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Das Duell mit Vettel geht in die nächste Runde

Mark Webber leidet bei Red Bull am internen Positionskampf. Trotzdem verlängert er den Vertrag. Der junge Rivale fährt in Spa auf die Pole Position.

Von Michael Wittershagen

Spa-Francorchamps. Immer dieser Vettel! Es gibt Momente im Leben von Mark Webber, da hadert er mit seiner Rolle in der Formel 1. Am Samstag war es wieder so weit: Platz drei im Qualifikationstraining zum Großen Preis von Belgien - und damit schon wieder hinter dem Deutschen, der zum neunten Mal in dieser Saison von der Pole Position in ein Rennen startet. "Leider ist Sebastian mein Teamkollege", sagt der Australier. Nach Jahren in mittelmäßigen Autos sitzt er endlich in einem Boliden, mit dem man Titel gewinnen kann. Doch Vettel ist ihm stets einen Schritt voraus, im vergangenen Jahr wurde dieser Weltmeister, nun rast er geradewegs auf seinen nächsten Coup zu. Webber wollte ihm in Spa eigentlich die Tour verderben, anders ist seine Kampfansage vor der Zeitenjagd nicht zu verstehen: "Wir müssen zurückschlagen." Am Ende des Tages erhielt Webber zwar mehr Glückwünsche und Geschenke, schließlich feierte er seinen 36. Geburtstag. Zum Feiern aber war vor allem Vettel zumute: "Wir haben die passende Antwort gegeben." Die Zweckgemeinschaft aus Junior und Senior besteht bei Red Bull seit drei Jahren.

Schon oft stand sie vor dem Ende. So zumindest wurde manches in der Öffentlichkeit interpretiert. Vettel und Webber stritten um einen Frontflügel, sie kollidierten auf der Strecke und brachten sich damit um den sicheren Sieg und machten selten ein Geheimnis daraus, dass sie keine Freunde mehr werden. Anfang Juli rebellierte Webber zum bisher letzten Mal, als er in Silverstone die Anweisung des Teams ignorierte und Jagd machte auf den Kollegen. Trotzdem geht seine Laufbahn bei Red Bull noch einmal in die Extra-Runde, am Samstag, am Rande des Qualifikationstrainings, haben die Verantwortlichen die Verlängerung des Kontrakts für 2012 bekanntgegeben. Webber erhält so eine weitere Chance auf die späte Krönung seiner Karriere. Auf den Gewinn der Weltmeisterschaft. "Nichts anderes ist mein Ziel", sagt er.

Sein potentieller Nachfolger im Team des Brausemilliardärs Dietrich Mateschitz wird längst aufgebaut - mit der Methode Vettel. Seit Anfang Juli sitzt Daniel Ricciardo im Cockpit eines HRT und soll sich so in der Formel 1 beweisen, noch hat er Anlaufschwierigkeiten. In Belgien geht er als 23. ins Rennen. Der 22 Jahre alte Australier zählt zum Nachwuchskader von Red Bull, immer wieder nennen die Verantwortlichen seinen Namen, wenn es um den zweiten Platz neben Vettel geht. Webber packt Wehmut, wenn er daran denkt, wie lang er auf so eine Chance warten musste. 33 Jahre war er alt, als er zum ersten Mal um den Titel raste - und ihn gegen Vettel verlor. In diesem Jahr könnte sich die Geschichte wiederholen, 85 Punkte trennen beide in der Gesamtwertung. Womöglich wird sich Webber nie aus dem Schatten von Vettel lösen können. "Es beschäftigt mich nicht, was andere über mich denken", behauptet er. "Fragen Sie doch mal eintausend Leute, wofür ich stehe. 900 von ihnen kennen mich vermutlich nicht einmal, und der Rest weiß womöglich überhaupt nicht, ob ich ein guter Typ bin oder nicht."

Andere haben sich nachhaltiger in Erinnerung gerufen. Auch im Regen auf dem legendären Kurs in den Ardennen. Hamilton raste zu seiner besten Zeit mit einem defekten Boliden. Am Ende des zweiten Qualifying-Abschnitts fuhr ihm Pastor Maldonado (Williams) in den McLaren, der Frontflügel brach und musste gewechselt werden. Adrian Sutil (Force India) geriet bei Tempo 300 in der Eau-Rouge mit der linken Seite seines Renners auf den feuchten Rasen und krachte danach in die Streckenbegrenzung. Platz 15. Gar als Letzter geht Rekordweltmeister Michael Schumacher an den Start. Schon nach wenigen Metern verlor der Zweiundvierzigjährige ein Rad seines Mercedes-Renners, drehte sich und schaute fortan zu.

Und dann gab es da ja noch Vettel. Als kaum noch einer mit einer weiteren schnellsten Runde rechnete, sauste der Hesse über die Ziellinie: Erster. "Sebastian hat das irrsinnig gut gemacht", sagte Teamchef Christian Horner: "Er hat in der letzten Runde zugeschlagen." Teamkollege Mark Webber hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen, die Zeit war abgelaufen. Er aber sieht sich noch lange nicht am Ende. "Fakt ist, dass ich noch immer richtig gut drauf bin und ich es liebe, mich dort draußen mit den anderen Kerlen zu messen", sagt er. Einer dieser Kerle macht ihm das Leben weiter verdammt schwer. An diesem Sonntag stellt dieser Typ seinen Boliden in der Startaufstellung direkt vor ihm ab. Vettel, immer dieser Vettel!

Quelle: F.A.S.

 
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