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Veröffentlicht: 01.02.2014, 19:23 Uhr

Suspendierter Bischof in Limburg Tebartz-van Elst ist wieder da

Eigentlich soll er sich aus seiner Diözese fernhalten. Doch Tebartz-van Elst wohnt nicht nur regelmäßig in seinem alten Dienstsitz, angeblich erteilt er auch seinem Vertreter Anweisungen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

© dpa Schwer belastet: der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

Franz-Peter Tebartz-van Elst, der von seinen Aufgaben vorübergehend entbundene Bischof von Limburg, hält sich wieder regelmäßig in seiner Diözese auf. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung aus Kirchenkreisen erfuhr, verbringt der Bischof jeden Monat zumindest mehrere Tage an seiner früheren Wirkungsstätte. Er wohnt dann im Bischöflichen Haus, das er für 31 Millionen Euro errichten ließ, was im Oktober zu seiner Suspendierung und zur Einsetzung einer Untersuchungskommission führte. Tebartz-van Elst zog sich damals angeblich in das niederbayerische Kloster Metten zurück.

Tatsächlich wird die Dienstwohnung des Bischofs in seinem Amtssitz seitdem von seinem Fahrer geführt, der ihn dort auch bekocht. Nach F.A.S.-Informationen erhält der Fahrer Bezüge etwa wie ein Weihbischof. Über Tebartz-van Elst heißt es, er habe zuletzt sogar die Heilige Messe in seiner Privatkapelle gefeiert. So soll er im Januar mit Vertrauten einen Gottesdienst anlässlich seiner Einführung als Bischof von Limburg vor sechs Jahren gehalten haben.

Einfluss auf die Amtsgeschäfte

Die Präsenz des suspendierten Bischofs in Limburg wird in deutschen Kirchenkreisen kritisch beäugt. Es herrscht die Sorge, Tebartz nehme Einfluss auf die Amtsgeschäfte. Tatsächlich erteilt er dem neuen Generalvikar Wolfgang Rösch, der offiziell die Geschäfte führt, im Hintergrund Weisungen. Der Vatikan hatte im Oktober mitgeteilt, der Papst halte es für „angeraten“, dem Bischof „eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren“, solange Kosten und Entscheidungswege beim Neubau des Bischofssitzes geprüft werden.

Aus der Umgebung des Bischofs ist zu erfahren, dass er weiter seine volle Wiedereinsetzung in Limburg anstrebt. In Rom wird Tebartz darin von einflussreichen Mitarbeitern der Kurie unterstützt. So äußerte der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, Mitte Januar die Erwartung, dass die Untersuchung der Bischofskonferenz die Vorwürfe „zu Gunsten des Bischofs ausräumen wird“. Auch der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, steht fest zu Tebartz-van Elst.

"Antirömisches" Limburg

Am Freitag sprang ihm zudem der frühere Kurienkardinal Walter Brandmüller bei. Brandmüller vertrat in einem Beitrag für die Zeitung „Tagespost“ die These, im Bistum Limburg sei die sakramental-hierarchische Verfassung 1967 durch ein „demokratisches Modell“ ersetzt worden. Unter dem Einfluss linker Philosophen habe sich eine „antirömische Stimmung“ in dem Bistum ausgebreitet. Sie sei durch den früheren Bischof Franz Kamphaus, Tebartz’ Vorgänger, befeuert worden, als er die kirchliche Beratung von abtreibungswilligen Schwangeren gegen den Vatikan verteidigt habe.

Brandmüller schrieb: „Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass diese Haltung eines Bischofs zerstörerische Folgen für das Verhältnis der Gläubigen des Bistums Limburg zum Lehramt der Kirche haben musste – und zum Nachfolger von Franz Kamphaus.“ Zuletzt war aus Rom gestreut worden, die Bischofskongregation erwäge, die Diözese Limburg aufzulösen.

Im Dunkeln über Kosten

Unterdessen bekräftigte einer der wichtigsten Zeugen für die Untersuchung des Limburger Bauskandals seinen Vorwurf, Tebartz-van Elst habe die wahren Kosten dem Vermögensverwaltungsrat verschwiegen. „Über fast zwei Jahre hat man uns im Dunkeln gelassen, regelwidrig Aufträge vergeben und Kredite aufgenommen. Obwohl bereits 2011 eine präzise Kostenschätzung in den Händen des Bischofs gewesen ist – wie wir aus den Akten wissen“, sagte der frühere hessische Staatsminister Jochen Riebel der F.A.S. Das sei ein „ungeheuerlicher Vorgang“, den es in der katholischen Kirche noch nicht gegeben habe.

Jochen Riebel © dpa Vergrößern Der ehemalige hessische Europaminister Jochen Riebel (CDU, in einer Aufnahme aus dem Jahr 2006) ist heute Mitglied im Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls in Limburg und kritisiert Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst scharf

Riebel verteidigte die Entscheidung des Vermögensverwaltungsrates, trotzdem im August 2013 die viel höhere Kreditaufnahme zu genehmigen. „Dazu gab es keine Alternative“, sagte Riebel, „weil wir die Zahlungsfähigkeit des Bischöflichen Stuhls nicht riskieren wollten“. Denn zwischenzeitlich habe die kreditgewährende Bank den entsprechenden Nachweis gefordert. Die von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Untersuchungskommission soll im Laufe des Februars ihren Bericht vorlegen. Auf dessen Grundlage wird Papst Franziskus abschließend über die Zukunft von Tebartz-van Elst entscheiden.

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