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Im Gespräch: Europa-Abgeordnete Emine Bozkurt „Der Wada-Kodex verstößt gegen das EU-Recht“

28.02.2009 ·  Emine Bozkurt ist niederländische Abgeordnete für die sozialdemokratische Fraktion im europäischen Parlament. Sie hat Initaitiven Initiativen zur rechtlichen Überprüfung des Wada-Kodex ergriffen. Im FAZ.NET-Interview erklärt sie, warum der Kodex ihrer Meinung nach gegen Europarecht verstößt.

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Emine Bozkurt ist niederländische Abgeordnete für die sozialdemokratische Fraktion im europäischen Parlament. Sie hat Initaitiven Initiativen zur rechtlichen Überprüfung des Wada-Kodex ergriffen. Im FAZ.NET-Interview erklärt sie, warum der Kodex ihrer Meinung nach gegen Europarecht verstößt.

Frau Bozkurt, Sie sind Mitglied der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament und haben eine Initiative zur rechtlichen Prüfung des Wada-Kodex gestartet. Was haben Sie konkret unternommen?

Ich habe bereits im vergangenen Jahr Anfragen an die Europäische Kommission und den Europäischen Rat gestellt. Es geht mir darum zu erfahren, ob der neue Wada-Kodex gegen europäisches Recht verstößt, insbesondere gegen die Persönlichkeitsrechte. Die Athleten haben 365 Tage im Jahr für jeweils 24 Stunden ihre Aufenthaltsorte zu benennen, drei Monate im Voraus. Hinzu kommt die Ein-Stunden-Regel. Man sieht überall in Europa, dass die Athleten Probleme mit dem Kodex haben und dagegen protestieren, weil sie keinerlei Privatheit mehr haben.

Welches ist Ihre Einschätzung? Verstößt der Kodex gegen geltendes EU-Recht, vor allem gegen den Datenschutzparagraphen 29?

Ich habe große Zweifel, dass der neue Wada-Kodex in Übereinstimmung mit dem EU-Recht ist. Was ich bisher an Antworten gehört habe, ist, dass man versuchen müsse, die Anti-Doping-Richtlinien der Wada in Kooperation mit dem Europäischen Rat in Übereinstimmung mit EU-Recht zu bringen. Dass man die Persönlichkeitsrechte berücksichtigen müsse und auch das Arbeitsrecht. Man versuche dies, heißt es, was bedeutet, dass sich der Anti-Doping-Kodex im Augenblick nicht in Übereinstimmung mit EU-Recht befindet.

Warum gibt es noch keine offizielle Stellungnahme der EU?

Die EU-Arbeitsgruppe „Artikel 29“ befasst sich derzeit mit Persönlichkeitsrechten und dem Wada-Kodex. Ihr Abschlussbericht wird nach meinen Informationen bis Ende April, Anfang Mai erwartet. Es gibt aber schon so etwas wie einen Zwischenbericht, und der besagt, dass der Wada-Kodex nicht mit EU-Recht übereinstimmt. Nach meiner Einschätzung wird auch der Abschlussbericht zu diesem Ergebnis kommen. Ich denke, auch die Position der Europäischen Kommission ist klar: Der Wada-Kodex verstößt gegen EU-Recht. Wir müssen nun aber erst einmal den Bericht der Arbeitsgruppe abwarten. Alle warten auf diesen Bericht, auch die Kommission. Wenn wir den Bericht kennen, werden wir über die Auswirkungen nachdenken können und über die Frage, was dann kommt.

Haben Sie Rückmeldungen aus einzelnen Staaten?

Es gab Ende November in Biarritz in Frankreich ein informelles Ministertreffen, dort wurde auch der neue Wada-Kodex diskutiert. Und es wurde schon dort klar, dass Minister vieler Länder große Bedenken haben.

Wie stehen die Sportler Ihrer Initiative gegenüber?

Ich habe meine Anfrage in Zusammenarbeit mit Profisportlern vorbereitet. Ich hatte auch Kontakt mit dem niederländischen Fußballverband. Überall habe ich das Gleiche gehört: dass die Athleten mit dem neuen System große Probleme haben. Es gibt viel Unterstützung dafür, etwas dagegen zu unternehmen. Dabei ist wichtig zu unterstreichen, dass ich und die Sportler nicht gegen Anti-Doping-Initiativen sind. Wir wollen einen sauberen Sport. Aber es muss eine Lösung gefunden werden in Kooperation mit den Athleten, eine Lösung, die ihre Rechte berücksichtigt.

Die Fragen stellte Michael Eder.

Quelle: F.A.S.
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