wollte unbedingt eine kleine Schwester haben. Jahrelang habe ich meinen Eltern in den Ohren gelegen. Aber mit zwei Brüdern ist das Leben auch ganz lustig.

          Was hätten Sie als Kind gerne an Ihren Eltern geändert?

          FM: Die Unberechenbarkeit meines Vaters, seinen Hang zu plötzlicher Gewalttätigkeit. Meine Mutter hätte ich gern zu mehr herzlicher Zuwendung, Zärtlichkeit und persönlichem Interesse bewegt, statt von ihr hauptsächlich nur „verwaltet“ zu werden.

          JM: Meine Eltern haben wie alle anderen auch kleine Macken, aber genau das macht den Charakter aus. Ich finde es nicht schlimm, wenn mein Papa das Sofa blockiert, weil er zeitgenössische Musik hören und dazu „ein gutes Buch“ lesen möchte, auch wenn die schiefen Töne bis in mein Zimmer reichen und ich mich nicht konzentrieren kann.

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