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Budenzauber und Bowle

30.08.2009 ·  Das Museumsuferfest sei ein Boulevard aus Kunst und Kultur, hieß es zur Eröffnung. Tatsächlich dominieren die Essstände, in den Museen ist es ruhig.

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Von Philipp Elsbrock

Frankfurt. Manchmal geht Völkerverständigung ungewohnte Wege. Oliver Michalke steht auf dem Museumsuferfest zwischen chinesischen Pavillons. Sein rechter Unterarm ist mit einem chinesischen Schriftzeichen tätowiert. "Kannst du mir sagen, was das heißt?", fragt er einen asiatisch aussehenden jungen Mann. Han Rui schaut kurz darauf und antwortet: "Liebe, Treue, Gerechtigkeit." Michalke ist zufrieden, "dann stimmt das ja", sagt der Bayer. Er ist aus Rosenheim angereist und am Samstag zum ersten Mal auf dem Museumsuferfest. "Ganz toll", findet er es hier, auch wenn es kein Weißbier gebe. Das Frankfurter Pils sei aber in Ordnung, "des geht scho". Sein Übersetzer Han Rui ist derweil wieder mit seiner eigentlichen Aufgabe beschäftigt. Der Vierundzwanzigjährige trägt ein Roulettespiel vor dem Bauch. Damit läuft er am Frankfurter Ufer entlang und macht Werbung für ein Kasino. Er studiert an der Technischen Universität Darmstadt, doch für einen Nebenjob ist er in eine rot-goldene Uniform gestiegen, die einen chinesischen Soldaten aus der Antike darstellen soll.

Er denkt ganzheitlich. "Probieren Sie doch auch unser Essen", sagt er, wenn jemand bei ihm einen Kugelschreiber und eine Einladung ins Kasino gewonnen hat. Dann weist er auf die Stände hinter ihm. Sie offerieren "Grüne Bandnudeln aus dem Wok" oder "Hähnchen mit Reis". Das "Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik China" bietet eine Reise für Einsteiger, "zehn Nächte inklusive Halbpension" für 1584 Euro. Manchmal gibt es aber auch eine Vorstellung, bei der ein Artist drei Eier auf der Nase balanciert. Oder eine junge Frau bedient die Guzheng, ein klassisches chinesisches Saiteninstrument. China ist in diesem Jahr so präsent am Museumsufer, weil es auf der Buchmesse in diesem Jahr Gastland ist.

Ein "Boulevard aus Kunst und Kultur" sei das Museumsuferfest, hatte Stadtrat Markus Frank (CDU) bei der Eröffnung behauptet. Genaugenommen dominiert aber eher der Boulevard. Kunst und Kultur sind zumindest tagsüber nicht so populär wie der Budenzauber am Flussufer. Das Jüdische Museum ist fast ausgestorben, ebenfalls ruhig geht es im Architekturmuseum zu. "Das Interesse hält sich im Rahmen", sagt die Frau an der Pforte. So sitzen hier im Café Müßiggänger, um entspannt Torte und Kaffee zu genießen.

Die Praktikantin im Filmmuseum hat hingegen viel zu tun. Sie ist umringt von Nachwuchsregisseuren, schließlich können die Kinder hier mit der "Trickfilmboxx" des Kinderkanals ihre eigenen Filme drehen, als Vorgeschmack auf das Kinderfilmfestival "Lucas", das in einer Woche beginnt. Nebenan ist ein Kamerateam des Fernsehsenders da und interviewt junge Mitglieder der Filmjury.

Draußen wälzen sich die Massen über den Schaumainkai. 1,2 Millionen seien es an diesem Samstag, schätzen die Veranstalter. Und auch auf dem Wasser herrscht Hochbetrieb. Hohl dringen die Trommelschläge der Drachenboot-Antreiber ans Ufer, zwischendurch zerreißt der Startschuss die Luft. Von der Untermainbrücke bis zum Holbeinsteg führt die Rennstrecke. Wer zuerst die Zielglocke läutet, gewinnt. Doch das hört niemand, zu laut ist die Musik von diversen Bands auf der Sachsenhäuser Seite.

"Are some pretty ladies around here?", will der Funk-Sänger von den männlichen Zuschauern wissen. Niemand antwortet, es ist noch zu früh. Ein paar Meter weiter haben die "Playground Heroes" ihre Zuschauer besser im Griff. Die älteren Herren treffen mit ihren Rocksongs den richtigen Ton, bei "Alright now" singt das Publikum lauthals mit. Rauhe Kehlen können gleich nebenan gespült werden. Mit Bowle aus riesigen Cocktailgläsern.

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